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Neue Version des Mobile-Browsers erschienen

[Interview] Firefox Klar 5.0 - Mit dem Korkenzieher ins Internet

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Soeben ist mit der Version 5.0 das nächste große Update für Mozillas Mobile-Browser 'Firefox Klar' erschienen. Das haben wir zum Anlass genommen, uns mit Mozillas Produkt Managerin Barbara Bermes zu unterhalten und ihr in puncto Datenschutz und neuer Features auf den Zahn zu fühlen. Außerdem wissen wir jetzt, wann wir lieber mit Taschenmesser und wann mit Korkenzieher surfen sollten.

1) Frau Bermes, mit der Version 5.0 ist heute ein neues großes Update für Ihren Browser Firefox Klar erschienen. Auf welche Neuerungen sind Sie stolz?

Als Produkt-Manager freue ich mich immer besonders auf jeden Major-Release. Mit Klar 5.0 haben wir es erneut geschafft, dem User noch mehr Schutz und Wahlmöglichkeiten zu geben. Wir erlauben zum Beispiel 'Cookie Management': Nutzer können nun das Blockieren bestimmter Cookies einstellen, zum Beispiel Cookies von Drittanbietern blockieren, alle Cookies blockieren oder alle Cookies akzeptieren. Außerdem haben wir es Usern erleichtert, Webseiten, die sie oft benutzen, per 'Autocomplete' mit einem einfachen Tap auf die Adressleiste später schneller wieder aufzurufen.

2) Datenschutz und Privatsphäre: Diese beiden Begriffe fallen immer wieder von Seiten Mozilla im Zusammenhang mit Firefox Klar. Bei Version 5.0 ist das nicht anders. Was kann Firefox Klar in dieser Hinsicht, was Chrome, Edge und Co. nicht können? Auf welche Funktionen müssen Klar-Nutzer demgegenüber verzichten?

Im Gegensatz zu vielen anderen Browsern liegt der Fokus bei Klar darauf, dass Nutzer nicht getrackt werden. Deshalb können sie sich individuell aussuchen, welche Tracker-Listen Klar blockt und auch immer sehen, wie viele Tracker gerade auf einer Seite blockiert werden. Browsing-Chronik und Cookies werden automatisch jedes Mal, wenn das Mülleimer-Icon geklickt wird, wieder gelöscht. Zudem erheben wir in Klar standardmäßig keinerlei Nutzerdaten und machen Datenschutz zur Grundprämisse - und das nicht erst, seitdem das Inkrafttreten der DSGVO immer näher rückt.

Barbara Bermes ist die leitende Produktmanagerin für die Mobile Browser von Firefox.  

Quelle:

Barbara Bermes ist die leitende Produktmanagerin für die Mobile Browser von Firefox.  

Quelle:

Grundsätzlich wollen wir bei Mozilla mit unseren Produkten Vertrauen schaffen, den Nutzern ein gutes Gefühl geben. Wir hoffen, dass sie sich dadurch sicher fühlen und wissen, dass wir sie respektieren und ihre Surf-Erfahrung "by default" geschützt ist. Klar ist dafür als Privatsphäre-Browser einfach ein super Beispiel.

Aber auch darüber hinaus hat Klar einiges zu bieten, was Konkurrenzprodukte nicht unbedingt können: Nutzer haben etwa die Möglichkeit, selbst eine Suchmaschine auszuwählen. Und wir arbeiten aktuell daran, mit 'GeckoView' unsere eigene Engine in Klar einzubinden. Dadurch können wir dann später in diesem Jahr noch mehr spannende Features - auch mit Blick auf Privatsphäre - anbieten, die mit der Standard-Android-Engine, die wir aktuell verwenden, nur schwer oder gar nicht möglich sind.

3) Vielen Nutzern ist nicht vollends klar (pardon), inwieweit sich Firefox Klar 5.0 vom regulären Firefox Mobile unterscheidet. Aus Ihrer Sicht: Wann sollte ich zu Klar greifen – und wann zum "großen Bruder"?

Mit Klar wollen wir sicherstellen, dass User immer ganz schnell dahin im Web gelangen, wo sie hinmöchten - ohne durch irgendwelche Webseitenelemente aufgehalten zu werden. Und es ist der ideale Browser für alle Situationen, in denen man aus den unterschiedlichsten Gründen nicht nachverfolgt werden, keine Ads mit integrierten Trackern angezeigt bekommen oder in denen man sein mobiles Datenvolumen schonen möchte. Wer diese Vorteile immer nutzen will, kann Klar auch als Standardbrowser unter Android auswählen. Das ist besonders hilfreich, wenn man oft in Apps Links öffnet, die man nicht unbedingt in seiner Browser-Chronik auf anderen Geräten haben möchte.

Wenn man nur einen Korkenzieher braucht, ist es etwas umständlich, immer das ganze Taschenmesser mit sich herumzutragen.

Auch wenn es viele konkrete Anwendungsmöglichkeiten gibt, bezeichnen wir Klar als Single 'Purpose Browser'. Er ist schlank, einfach und auf Privatsphäre konzentriert. Firefox für Mobile (und Desktop) bietet ebenfalls Privatsphärenschutz, aber auch einige andere Features, die mehr Ressourcen beanspruchen.

Man kann das im Prinzip mit einem Schweizer Taschenmesser vergleichen: Das hat ebenfalls viele verschiedene Funktionen, aber wenn man nur einen Korkenzieher braucht, ist es womöglich etwas umständlich, immer das ganze Taschenmesser mit sich herumzutragen. Trotzdem ist es praktisch, es für alle Fälle, die über den 'single purpose'' hinausgehen, in der Hinterhand zu haben. So ist es auch mit Klar und dem "herkömmlichen" Firefox. Wenn ein User beispielsweise etwas bookmarken oder eine Website ganz ungefiltert ansehen möchte, kann er sie einfach über Menü / Öffnen im “großen Bruder” aufrufen.

4) Große IT-Unternehmen und Browser-Hersteller verdienen ihr Geld mit dem Sammeln und Handeln von Nutzerdaten. Sie aber verzichten in Firefox Klar offenbar gänzlich darauf. Wie finanziert sich der Browser?

Die Erlöse von Mozilla setzen sich aus Spendengeldern und erwirtschaftetem Einkommen zusammen. Der Großteil von Mozillas Einnahmen stammt aus den Such- und Geschäftsfunktionen, die über unsere großen Suchpartner in Firefox integriert werden.

5) Abschließend ein Blick in die Kristallkugel: Wie surfen Nutzer in fünf Jahren auf ihren mobilen Geräten? Werden Nutzern Komfortfunktionen wie Tabs und Lesezeichen oder Datensicherheit und Privatsphäre beim Verwenden eines Browser wichtiger werden?

Wir sehen schon heute die Tendenz, dass einige User gar nicht mehr das Browser-Icon anklicken.

Das ist eine richtig tolle Frage und um ehrlich zu sein, so wie die Technologie sich alleine in den letzten zwei bis drei Jahren entwickelt hat, kann sich quasi jeden Tag eine ganze Menge ändern. Was die Zukunft des Surfens auf Mobilgeräten angeht, glaube ich, dass der Browser langfristig viel mehr in andere Apps integriert wird und so eher in ihnen lebt. Wir sehen schon heute die Tendenz, dass einige User gar nicht mehr das Browser-Icon anklicken, um im Web zu surfen, sondern eher von anderen Apps in den Browser kommen.

Ich glaube aber, dass der Browser trotzdem weiterhin das Fenster zum Internet bleibt. Im Hinblick auf die Entwicklung müssen wir daher mehr Fokus darauf legen, die Integration innerhalb anderer Apps noch besser zu machen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir auch bei künftigen Nutzergenerationen präsent bleiben, mit Performance punkten und noch mehr Menschen zeigen können, wie wichtig Privatsphäre, Sicherheit, individuelle Wahlmöglichkeiten und Transparenz sind.

Stichwort (nahe) Zukunft: Wird sich 2018 noch etwas tun bei Mozillas mobilen Browsern?

Seit seiner Veröffentlichung hat Firefox Klar tolle Resonanz von Usern erhalten und darüber freue ich mich sehr! Aber natürlich wollen wir uns auf diesem Erfolg nicht einfach ausruhen und haben eine ganze Reihe an tollen Neuerungen in der Pipeline. 2018/19 wird definitiv ein großes Jahr für Firefox Mobile, insbesondere für Android - soviel kann ich schon verraten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wir wollen auch dem mobilen Firefox einen Quantensprung ermöglichen, wie ihn Firefox Desktop im letzten Herbst erlebt hat, und unsere eigene Engine 'GeckoView' zur Basis für all unsere Android-Produkte machen.

Hier erfährst du mehr über: DatenschutzGoogle und Browser

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