Niederlande testet CrossWalk

Fußgänger-App manipuliert Ampeln und verlängert Grünphasen

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Drei Monate lang testen die Bürger des niederländischen Tilburg ab sofort eine App, die Grünphasen einiger Ampeln an die individuelle Gehgeschwindigkeit von Fußgängern anpassen soll. Insbesondere Menschen mit Mobilitätsproblemen sollen dadurch sicherer die Straße überqueren können.

Besonders in Großstädten sind die Grünphasen an Ampeln für Fußgänger oft viel zu kurz. Nicht selten haben Gehbehinderte oder alte Menschen gerade einmal die Hälfte der Straße überquert, bevor das Ampelmännchen wieder auf rot umschaltet. Im niederländischen Tilburg will man dieses Problem jetzt mit einer App aus dem Verkehr ziehen.

Im Rahmen eines Smart-City-Projektes hatte die Stadt bereits im Frühjahr damit begonnen einige Ampeln in der Universitäts-Stadt mit einer speziellen Software auszurüsten, wie Technology Review berichtet. Diese wiederum sind verbunden mit der kostenlosen Android-App 'CrossWalk', die den Aufenthaltsort des Nutzers dank GPS-Ortung genau bestimmen kann. Befindet dieser sich in der Nähe einer der Ampeln, wird bei Bedarf eine Verbindung mit der Verkehrsleitzentrale der Stadt aufgebaut und so die Grünphase für den Fußgänger automatisch verlängert.

CrossWalk verursacht kein Chaos

Drei Monate lang sind Bürger mit Mobilitätsproblemen nun aufgerufen, die App auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen. Wer jetzt ein Verkehrschaos befürchtet, kann aber beruhigt sein: Ganz so spektakulär wie im Hollywood-Blockbuster 'The Italian Job', in der ein Hacker mit der Manipulation einer Kreuzung den ganzen Verkehr lahmlegt, wird es in Tilburg sicher nicht zugehen. Im Gegenteil, Autofahrer sollen von den veränderten Schaltungen angeblich kaum etwas merken.

Denn die App bietet insgesamt vier Einstellungen, die die Ampelschaltung an die persönliche Gehgeschwindigkeit anpassen soll. Somit wäre die Grünphase nicht viel länger, als sie für den individuellen Fußgänger sein müsste und die extra Wartezeit für Autofahrer minimal.

(@hardtboiled)
Grünes Licht gern auch bei uns!!

Die Idee der niederländischen Firma Dynniq finde ich genial. Und dass die Stadt Tilburg so offen auf diesen innovativen Ansatz reagiert, bemerkenswert. Hier machen uns die Holländer einmal mehr vor, wie clevere Verkehrsplanung funktionieren, Inklusion gelingen und Digitalisierung im Alltag einen echten Mehrwert bieten kann. Vorstellbar - und mitunter sogar dringend nötig - wäre eine solche App zweifellos auch bei uns.

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