Chatten mit Zuschauern

Privatsphäre adé: Beim neuen Messenger Public darf jeder mitlesen

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Zuschauen, wie andere chatten? In der App "Public" von Entwickler Avner Ronen ist genau das möglich. Wer hier mit anderen über sein Lieblingsthema chatten möchte, muss damit rechnen, beobachtet zu werden.

Mit Public in der Öffentlichkeit chatten

Sicher und verschlüsselt? Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden geht der Trend bei Messenger-Apps eigentlich eindeutig in Richtung erhöhter Privatsphäre. Mit der jetzt für iOS erschienenen App Public geht Entwickler Avner Ronen ganz bewusst in die entgegengesetzte Richtung: "Mit meiner unangepassten Art kam ich ins Grübeln: Was würde wohl passieren, wenn jemand absichtlich die unsicherste Messaging-Plattform entwickelt, in der alles öffentlich gemacht wird?", gab der Ex-Boxee-Chef gegenüber dem Branchenblatt Variety zu Protokoll.

"We believe in the power of conversation. We believe that, in addition to audio and video, messaging could become a third medium for broadcasting conversations."

Public via Medium.com

Als Nutzer eröffnet man in Public entweder eine eigene Diskussionsrunde zu einem bestimmten Thema oder folgt einer bereits bestehenden. Der große Unterschied zu Konkurrenten wie Twitter ist also die strikte Unterscheidung zwischen Diskussionsteilnehmer und Zuschauer. Lediglich einige grundsätzliche Features, wie Kommentar- und Fragefunktionen, stehen Gästen zur Verfügung. Eine aktive Teilnahme an der Debatte ist nur nach Einladung durch ein Mitglied möglich.

Chatten als Zuschauersport

So ungewöhnlich es zunächst vielleicht klingen mag, das Konzept als solches - wenige diskutieren, viele hören zu - ist so neu nicht und durchaus beliebt. Denn wer verfolgt nicht gerne hin und wieder eine hitzige Debatte zwischen vermeintlichen Experten? Zumindest im Fernsehen funktioniert dieses Schema hinreichend, Talk-Shows gibt es schließlich wie Sand am Meer. Allein die Plattform ist bei Public anders: Text ist hier die ausschließliche Kommunikationsform, Bild und Ton wird es nicht geben.

Ob Konsumenten aber überhaupt im großen Stil bereit sind, Chats als Zuschauer zu verfolgen, bleibt abzuwarten. Dessen ist sich offenbar auch Erfinder Avner Ronen nicht zu einhundert Prozent sicher. Das Format sei dem einer Talkshow oder eines Podcasts ja sehr ähnlich, nur sei Chat eben noch nie ein "Zuschauersport gewesen." Seit vergangenem Freitag ist die App für das Apple-Betriebssystem erhältlich und einige Chats, unter anderem zu den Themen Pop-Kultur, Medien und Literatur, sind bereits in vollem Gange.

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