Vernetzte Plattformen

Facebooks Super-Chat: Messenger, WhatsApp und Instagram bald verbunden

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Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Da schraubt Facebook was zusammen: Angeblich will der Social-Media-Riese den Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram verknüpfen. Schon nächstes Jahr sollen alle Nutzer plattformübergreifend miteinander chatten können.

Seien wir mal ganz ehrlich: Niemand jongliert gern fünf verschiedene Apps, um Nachrichten mit Freunden, Kollegen und Familie auszutauschen. Ein Chat hier, eine Mannschafts-Gruppe da, eine Urlaubsplanung dort – bequem ist das nicht. Facebooks neueste Pläne müssten daher eigentlich Partystimmung verbreiten:

Wie die 'New York Times' berichtet, will Facebook schon bis Anfang 2020 seine Messenger-Dienste von Facebook, WhatsApp und Instagram miteinander verknüpfen. Wer WhatsApp benutzt, könnte dann beispielsweise einem Facebook-User schreiben – auch wenn er selbst gar keinen Facebook-Account besitzt. Doch statt Begeisterung löst die Meldung eher Bedenken aus.

Facebook will Messenger-Grenzen einreißen

Die Idee komme von ganz oben, von Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst, schreibt die Zeitung. Er verspreche sich davon einen Schub für Facebooks gesamte Produktpalette – über 2,6 Milliarden User würde der neue "Super-Chat" unter einem Dach vereinen. Die New York Times beruft sich dabei auf vier Informanten, die an dem streng vertraulichen Projekt mitarbeiten sollen.

[Wir wollen] den besten Messenger-Service bieten, den wir bieten können - und die Menschen möchten, dass Messaging schnell, einfach, verlässlich und privat ist. [...] Wir beschäftigen uns mit Wegen, die Freunde und Familie leichter erreichbar machen.

Facebook

Zuckerbergs Haltung wäre durchaus plausibel: Im Lichte der nicht abreißenden Kritik an Facebook erwägen im Netz viele Menschen, der Social-Media-Plattform den Rücken zuzukehren. Der geplante Zusammenschluss könnte sie von diesem Gedanken abbringen, denn er würde die wichtigsten Grenzen in Facebooks Ökosystem einreißen und es damit attraktiver machen. Ein bisschen positive Strahlkraft kann Facebook momentan jedenfalls gut gebrauchen.

So ein Zusammenrücken von Facebook, WhatsApp und Instagram dürfte der Konkurrenz das Leben zudem noch schwerer machen und könnte bisherige Nutzer stärker an Facebook binden. Denn wer Freunde und Familie von einem alternativen Messenger-Service überzeugen möchte, bekommt fast immer dieselbe Antwort: Das benutzt doch keiner. Und was benutzt fast jeder? Natürlich Facebook, WhatsApp oder Instagram.

Mehr Reichweite, weniger Datenschutz?

Allein die technische Umsetzung des Projekts sei allerdings eine Mammutaufgabe: Die verschiedenen Apps werden zwar weiterhin separat angeboten, ihre Programmierung müsse aber auf grundlegendem Level so angepasst werden, dass sie miteinander kommunizieren können. Das hätte deutliche Auswirkungen auf die Privatsphäre und den Datenschutz.

Ein junger Mann am Rednerpult

Soll die Idee angestoßen haben: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Ein junger Mann am Rednerpult

Soll die Idee angestoßen haben: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.  

Quelle: (Jim Watson | AFP | Getty Images)  cnbc.com 

Die bis jetzt allein bei WhatsApp implementierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung etwa soll auf das gesamte Netzwerk ausgeweitet werden – ein guter Schritt. Doch an anderer Stelle sei ein Mittelweg noch nicht gefunden. WhatsApp verlangt zur Registrierung zum Beispiel nicht mehr als eine Telefonnummer, während Facebook – zumindest theoretisch – den vollständigen Namen und das Geburtsdatum wissen möchte. Außerdem zeichne WhatsApp deutlich weniger Daten auf als Facebook. Wie die verschiedenen Ansätze unter einen Hut zu bringen sind, ist offenbar noch nicht geklärt.

Datenschützer befürchten daher, die weitreichende Vernetzung könnte dazu genutzt werden, Facebooks Datensammelei unauffällig auszuweiten. Außerdem könnte eine Vergrößerung der Reichweite auch die Schattenseiten von Facebooks Ökosystem befeuern – mit noch mehr Hetze, noch mehr Fake News.

Quelle: New York Times

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