Kaum zu glauben, aber wahr

England probt das Denunziantentum: Per App Parksünder verpfeiffen und kassieren

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Wer kennt das nicht: Jemand hat uns eingeparkt und am liebsten würden wir das entsprechende Auto per Hand wegschieben, oder eine Politesse herbeiwinken - nur ist gerade keine zur Hand. In England hat das Unternehmen 'Car Park Management' jetzt die App 'i-Ticket' auf den Markt gebracht, mit der jeder selbst zur Politesse werden und damit auch noch Geld verdienen kann.

Es liest sich wie ein Aprilscherz, aber der erste April ist noch zweieinhalb Wochen entfernt: Das englische Unternehmen Car Park Management hat in England eine App auf den Markt gebracht, die es jedem Smartphone-Besitzer erlaubt, Falschparker zu verpfeifen und dabei sogar noch Geld zu verdienen. Und so funktioniert es: Ihr ruft die App auf, knipst ein Beweisfoto von dem Parksünder und achtet darauf, dass klar ersichtlich ist, dass ein Vergehen vorliegt.

Das könnte bedeuten, dass man das Auto mit dem Parkverbotsschild ablichtet, oder mit der Markierung für einen Behindertenparkplatz. Dann noch Datum und Nummernschild notieren und das Ganze absenden. Die App gibt es übrigens nur für iOS, im Play Store wurde sie von Google bereits gelöscht.

i-Ticket Parksünder App im App Store

So sieht die App aus, die es nur für Apple-Geräte gibt.

Quelle: (Screenshot / Car Park Management)  itunes.apple.com 

i-Ticket Parksünder App im App Store

So sieht die App aus, die es nur für Apple-Geräte gibt.  

Quelle: (Screenshot / Car Park Management)  itunes.apple.com 

i-Ticket: Denunzieren vorerst nur in England

Wer sich jetzt schon die Hände reibt und ein Gargamel-Grinsen aufgesetzt hat, wird jedoch enttäuscht werden, denn die App gibt es bisher nur in England. In Deutschland sind die rechtlichen Rahmenbedingungen schwieriger, da eine Entlohnung für das Denunzieren einer Ordnungswidrigkeit kaum möglich ist.

Allerdings gibt es hierzulande die App 'Wegeheld', mit der Parksünder und Verkehrs-Rowdys an das Ordnungsamt gemeldet werden können - wenn man denn unbedingt will. Geld gibt es dafür allerdings nicht. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich i-Ticket in England durchsetzen und ob es Nutzer geben wird, die versuchen, sich ein Nebeneinkommen damit aufzubauen. Immerhin gibt es pro überführtem Sünder einen Lohn von umgerechnet 11,50 Euro.

Denunzieren per App: Welcome to the Dark Side

Mit i-Ticket ist es in England nun spielend einfach, andere zu verpfeifen, die sich nicht an die Regeln des Straßenverkehrs halten. Einfach vor allem für die Behörden und die Gerichte, durchaus problematisch aus moralischer Sicht für mein Verständnis.

Klar, hier geht es "nur um Parksünder". Und sicherlich ist es auch verständlich, dass man sich über die Rücksichtslosigkeiten anderer so weit ärgert, dass man im Rahmen des Rechts die Möglichkeiten ausschöpft - beispielsweise die Polizei anruft.

Aber das Prinzip hinter i-Ticket ist ganz, ganz dunkel: Mitbürger reinreiten und dafür Kohle kassieren. Anreize schaffen anderen an den Karren zu fahren, anstatt die rechtsstaatlichen Mittel und Wege zu nutzen. Dafür gibt dann sogar noch ein Plus auf dem Konto, aber ein großes Minus beim Karma. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Prinzip es nicht nach Deutschland schafft.

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