AMP-Technologie

Gmail wird interaktiver: Dynamische E-Mails funktionieren wie Mini-Apps

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von Michael Springer -

Google bringt mehr Leben ins Gmail-Postfach: Dank AMP-Technologie mutieren dynamische E-Mails zu interaktiven Mini-Apps. So lassen sich viele Dinge, für die man ansonsten das Postfach hätte verlassen müssen, direkt in der E-Mail erledigen.

Von Googles weitreichender Verzahnung mit unserem täglichen Leben mag man halten, was man möchte – Faulheit kann man den Mitarbeitern des Internetgiganten jedoch nicht vorwerfen. Unnachgiebig werkelt das Unternehmen an der Verbesserung bestehender und der Entwicklung neuer Produkte: Von der jüngst vorgestellten Gaming-Plattform Google Stadia über die Realisierbarkeit digitaler Ausweisdokumente bis zur nahezu pedantisch wirkenden Analyse des Emoji-Lineups.

Dieser Optimierungsdrang macht auch vor der guten, alten E-Mail nicht halt: Google hat nun angekündigt, dass es im Gmail-Postfach ab sofort interaktiver zugeht.

Gmail: Dynamische E-Mails sollen das Postfach wieder auf die Höhe der Zeit befördern

Dass hier Handlungsbedarf bestand, ist für Google eindeutig. Denn das Web habe sich in den letzten Jahren stark gewandelt, es sei dynamischer, interaktiver, schlicht leistungsfähiger geworden. Die E-Mail schien von dieser Entwicklung vergessen worden zu sein: Sie blieb größtenteils statisch, unbeweglich. Dem will Google nun entgegensteuern.

Mit dynamischen E-Mails entfallen Umwege.

Die neuen dynamischen E-Mails sollen das etwas angestaubt wirkende Medium wieder auf die Höhe der Zeit bringen. Dank der AMP-Technologie erlauben sie nämlich die Integration interaktiver Tools und Features direkt in der Mail. Bisher musste man das Postfach für Terminabsprachen, Umfragen oder Portal-Bewertungen im Regelfall verlassen und den Vorgang im Browser oder an anderer Stellte fortsetzen. Mit dynamischen E-Mails entfällt dieser Umweg.

Dynamische E-Mails bei Gmail: Benachrichtigungen aus anderen Google Docs lassen sich noch im Postfach abarbeiten.

Quelle: Google

Google demonstriert das anhand seiner eigenen Produktpalette: Wer per Mail den Hinweis bekommt, dass in einem gemeinsam bearbeiteten Google Doc ein neuer Kommentar angelegt wurde, der kann ab sofort sozusagen an Ort und Stelle auf den Hinweis reagieren und entsprechend antworten – zusätzliche Ladezeiten und Browserfenster sind überflüssig, die dynamische E-Mail dokumentiert den Vorgang in Echtzeit. Diese Integration von interaktiven Elementen lässt sich flexibel erweitern, auch Veranstaltungseinladungen, Fragebögen oder Terminabsprachen können so abgearbeitet werden.

Doodle-Umfragen direkt im Postfach ausfüllen: Mit dynamischen E-Mails können unnötige Weiterleitungen vermieden werden.

Quelle: Google

Nicht nur Google verknüpft seine Dienste auf diese Weise stärker miteinander, auch namhafte Partner springen auf den Zug dynamischer E-Mails auf: Zum Start sind weltbekannte Portale wie Booking.com, Doodle, Pinterest sowie weitere Buchungs- und Shopping-Dienstleister an Bord. Wenn Pinterest via Mail auf neue Beiträge hinweist, können die noch im Postfach auf die eigenen Pinnwände verteilt werden. Je nach Gestaltung mutieren dynamische E-Mails so zu abgespeckten Apps.

Dynamische E-Mails: Mehr Spielraum auch für Betrüger

Natürlich bringen solch "potente" Mails Sicherheitsbedenken mit sich. Die Schnittstellen könnten mit den falschen Absichten leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden, so die Befürchtung. Denn schon mit den klassischen Uralt-Mails treiben Betrüger und Datendiebe leider ziemlich erfolgreich ihr Spiel. Google will solche Ängste mit direkter Kontrolle aus dem Weg räumen: Wer dynamische E-Mails an Gmail-Nutzer verschicken möchte, muss das beantragen. Einen entsprechenden Zugang erteilt Google nur nach individueller Prüfung.

Google will Sicherheitsbedenken mit direkter Kontrolle begegnen.

Dass Google sein Ökosystem immer weiter feinschleift und mit zusätzlichen Diensten verknüpft, hat greifbare, praktische Vorteile – die Bedienung wird unkomplizierter, Arbeitsabläufe gehen schneller von der Hand, unnötige Zeitfresser verschwinden. Gleichzeitig bindet jede Optimierung die Nutzer immer stärker an Googles Konstrukt, was dem Datengiganten immer mehr und mehr Informationen zuspielt und ihn so weiter wachsen lässt.

Innerhalb von Googles Ökosystem sollen dynamische E-Mails für Desktop-Nutzer ab sofort freigeschaltet werden, der Support für die mobilen Gmail-Varianten wird nachgereicht. Mit dynamischer Post der bis jetzt bekanntgegebenen Partner sollten User aber erst im Laufe der nächsten paar Wochen rechnen.

Quelle: Google

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