Hinweis auf Alternativen

Google vs. EU: Android fragt bald nach, welchen Browser ihr bevorzugt

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von Michael Springer -

Google gibt dem Druck der Europäischen Kommission ein Stück weit nach: Bald sollen Android-Nutzer in der EU auf alternative Browser- und Such-Apps hingewiesen werden. Ob das an Googles Thron rüttelt, ist aber fraglich.

Die Streitigkeiten zwischen der EU-Kommission und Google gehen in die nächste Runde. Schon 2017 hatte man dem Suchgiganten vorgeworfen, dieser habe seine dominante Position im Suchmaschinenmarkt missbraucht, um sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil in anderen Bereichen, etwa dem Online-Preisvergleich, zu sichern.

Letztes Jahr bemängelte die Kommission, die enge Verknüpfung von Googles Smartphone-Betriebssystem Android mit seinen weiteren Apps sei nicht rechtmäßig – auch hier war Googles Marktdominanz maßgeblich, denn sie verschaffe Google gegenüber Mitstreitern eine unfaire Ausgangsposition. Google reagierte, entknotete sein Konstrukt und hob die Gebühren für die Nutzung an. Nun geht das Unternehmen angesichts des anhaltenden Drucks aus der EU noch einen Schritt weiter und will Android-Nutzer künftig auf Alternativen zum Chrome-Browser oder der Google-Suche hinweisen.

Android weist bald daraufhin, dass es auch andere Browser und Such-Apps gibt

Entsprechend meldete sich Kent Walker (Senior Vice President of Global Affairs bei Google) in einem Blogeintrag zu Wort. Google gebe Android-Nutzern zwar schon jetzt die völlige Handlungsfreiheit darüber, welche zusätzlichen Apps sie auf ihrem Gerät installieren dürfen. Niemand werde in seiner Auswahl beschränkt, auch Smartphone-Herstellern werde dieser Freiraum bei der Auslieferung eingeräumt. Dennoch sei bei Google im Austausch mit der EU-Kommission und als Reaktion auf Feedback von verschiedenen Seiten die Erkenntnis gereift, dass man noch einen Schritt weitergehen möchte:

Maßgeblich sind der Druck der EU und drohende Strafen, nicht Googles Nächstenliebe.

"Ab jetzt werden wir auch mehr dafür tun, es sicherzustellen, dass Android-Besitzer über das breite Angebot an Browsern und Suchmaschinen, das für ihr Smartphone zur Verfügung steht, Bescheid wissen." Deshalb werde man Nutzer von "bereits in Betrieb genommenen und neuen Android-Geräten" innerhalb der EU künftig danach fragen, welchen Browser und welche Suchmaschine sie standardmäßig verwenden möchten. Wie genau diese Nachfrage aussehen wird, wann mit ihr zu rechnen ist und in welcher Form auf vergleichbare Apps aufmerksam gemacht werden könnte, lässt Google aber völlig offen.

Auch wenn die Stellungnahme einen anderen Eindruck vermitteln könnte, handelt Google nicht aus Nächstenliebe – ansonsten würde man die Erweiterung weltweit einführen. Maßgeblich sind hier der Druck der EU und die ansonsten drohenden Strafen.

Prinzipiell zu begrüßen – Nutzen fraglich

Ob dieser Vorstoß an Googles marktdominanter Position im Browser- und Suchmaschinen-Markt etwas ändern wird, darf allerdings bezweifelt werden. Die Google-Suche und der Chrome-Browser sind seit Jahren an der Spitze etablierte Produkte – und an den Gewohnheiten der meisten Nutzer lässt sich nur sehr schwer rütteln (zumal ein Wechsel des Ökosystems samt Migration aller Lesezeichen, Anpassungen, Passwörter und Einstellungen den durchschnittlichen Anwender abschrecken dürfte).

Mögliche Alternativen stehen schon jetzt zur Genüge bereit, doch die Mehrheit der User greift nicht auf sie zurück. Dass etwa ein Info-Popup daran etwas ändern könnte, scheint zu optimistisch gedacht. Die Anwender wollen einfache, schnelle und effektive Produkte, vertraute Umgebungen und wenig Komplikationen – das liefert Google. Datenschutz ist für die Masse dabei bestenfalls von sekundärem Interesse. Viele Nutzer dürften in dieser Hinsicht also gar keinen Handlungsbedarf sehen.

Das Ganze ist zudem nicht neu. Vor etwa zehn Jahren sah sich Microsoft mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert: Windows dominierte den Markt für Betriebssysteme und wurde mit dem vorinstallierten Internet Explorer ausgeliefert. Auch damals ging es um unfairen Wettbewerb, weswegen Microsoft ein ähnlicher Hinweis auf Konkurrenzprodukte auferlegt wurde (beim ersten Start leitete das Programm auf BrowserChoice.eu weiter). Der Internet Explorer verlor in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung – er befand sich wegen technischer Unzulänglichkeiten allerdings ohnehin auf dem absteigenden Ast, ganz anders als Chrome oder die Google-Suche heute. Der Effekt des Info-Banners von damals wird jedenfalls gemeinhin als gering eingeschätzt.

Quelle: Google

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