Der gläserne User?

Ich will meine Daten zurück! Wie man mit den eigenen Nutzerdaten Geld verdient

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Wenn sowieso überall fleißig User-Daten im Web gesammelt und an Werbetreibende verkauft werden - sollte man dann nicht zumindest am eigenen Profil mitverdienen dürfen? Diese Frage stellen sich aktuell gleich mehrere Startups. Wir stellen Euch zwei innovative Ideen vor, die sich mit dem Thema "personal data marketplaces" beschäftigen.

Konstant zapfen uns unbekannte Quellen diverse Daten ab. Das können eingegebene Suchbegriffe sein, welche Suchmaschine wir benutzen, Angaben zum Betriebssystem, besuchte Webseiten, genutzte Apps und vieles mehr. Während die einen versuchen der "Spionage" mit VPN-Clients und privaten Browserfenstern Herr zu werden, haben andere schon aufgegeben und versuchen gar nicht mehr ihre Daten zu schützen.

Zukünftig gibt es noch weitere Optionen. Unter anderem die, den eigenen Datenfluss zu kontrollieren und das eigene Nutzerprofil selbst zu monetarisieren. Zu dieser Thematik haben wir uns zwei Projekte genauer angeschaut: zoa.me und emvolution.me.

Zoa Screenshot Privacy Menü

Im "Privacy"-Bereich zeigt die Software an, wie viele Werbeanzeigen und Cookies blockiert wurden.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Zoa 

Zoa Screenshot Privacy Menü

Im "Privacy"-Bereich zeigt die Software an, wie viele Werbeanzeigen und Cookies blockiert wurden.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Zoa 

Zoa.me: Schutz der Privatsphäre

Wir sind im Moment dabei zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Personal data market places sind noch sehr jung und es ist auch noch nicht klar, welches Modell sich durchsetzen wird.

Bei der Plattform zoa.me handelt es sich um ein Schweizer Projekt, das Anfang 2016 in die Beta-Testphase gestartet ist. Registrierte User erhalten Gratis-Software, welche zwei Funktionen erfüllt. Zum Einen schützt der "privacy shield" vor Tracking und blockt Ads, zum anderen steht mit dem Feature "zoa exchange" ein Marktplatz für den Verkauf des eigenen Nutzerprofils zur Verfügung.

Der Vorteil dabei: Das eigene - also bei Zoa abgespeicherte Profil - steht voll unter der Kontrolle des Users. Welche sozioökonomische Daten, wie zum Beispiel Angaben zu Alter oder Geschlecht, man angeben möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Ebenso erlaubt die Software, dass einzelne, protokollierte Angaben aus dem Profil manuell entfernt werden können, wenn der Nutzer bestimmte Webseiten oder benutzte Apps nicht aufgeführt wissen möchte.

"Exchange"-Feature: Angebot und Nachfrage

Nach der Installation der Software wird bei einer Internet-Session im rechten Browserbereich das Zoa-Menü angezeigt. Mit nur einem Klick lässt sich eine Webseite dauerhaft aus dem Zoa-Verlauf streichen: Einfach "Never add this page to my digital profile" auswählen.

Zoa Screenshot Profildaten löschen

Einzelne Daten, wie zum Beispiel bestimmte Webseiten oder Apps, können aus dem Zoa-Profil manuell entfernt werden.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Zoa 

Zoa Screenshot Profildaten löschen

Einzelne Daten, wie zum Beispiel bestimmte Webseiten oder Apps, können aus dem Zoa-Profil manuell entfernt werden.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Zoa 

Unter dem Reiter "Exchange" zeigt das Programm außerdem die bisher verdiente Summe an - sofern man überhaupt am Verkauf eigener Daten verdienen möchte - sowie offene Anfragen von Werbetreibenden. Laut Mitgründer Bernhard Obenhuber verdient Zoa "nur dann Geld, wenn auch der Konsument Geld verdient" und zwar an Kommissionen bei Datenkauf.

Zurzeit wird das Geschäftskonzept mit ungefähr 750 Nutzern getestet, um eine verbesserte Version zu entwickeln. "Im Moment sind wir in Gesprächen mit Unternehmen für erste Pilotprojekte. Die Stärke von zoa ist, dass der Nutzer die Daten selber sammelt und anbietet. Das hat zur Folge, dass die Datenqualität viel besser ist und kann auch einen Hyper-Wettbewerb um Daten auslösen", so Obenhuber.

Neben zoa.me beschäftigen sich auch andere Unternehmen wie Rentork, people.io oder Datawallet mit derselben Thematik. Welchen Stellenwert solche Daten-Marktplätze zukünftig innehaben werden, lässt sich bisher nur schwer abschätzen. Als theoretisches Beispiel führt Obenhuber an: "Mit zoa könnte zum Beispiel BMW Nutzerdaten auf der Mercedes-Homepage kaufen und somit Zugang zu qualified leads bekommen. Der Nutzer kann seine Amazon-Wunschlistinformation an Thalia.de verkaufen…".

Wer die Plattform gerne selbst testen möchte, kann sich auf zoa.me registrieren. Während die Webseite in englischer Sprache gehalten ist, sind die Bestätigungsmails im Rahmen des Registrierungsprozesses auf Deutsch, weitere Sprachen werden folgen.

Emvolution: Wissen ist Macht

Emvolution ist für den Enduser kostenlos und es wird auch in dieser Form bleiben. Wir sehen unser Geschäftsmodell als das eines Daten Brokers bzw. als Daten-Assistent des Users.
Emvolution Screenshot

Schau Dir an wer dich verfolgt und ermittle Deinen eigenen Marktwert mit Emvolution.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Emvolution 

Emvolution Screenshot

Schau Dir an wer dich verfolgt und ermittle Deinen eigenen Marktwert mit Emvolution.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Emvolution 

"Wir möchten uns nicht damit abfinden, dass wenige große Unternehmen Deine Meinung und Interessen außen vor lassen und Dir daher ein Sprachrohr geben, damit Du die Dinge rund um Deine digitale Identität mitteilen kannst, die für Dich relevant sind." So beschreibt sich das Münchener Unternehmen Emvolution, die ebenfalls kostenlose Software in Form eines Plug-in für Firefox und Chrome anbieten.

Emvolution befindet sich ebenfalls in der Beta-Phase. Ziel soll es sein, dass User ihr eigenes Surfverhalten besser verstehen. Wer das Plug-in installiert und aktiviert, lässt zu, dass Emvolution die gewonnenen Daten in Diagramm-Form auf dem jeweiligen Account-Dashboard illustriert.

Zeit zum Zurück-Spionieren!

Auf dem Dashboard ist beispielsweise zu sehen, wie viele Webseiten in einer Zeitperiode (letzte Stunde, letzter Tag und so weiter) aufgerufen worden sind und welchen Kategorien diese Seiten angehören. Außerdem wird die online verbrachte Zeit festgehalten. Laut Constanze Sabathil, Mitarbeiterin bei Emvolution, sollen zukünftig weitere Informationen angezeigt werden, die sonst im Verborgenen bleiben.

Dazu gehören die "Anzahl der Web-Tracker, die Dich durchs Netz verfolgen, Marken, die Dir Werbung anzeigen möchten sowie den Wert, den diese Marken bereit sind für Dich zu zahlen, um Dir Werbung anzeigen zu können."

Anders als bei Zoa.me trifft Emvolution keine Vorkehrungen zum Blocken von Ads, wenn der User es wünscht, sie möchten vielmehr das Angebot modifizieren. "Wir möchten Werbung nicht abschaffen, sondern ermöglichen, dass Du sie aktiv beeinflussen und bestimmen kannst, sodass sie weniger in Deine Privatsphäre eingreift und für Dich relevanter und attraktiver wird. Wir wollen Dir helfen, wirklich spannende Produkte zu entdecken."

Emvolution Screenshot

Alle besuchten Webseiten werden in der Beta-Version analysiert und im Dasboard als Diagramm dargestellt.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Emvolution 

Emvolution Screenshot

Alle besuchten Webseiten werden in der Beta-Version analysiert und im Dasboard als Diagramm dargestellt.  

Quelle: (Eigener Screenshot) Emvolution 

Auch Emvolution bietet Optionen zum Geld verdienen mit den eigenen Daten: "Derzeit befinden wir uns aller Voraussicht nach bis einschließlich September 2016 in der Betaphase unseres Produkts, das von unseren Usern hervorragend genutzt wird. Der durchschnittliche AdValue der Nutzer liegt bei 2,57 € pro Tag. Das ist der errechnete Wert, den der Nutzer für die Werbeindustrie generiert und von dem wir einen großen Teil an den User zurückbezahlen möchten", so Sabathil.

Der AdValue zeigt an, wieviel Unternehmen bereit sind dafür zu zahlen, einem Nutzer Werbung anzeigen zu können. Dieser berechnet sich aus der Kategorie der Seite, die Anzahl der Werbung, die auf der Webseite sichtbar ist, und die Kategorie der Werbung selbst beziehungsweise der Branche des werbenden Unternehmens.

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