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Quo vadis, Microsoft Edge?

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Mit Edge wollte Microsoft nicht nur ein neues Browser-Zeitalter einläuten, sondern auch den Hauptkonkurrenten Firefox und Chrome gehörig die Suppe versalzen. So wirklich geklappt hat das alles jedoch nicht - daher stellt sich knapp ein Jahr nach dem Release die Frage, warum der Edge-Browser noch immer auf den erhofften Erfolg warten muss.

Als sich Microsoft zum ersten Mal offiziell zu dem Nachfolger des bekannten Internet Explorers geäußert hat, überschlugen sich die Medien förmlich mit Lobeshymnen und Lobpreisungen. Der neue Browser, damals noch bekannt unter dem Codenamen "Project Spartan", sollte den IE in allen Bereichen in den Schatten stellen und auch der Konkurrenz gehörig Druck machen.

Als der Edge-Browser dann am 29. Juli 2015 zusammen mit Windows 10 auf den Markt kam, musste er jedoch schon gleich zu Beginn harsche Kritik einstecken. So war unter anderem zu lesen, dass es sich eher um eine unfertige Beta-Version handelt, da zahlreiche Erweiterungen nicht unterstützt wurden und es häufig zu Darstellungsfehlern und anderen Problemen kam.

Microsoft Edge - auf dem Wege der Besserung?

Der Edge-Browser bleibt noch immer weit hinter der Konkurrenz zurück.

Nun könnte man annehmen, dass Microsoft in den vergangenen neun Monaten sämtliche Fehler ausgebessert und Edge auf der Beliebtheitsskala einen großen Sprung nach vorn gemacht hat - doch weit gefehlt. Wenn man sich die verschiedenen aktuellen Browser-Rankings von Netmarketshare, Solvium und YourBrowser.is etwas genauer anschaut, erkennt man recht schnell, dass der Edge-Browser bei den Nutzern ungefähr so beliebt ist, wie der Bundestrojaner oder die neuste Ransomware. Nach Google Chrome und Firefox aus dem Hause Mozilla streiten sich der Internet Explorer, Opera und Apples Safari um den dritten Platz, während Edge mit deutlichem Abstand hinten ansteht.

Was sind die Gründe für den ausbleibenden Erfolg?

Das offensichtliche Hauptproblem des Edge-Browsers: er fühlt sich noch immer an wie ein Prototyp. Die schwache Unterstützung von Erweiterungen (vor allem in den Versionen bis zum Build-Update 14291 vom 17. März), die kaum vorhandenen Third-Party-Extensions, nur wenige Einstellungsmöglichkeiten (die zudem eher grundlegend und oberflächlich sind), sowie diverse Sicherheitslücken und die gefühlt stark beschnittene Privatsphäre "runden" das Gesamtbild weiter ab.

Moderne Browser müssen auch mit Komfortfunktionen überzeugen.

Wer Edge individualisieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen möchte, fühlt sich recht schnell alleingelassen. Während Firefox auf der "about:config"-Seite beispielsweise zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bietet und Chrome gar mit experimentellen Funktionen (zu finden unter "chrome://flags") daherkommt, hat der Edge-Browser leider weder das eine, noch das andere zu bieten. Gleichwohl vermissen viele Nutzer die Möglichkeit auch offene Tabs direkt synchronisieren zu können, Tab-Gruppierungen werden nicht unterstützt und auch nervige, weil automatisch abspielende Sounds können nicht stumm geschaltet werden.

Darüber hinaus kämpft der Edge-Browser noch immer mit Performance-Problemen. So zeigt zum Beispiel der angesehene und ziemlich akkurate RoboHornet-Benchmark, dass Microsoft in Sachen HTML5-Geschwindigkeit noch vieles verbessern muss. Zum Vergleich: Während Opera 520 von möglichen 555 Punkten, und Chrome sogar noch einen Punkt mehr im Benchmark-Test erreichten, kam Edge nur auf 453 Punkte.

Wohin geht die Reise von Microsoft Edge?

Bekommt Edge zum 1. Geburtstag eine Frischzellenkur?

Die zahlreichen Kritikpunkte bestehen zum Teil schon seit Monaten - und Microsoft ist sich dessen sehr wohl bewusst. Doch die verschiedenen Probleme mit Windows 10 sorgten in der jüngsten Vergangenheit dafür, dass sich der Fokus der Entwickler offenbar verschoben hat. Glaubt man den aktuellen Gerüchten, wird Microsoft jedoch in diesem Sommer diverse Updates, Erweiterungen und Verbesserungen für den Edge-Browser veröffentlichen, wodurch sich sicherlich einiges ändern wird - und zwar zum Besseren.

Bis dahin muss sich jeder Nutzer selbst die Frage stellen, welcher Browser für ihn der beste, schnellste und komfortabelste ist. Und auch wenn es so manchem vielleicht schwerfallen mag, sollte man Edge in naher Zukunft vielleicht doch noch eine Chance geben, um sich zu beweisen. Wir bleiben am Ball und berichten erneut zum Thema, sobald weiterführende (Update-)Informationen von Microsoft vorliegen.

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