Augenmaß tut's auch

Measure: Googles Maßband-App misst nur mäßig

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mit 'Measure' hat Google jetzt eine App mit vielen modernen Smartphones kompatibel gemacht, die zunächst Beeindruckendes zu versprechen scheint: Nur mittels der Kamera und eines eingeblendeten Maßbandes jedes erdenkliche Alltagsobjekt vermessen - toll für Heimwerker und Möbelkäufer. Doch funktioniert das wirklich? Oder ist Measure nicht mehr als eine nette Spielerei?

Google hatte uns ja vor gut einem halben Jahr versprochen, dass auch ältere Smartphones bald mit vielen tollen AR-Anwendungen bedient werden sollen. Möglich machen soll das Googles Framework für Augmented Reality, genannt 'ARCore', das Entwicklern das Implementieren von AR-Features in ihre Apps deutlich vereinfachen soll. Jüngstes Beispiel für eine spektakuläre, wenn auch wenig nützliche App, ist Googles 'Just a Line'. Mit 'Measure' hat der Suchmaschinenkonzern jetzt eine App für ARCore (und damit für recht viele halbwegs aktuelle Smartphone-Modelle) fit gemacht, die tatsächlich Mehrwert bieten soll.

Maßnehmen in der AR - klappt das?

Sinn und Zweck der AR-App ist schnell erklärt: Mittels in das Kamerabild eingeblendeter, virtueller Maßbänder sollt ihr quasi jedes erdenkliche Objekt in eurer Umgebung vermessen können. Einfach Längen- oder Höhenmaß ins Bild ziehen, ein bisschen nachjustieren, fertig. Die Idee als solche ist also durchaus gut: Das Smartphone hat man schließlich immer dabei, Zollstock oder Maßband aber nicht. Beim Möbelkauf oder beim Heimwerken könnte 'Measure' also eine prima Hilfe sein. Wenn die App denn richtig funktionieren würde.

Doch leider förderte die App im Test nur selten wirklich brauchbare Ergebnisse zu Tage. Korrekte Angaben, wie eine 46 Zentimeter lange Tastatur (siehe Aufmacherbild) waren die Ausnahme. Bei den meisten Gegenständen, die wir vermessen wollten, hatte Measure auch nach mehrmaligem Nachjustieren nicht den korrekten Abstand zwischen Objekt und Linse erkannt, was das Ergebnis teils deutlich verfälschte. Zur Folge hatte das bei uns ein Verhalten, das eigentlich nicht im Sinne der Erfinder sein kann: Wir haben uns Objekte gesucht, deren Maße wir kannten und dann so lange herumprobiert, bis Measure die korrekten Angaben machte:

Das gezeigte Lineal ist tatsächlich 18 Zentimeter lang (leider fokussiert die Kamera in der App bei nahen Objekten nicht nach). Das korrekte Ergebnis ist aber erst nach mehrmaligem Nachjustieren zustande gekommen.

Quelle: (Screenshot / Sebastian Hardt) 

Das gezeigte Lineal ist tatsächlich 18 Zentimeter lang (leider fokussiert die Kamera in der App bei nahen Objekten nicht nach). Das korrekte Ergebnis ist aber erst nach mehrmaligem Nachjustieren zustande gekommen.  

Quelle: (Screenshot / Sebastian Hardt) 

Measure schätzt eher, als dass es misst

Das ist dann zwar beeindruckend, da das Bild inklusive AR-Maßband auch in der Bewegung stabil bleibt. Eine echte Hilfe in den geschilderten Alltagssituationen ist das aber nicht. Auf der Seite im Play Store schreibt Google wohl auch deshalb kleinlaut: "Mit dieser App vorgenommene Messungen sind nur Schätzungen".

Das hat Measure übrigens mit dem schon etwas älteren iOS-Pendant 'AirMeasure' gemeinsam - das allerdings bietet immerhin noch zusätzliche Funktionen, wie etwa die Möglichkeit Flächen zu vermessen. Analog zu unseren Erfahrungen sind auch die ersten Kommentare von PlayStore-Nutzern eher verhalten. Von einer netten Spielerei ist etwa die Rede. Einige bezeichnen die App gar als unbrauchbar - ganz so weit würden wir aber nicht gehen. Wer die App ausprobieren möchte, schaut im Google Play Store vorbei.

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