Online-Status lässt tief blicken

Jeder kann eure WhatsApp-Nutzung analysieren – und ihr könnt nichts dagegen tun

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von Michael Springer -

Wenn ihr bei WhatsApp online geht, gibt das mehr Informationen preis, als ihr denkt. Ein US-amerikanischer Entwickler hat nun gezeigt, wie einfach sich diese Information auslesen und verarbeiten lässt. Das größte Problem: Ihr seid gegen die Datensammelei machtlos.

Robert Heaton ist Software-Ingenieur und er demonstriert in einem Blogpost, wie leicht sich Daten über unser tägliches Leben erheben lassen, ohne dass wir etwas davon mitbekommen und ohne dass wir es verhindern können. Mit einer simplen, selbst geschriebenen Chrome-Erweiterung hat er via WhatsApp Web den Online-Status eines WhatsApp-Kontaktes dokumentiert. Er konnte genau sehen, wann der betreffende Teilnehmer online war und wann nicht. Diese Information lässt sich über einen beliebig langen Zeitraum aufzeichnen. Dazu bedarf es nichts weiter als der Telefonnummer der Zielperson. Na und?

WhatsApp: Online-Status verrät mehr, als ihr denkt

Kann doch sowieso jeder sehen, wann ich online bin, mag man sagen. Stimmt. Nur macht das kein Mensch rund um die Uhr, alle paar Sekunden, sieben Tage die Woche. Für einen Computer wiederum ist das natürlich kein Problem. Der zeichnet bei Bedarf über Monate hinweg die WhatsApp-Aktivität der Zielperson auf.

Eine Versicherung könnte diese Daten interessant finden – der Arbeitgeber sicher auch.

Weil nicht alle, aber viele Menschen ihr Smartphone und insbesondere WhatsApp quasi pausenlos benutzen, lassen sich schnell simple Dinge feststellen: Person X geht fast jede Nacht erst um 2 Uhr schlafen, steht aber schon um 6:30 Uhr wieder auf – ein gesunder Lebensstil sieht anders aus. Eine Versicherung könnte diese Information interessant finden, der Arbeitgeber sicher auch (wobei der sich vielleicht noch mehr für die WhatsApp-Aktivität während der Arbeitszeit interessiert).

Dieser Ansatz lässt sich theoretisch auf beliebig viele WhatsApp-Nutzer ausweiten. Sucht man innerhalb der gesammelten Aktivitätsprotokolle dann nach Korrelationen, nach zeitlichen Zusammenhängen, werden vielleicht unerwartete Erkenntnisse zu Tage gefördert: Person X schreibt offenbar oft mit Frau Y, jedenfalls öfter als mit seiner Ehefrau. Gerne auch spät abends.

Überall digitale Fußspuren

Diese Überlegungen mögen zugespitzt wirken, sie zeigen aber, wohin die Reise geht. Entscheidend ist, dass der ausgespähte WhatsApp-Nutzer dagegen machtlos ist – solange WhatsApp nichts an der Programmierung der Web-App ändert. Er muss den hypothetischen Späher nicht einmal in seine Kontaktliste aufgenommen haben. Der WhatsApp-User kann zwar entscheiden, ob andere Teilnehmer den Zeitpunkt sehen können, an dem er zuletzt online war. Er kann aber nicht verhindern, dass WhatsApp Auskunft darüber gibt, wenn er jetzt gerade online ist.

Letztlich führt das zur scheinbar ewig gleichen Feststellung: Wir produzieren heute massenhaft digitale Fußspuren, häufig unbewusst. Es können banale Dinge wie die Onlinezeiten bei WhatsApp sein. Diese Daten lassen sich sammeln, sie lassen sich analysieren, sie erlauben Schlussfolgerungen über uns – und wir merken es gar nicht.

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