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Firefox-Vizechef kritisiert Tracking

Chrome Filter: Neuer Werbeblocker blockt weniger als ihr glaubt

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mit dem Chrome Filter erhält Googles Browser morgen eine Art eingebauten Werbeblocker. Doch tatsächlich wird damit wohl kaum merklich weniger Werbung im weltweit meistgenutzten Browser angezeigt werden. Von der Konkurrenz hagelt es bereits jetzt Kritik: Besonders der nach wie vor fehlende Schutz vor Aktivitätenverfolgung sei nicht im Sinne des Nutzers.

Morgen erhält der Chrome Browser mit dem Chrome Filter eine neue Funktion, die automatisch nervige Werbung auf Webseiten blocken soll. Darunter fallen etwa Pop-ups, sich automatisch abspielende Videos oder die besonders auf Mobilgeräten ärgerlichen 'Sticky Ads'. Klingt erstmal vielversprechend: Beim Surfen mehr von dem sehen, was man sehen will und weniger von dem, was einem auf den Keks geht. Wird also im Chrome Browser künftig gar keine Werbung mehr angezeigt? So ähnlich wie bei den eher aggressiven Werbeblocker-Add-ons wie 'uBlock Origin' oder 'Adblock Plus'? Ganz und gar nicht.

Denn die morgige Aktivierung des Chrome Filters ist nur der letzte Schritt einer Art Erziehungsmaßnahme für Werbetreibende, die durch besonders aufdringliche Werbeanzeigen aufgefallen waren. Die 'Coalition for Better Ads', ein Konglomerat aus verschiedenen Unternehmen, hatte nach einer umfangreichen Befragung genau festgelegt, welche Art von Online-Werbung in diese Kategorie fällt:

Diese Werbeformen wird der Chrome Adblocker unterdrücken

Das dreckige Dutzend: Diese zwölf Formen der Werbung sind laut der 'Coalition for Better Ads' die unbeliebtesten Werbeformen.

Quelle: (Screenshots)  Coalition for Better Ads 

Diese Werbeformen wird der Chrome Adblocker unterdrücken

Das dreckige Dutzend: Diese zwölf Formen der Werbung sind laut der 'Coalition for Better Ads' die unbeliebtesten Werbeformen.  

Quelle: (Screenshots)  Coalition for Better Ads 

Chrome Filter mit überschaubaren Auswirkungen

Weist auf den fehlenden Tracking-Schutz bei Chromes neuem Werbefilter hin: Nick Nguyen, Vize Präsident für Firefox bei Mozilla.  

Quelle:  Mozilla Firefox 

Weist auf den fehlenden Tracking-Schutz bei Chromes neuem Werbefilter hin: Nick Nguyen, Vize Präsident für Firefox bei Mozilla.  

Quelle:  Mozilla Firefox 

Nur Webseitenbetreiber, die solche Anzeigen nach einer Verwarnung der Initiative bis heute nicht angepasst haben, werden Chrome-Nutzern ab sofort werbefrei angezeigt. Das wird den meisten Nutzern allerdings kaum auffallen: Wie unter anderem die Zeit berichtet, hatte Google vergangenes Jahr 100.000 Webseiten auf genannte Werbeanzeigen untersucht, nur etwa ein Prozent hielten sich nicht an die Vorgaben und werden in Chrome künftig komplett ohne Werbung angezeigt.

Offiziell ist Googles Absicht mit dem Chrome Filter, die Nutzererfahrung im Web zu verbessern und so langfristig die zunehmende Verbreitung von Adblockern zu stoppen. Add-ons wie die eingangs erwähnten scheren sämtliche Werbeformen über einen Kamm und blockieren (fast) jede Anzeige, womit sie nicht zuletzt auch an Googles wirtschaftlicher Grundlage nagen.

Kritiker monieren hingegen, dass die bis dato 40 Board-Members der Organisation - pikanterweise unter anderem Chrome-Entwickler Google - mit diesem Vorstoß weniger das Wohl der Nutzer im Sinn haben, als vielmehr ihre eigenen Profite steigern wollen.

Tracking-Anzeigen bleiben

Dafür spräche, dass ausgerechnet Anzeigen, die Nutzeraktivitäten sammeln und verarbeiten, von der Koalition nicht verbannt werden. "Der Ansatz von Google Chrome blockiert nur besonders störende Anzeigen, tut jedoch nichts gegen unsichtbare Tracker oder Tracking-Anzeigen, die den Standards der 'Better Ads Coalition' entsprechen, in der Facebook und Google wichtige Partner sind", kritisiert Nick Nguyen, Vize-Präsident Firefox bei Mozilla.

Wenn die Unternehmen, die den Werbeblocker bereitstellen, zugleich die größten Werbenetzwerke der Welt betreiben - bieten sie dann wirklich die geeigneten Werkzeuge, um unauffällig neugierig zu sein?

Nick Nguyen

Dass Nutzern diese Aktivitätenverfolgung aber sehr wohl ein Dorn im Auge sei, lege schon allein die Tatsache nahe, dass 41 Prozent aller Nutzer ein Anti-Tracking-Tool verwenden.

Ginge man, nur um sich umzuschauen, in ein Schuhgeschäft, deren Mitarbeiter den potenziellen Kunden nach seinem Besuch ausspionieren würden, würde das schließlich auch nicht sonderlich positiv aufgenommen.

Noch etwas weiter gehe im Übrigen die 'Intelligent Tracking Protection', für Apples Browser Safari. Dieser bevorzuge sogar Tracker auf Webseiten, die Nutzer mindestens einmal am Tag aufrufen. Für Nguyen sei kaum überraschend, dass Facebook und Google in genau diese Kategorie fallen.

Nutzer: weniger genervt, weiterhin verfolgt

Dass sich der Firefox-Verantwortliche für Tracking-Schutz stark macht, verwundert übrigens nicht. Sowohl der Fuchs-Browser für den Desktop, als auch Firefox Klar haben genau diese Funktion an Bord. Trotzdem: Dass in den zwölf von Google gebrandmarkten Werbeformen keine Tracking-Ads vertreten sind, ist in jedem Fall merkwürdig.

Auch mit dem Chrome Filter wird sich das Internet für Chrome-Nutzer also morgen nicht plötzlich in eine völlig reklamefreie Parallelwelt verwandeln. Für Webseiten, die sich mit halbwegs geschmackvollen Ads finanzieren (und für deren Nutzer, die deren Inhalte dadurch gratis konsumieren können), ist das sicherlich auch gut so. Und dass Sticky Ads und ähnliche Grausamkeiten mit Chrome zumindest auf populären Webseiten automatisch unterdrückt werden, ist ebenfalls eindeutig eine feine Sache. In Sachen Tracking-Vermeidung aber geht Google augenscheinlich keinen Schritt vorwärts. Wer darauf gesteigerten Wert legt, wird wohl nach wie vor mit Add-ons Vorlieb nehmen oder auf einen anderen Browser umsteigen müssen.

Hier erfährst du mehr über: Browser und Datenschutz

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