Accessibility Services nicht für Gesunde gedacht

Google setzt Ultimatum: Entwickler missbrauchen Inklusions-Schnittstelle

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Zahlreiche Entwickler für Android-Apps haben sich offenbar einer Schnittstelle bedient, die eigentlich zur Inklusion Behinderter gedacht war. Jetzt stehen deren Apps vor dem Aus: In einer E-Mail stellt Google Entwickler von Greenify, LastPass und anderen Apps zur Rede und droht mit Verbannung aus dem Google Play Store.

Für Entwickler, die mit ihren Apps speziell auch körperlich beeinträchtigten Menschen helfen möchten, stellt Google seit einiger Zeit die sogenannten 'Accessibility Services' bereit. Dies ist eine Schnittstelle, die Apps mit speziellen, erweiterten Rechten ausstattet - etwa zum Ausfüllen von Textfeldern in anderen Apps oder für das Belegen der physischen Tasten des Endgeräts mit beliebigen Funktionen, damit sie leichter zu erreichen sind.

Doch auch Entwickler, die mit Inklusion eigentlich wenig am Hut haben, nutzen diese zusätzlichen Möglichkeiten für ihre Apps hin und wieder. Google hat dies auch lange Zeit toleriert, doch jetzt macht der Konzern in einer E-Mail ernst: Können die Entwickler nicht glaubhaft erklären, wie ihre App bei der Inklusion Behinderter hilft, wird sie binnen 30 Tagen aus dem Google Play Store entfernt.

Beliebte Apps stehen vor Sperrung

Mit dabei sind unter anderem sehr beliebte Apps, wie die Stromspar-Anwendung 'Greenify' oder der Passwort-Manager 'LastPass'. In der E-Mail an die Entwickler, die dem Fachportal 'xdadevelopers' vorliegt, heißt es: "Apps, die auf die Accessibility Services zugreifen, sollten nur genutzt werden, um Menschen mit Behinderungen dabei zu helfen Android-Geräte und Apps zu nutzen." Dies zu erklären dürfte den Anbietern oben genannter Apps aber schwer fallen: Greenify nutzt die Zusatzrechte, um Apps zum Schließen zu zwingen, LastPass durchsucht damit Webseiten nach eingegebenen Nutzernamen und Passwörtern.

Warum Google plötzlich zu diesen radikalen Maßnahmen greift, ist nicht eindeutig geklärt. xdadevelopers mutmaßt aber, dass dies eine Reaktion auf den seit Kurzem zunehmenden Befall von Malware ist, die sich die Schnittstelle für ihre Machenschaften zunutze macht. Malware-Entwickler könnten die Accessibility Services in harmlosen Apps demnach ausnutzen, um Ransomware oder Keylogger einzuschleusen.

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