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Lazy Loading

Chrome könnte fauler werden - und viel schneller

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Im Wettstreit um den schnellsten Browser gehen die Entwickler von Google Chrome auf den ersten Blick einen ungewöhnlichen Weg: 'Lazy Loading' soll Webseiten nicht in einem Rutsch vollständig laden, die sichtbaren Bestandteile dafür aber viel schneller anzeigen. Bis zu 35 Prozent Zuwachs an Geschwindigkeit könnte das bringen - sofern einige komplizierte Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Für uns User ist es eine denkbar vorteilhafte Situation: Längst können wir uns entscheiden, mit welcher kostenlosen Software wir im Internet unterwegs sein wollen. Bei den Browser-Herstellern entsteht so ein regelrechtes Wettrennen um die besten Funktionen, das schönste Interface, den schnellsten Seitenaufbau. Erst kürzlich hat der Firefox-Browser mit Version 58 erneut einen Schritt nach vorn in Sachen Ladegeschwindigkeit gemacht. Und Microsoft brüstet sich damit, mit Edge den besten Energiespar-Browser vorweisen zu können.

Chrome mit Lazy Loading theoretisch bis zu 35 Prozent schneller

Einige Entwickler für Googles Browser Chrome, weltweit nach wie vor der meist genutzte Browser, denken jetzt scheinbar quer: 'Lazy Loading', zu deutsch etwa 'träges Laden', soll den Aufbau von Seiten auf Android-Systemen deutlich beschleunigen. Was paradox klingt, kann durchaus Sinn machen, sobald man etwas ins Detail geht. Viele Webseiten sind fast meterlang, einige Mausradumdrehungen sind nötig, um das Ende der Seite zu erreichen.

'Lazy Loading' soll in diesem Fall bewirken, dass immer nur der Teil der Webseite geladen wird, der vom Nutzer gerade betrachtet wird. Für den Rest würden datensparende Platzhalter eingesetzt. Der Seitenaufbau, so die ersten Schätzungen, soll dadurch um bis zu 35 Prozent beschleunigt werden. Auch spart Lazy Loading theoretisch massenweise Datenvolumen: Interessiert sich der Nutzer beispielsweise nur für die Headlines ganz oben auf der Startseite, würden Bilder, Anzeigen und dergleichen am Ende der Seite gar nicht erst geladen.

Viele Probleme noch nicht geklärt

Das klingt erstmal nach einem riesigen Schritt, hat aber einige Haken. Die Diskussion unter Mitgliedern der Google Chromium Gruppe ist jedenfalls ziemlich lebhaft, viele Details scheinen noch ungeklärt. "Was ist, wenn ich einen Artikel bei guter Verbindung öffne, ihn aber weiterlesen möchte, wenn ich offline bin (zum Beispiel auf Reisen)?", fragt etwa ein Teilnehmer. Ein anderer plädiert dafür, das Feature nur dann zu aktivieren, wenn der Nutzer aktiv einen Modus zum Datensparen aktiviert, weil er fürchtet, dass schnelles Scrollen zu unschönen Wartezeiten führen könnte.

Außerdem nutzen viele Webseiten, unter anderem Netz.de, diese Technik bereits von sich aus. Ob es mit Chrome bei diesen Anbietern dann zu Kompatibilitätsproblemen kommt, muss also noch geklärt werden. Entsprechend sind wir auch intern skeptisch, ob diese Herangehensweise das Gelbe vom Ei ist. Als ich unseren Chefentwickler Dennis auf die Thematik angesprochen habe, war er jedenfalls ziemlich deutlich: "Ich finde Chrome bevormundet damit die Seitenbetreiber. Nur die Webmaster sollten dafür verantwortlich sein, welche Inhalte wann und wie angezeigt werden."

Quellen: Android Police, Google Gruppen

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