Detaillierte Studie

Kostenlose VPN-Apps für Android: 90 Prozent gefährden die Privatsphäre

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von Michael Springer -

Wer mit VPN-Apps seine privaten Daten schützen möchte, erreicht vielleicht genau das Gegenteil. Das haben Sicherheitsforscher in einer umfassenden Untersuchung festgestellt, die die beliebtesten kostenlosen VPN-Dienste für Android unter die Lupe nimmt.

Brauchbare VPN-Apps

Nicht jede kostenlose VPN-App für Android ist Müll: Die beliebte App Hotspot Shield und das Open-Source-Projekt Psiphon Pro bekamen von den Experten gute Bewertungen.

Immer mehr Menschen möchten ihre Online-Aktivitäten und ihre sensiblen Daten vor den neugierigen Augen von Schnüfflern verbergen. Dienste für 'Virtuelle Private Netzwerke', kurz VPN genannt, boomen daher. Egal, ob für Smartphone, Laptop oder Desktop: Die Anbieter dieser Dienste locken mit dem Versprechen, die digitalen Spuren der User zu verwischen, unkenntlich zu machen.

Dass besonders kostenlose Anbieter dieses Versprechen oft nicht halten können, belegt nun eine minutiöse Analyse von Sicherheitsforschern.

Kostenlose VPN-Apps für Android: Vorsicht vor unnötigen Risiken

Die Experten von 'Top10VPN', dem weltweit größten Testportal für VPN-Dienste, haben kostenlose VPN-Apps für Android ganz genau unter die Lupe genommen. Sie untersuchten die 150 beliebtesten Gratis-VPN-Apps im Google Play Store hinsichtlich ihrer Funktionalität, ihrer Sicherheit und ihrer Auswirkungen auf die Privatsphäre. Das ernüchternde Ergebnis: Fast 90 Prozent der Apps, die weltweit insgesamt über 260 Millionen Mal heruntergeladen wurden, bergen Risiken für die Privatsphäre und Sicherheit des Nutzers.

  • Bei 38 der getesteten Apps kam es zu sogenannten 'DNS Leaks', welche die eigentlich gewünschte Verschleierung zunichte machen. Dazu kommt es, wenn der VPN-Dienst Daten nicht durch seinen "Tunnel" zwängen kann. Stattdessen werden sie dem Internetanbieter des Users übermittelt – der VPN-Effekt verschwindet, potenziell sensible Informationen liegen offen.
  • In 27 Fällen waren sogar die Apps selbst mit Malware oder Viren infiziert. Die Untersuchung setzte dabei auf die Analyse des mittlerweile zu Google gehörenden Dienstes 'VirusTotal': Die Dateien werden dort durch über 70 verschiedene Antiviren- und Malware-Scanner gejagt – die Ergebnisse sind entsprechend verlässlich. Identifiziert werden natürlich nur bekannte Bedrohungen, weshalb die tatsächliche Zahl der infizierten Apps noch höher liegen könnte.
  • 99 der kostenlosen VPN-Apps versuchen unnötig weitreichende Berechtigungen zu erlangen: Zugriff auf den GPS-Standort und die Geräteinformationen, Schreib- und Leserechte für die SD-Karte, in wenigen Fällen sogar Zugriff auf Kamera und Mikrofon. Nach Angaben der Sicherheitsforscher sind all diese Berechtigungen für die VPN-Funktion überflüssig. Die App-Entwickler gehen im besten Fall also ein unnötiges Risiko ein und führen im schlechtesten Fall nichts Gutes im Schilde.

Das sind nur die gravierenden Funde. Die kostenlosen VPN-Apps schränken oft die Netzwerkgeschwindigkeit ein oder unterbrechen einzelne Verbindungen komplett. Außerdem haben viele von ihnen Funktionen im Gepäck, die für einen VPN-Dienst überflüssig sind, dafür aber anderweitig eingesetzt werden könnten.

Die Forscher gaben allen Entwicklern die Möglichkeit, Stellung zu den Funden zu beziehen. Einige begründeten ihr Vorgehen im Detail und konnten Zweifel so entkräften – viele Anbieter reagierten jedoch nicht oder nur unzureichend auf die Anfragen.

Große Versprechen, die nichts kosten

Immer wenn tolle Leistungen vermeintlich gratis zu bekommen sind, sollte man die Ohren spitzen. Nur die allerwenigsten App-Entwickler dürften ihre Software aus reiner Nächstenliebe programmieren. Wenn die App selbst kostenlos angeboten wird, muss das Geld also an anderer Stelle fließen – das Spektrum reicht von nerviger Werbung bis zum Verkauf der Nutzerdaten. Wo VPN draufsteht, muss leider nicht Privatsphäre drin sein.

Wo VPN draufsteht, muss nicht Privatsphäre drin sein.

Wer diesen Fallstricken aus dem Weg gehen möchte, sollte zu kostenpflichtigen VPN-Diensten wechseln und sich vorab trotzdem umfassend informieren – das raten die Experten von Top10VPN. Dort findet ihr außerdem die komplette Liste der 150 im Detail getesteten Apps. Schaut besser nach und hofft, dass eure VPN-App keinen Blödsinn macht.

Quelle: Top10VPN

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