Werbung blocken ohne Filterlisten?

Forscher hebeln visuelle Adblocker mit eigenen Waffen aus

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Sind visuelle Adblocker die Lösung gegen lästige Online-Werbung? Mitnichten, wie Forscher aus Stanford in einer Studie verdeutlichten. In Tests schlugen sie die Adblocker, die Werbung anhand ihres Aussehens erkennen, mit ihren eigenen Waffen.

Das mit der Werbung ist stets ein zweischneidiges Schwert, denn gänzlich ohne geht's nicht, wenn man kostenlose Inhalte anbieten möchte. Die Frage, mit der sich darüber hinaus alle Involvierten beschäftigen, ist die nach der richtigen Balance. Wieviel kann man Nutzern zumuten, damit sich kostenlose Angebote finanzieren lassen, ab wann wird es aufdringlich und wer missbraucht die vorhandenen Möglichkeiten?

Diese Balance ist nicht jeder Webseite und jedem Werbetreibenden in der vergangenen Dekade gelungen, weshalb Adblocker ihren Weg auf die Rechner der Nutzer fanden. Seitdem liefern sich Werbetreibende und Werbeblocker eine Schlacht, die zuletzt Adblocker für sich entscheiden konnten - so zumindest der Anschein.

Adblocker, die Werbung anhand ihrer Merkmale erkennen

Forscher der Universität Princeton entwickelten vergangenes Jahr Adblocker, die im Gegensatz zu den bereits vorhandenen Tools wie 'AdBlock' oder 'uBlock' ohne Filterlisten auskommen. Hier ist die Rede von wahrnehmungsbasierten Werbeblockern - auch 'perceptual Ad Blocker' genannt -, die im Gegensatz zu herkömmlichen Tools Werbung auf Grundlage ihrer Darstellung sowie anhand visueller Merkmale filtern.

Filterlisten

Plug-ins wie 'AdBlock' oder 'uBlock' unterbinden Inhalte, in dem sie auf ein regelmäßig aktualisiertes Regelwerk aus Filtern zugreifen, um Werbung auf Webseiten anhand des Codes zu erkennen.

Der 'perceptual' Werbeblocker zeichnet sich beispielsweise dadurch aus, dass er Anzeigen anhand eindeutiger Merkmale visuell erkennt und diese dann herausfiltert. Kein schlechter Ansatz, müssen Ads doch eben als solche gekennzeichnet werden oder haben signifikante Merkmale, wie die Kennzeichnungen als "Sponsored Post' oder dem obligatorischen Button zum Schließen eines Popup-Fensters.

In Fachkreisen sprach man hier schon vom Ende des Wettrüstens und der Erfindung einer "werbeblockenden Superwaffe", wie ein Motherboard-Artikel eine Quelle zitiert. Nun stellte sich jedoch in einer neuen Studie heraus, dass dieses Plug-in ebenfalls überwunden werden kann und darüber hinaus noch im Falle von Gegenmaßnahmen Werbetreibenden in die Karten spielen könnte.

Ergebnisse geben Grund für Pessimismus

Die Erklärung für diesen Dämpfer liefern die Urheber der Studie, in dem sie selbst Angriffe auf die Adblocker ausübten - und dabei die größte Stärke des 'Perceptual Ad Blockers' gegen ihn selbst richteten. Sie entwickelten Anzeigen, die deutlich mit den signifikanten Werbeindikatoren gekennzeichnet, jedoch im gleichen Atemzug auch manipuliert wurden. Für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar, für die Adblocker jedoch der Stein, der die Plug-ins zum Stolpern brachte. Die getesteten Adblocker erkannten Werbung durch Veränderungen nicht als Werbung.

Für die Forscher "ein Hinweis auf ein deutlich pessimistischeres Ergebnis für visuelle Werbeblocker. Unsere Ergebnisse zeigen, dass visuelle Werbeblocker im Falle ihres Einsatzes ein neues Wettrüsten auslösen würden", zitiert Motherboard aus der Studie, die letzte Woche auf arXiv veröffentlicht wurde.

Quelle: motherboard.vice.com

Sag uns deine Meinung!