Euer Selfie als Graffiti mitten auf der Straße

RealNote: Deutsches Social Media Start-up macht euer Viertel zur Community

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

RealNote aus Bonn haben viel vor: Noch im Sommer soll ihr soziales Medium den Markt aufmischen - mit modernster Technik und erweiterter Realität. Die Welt soll zur Pinnwand werden, die Straße zum Newsfeed. Ganz ähnlich wie Instagram oder Jodel, nur eben draußen und mit betont lokaler Community - wie kann das klappen? Wir haben RealNote-Chef Sebastian Weller gefragt.

Augmented Reality ist spätestens seit Pokémon GO im Mainstream angekommen. Kein Wunder, dass Schwergewichte wie Apple und Google längst damit begonnen haben, die erweiterte Realität mit Schnittstellensammlungen wie 'ARCore' und 'ARKit' auf Smartphones gangbarer zu machen. 'Just a Line' ist so ein Beispiel, wie mit scheinbar simplen Mitteln ein immersives Erlebnis geschaffen wird, 'Maßband' ein weiteres, wenn auch ausbaufähiges.

RealNote: Social Media mit AR

Auch eigene Bilder können an realen Plätzen festgepinnt werden. Andere User können diese dann kommentieren und liken.  

Quelle: (Screenshot)  RealNote 

Auch eigene Bilder können an realen Plätzen festgepinnt werden. Andere User können diese dann kommentieren und liken.  

Quelle: (Screenshot)  RealNote 

Aber: AR in Social Media? Facebook fängt damit im Grunde gerade erst an. Bei Instagram und Snapchat beschränkt sich die Einbindung erweiterter Realität allenfalls auf mehr oder weniger geschmackvolle Filter, Masken und Sticker. Das deutsche Start-up 'RealNote' prescht mit seiner gleichnamigen App genau an dieser Stelle vor - und bringt den News-Feed buchstäblich auf die Straße.

"Mit RealNote kann man Bilder, Texte oder Sticker wie Graffiti an Häuser und Bushaltestellen posten. Wir bringen die virtuelle Welt, sozusagen den Social-Media-Feed, in den realen öffentlichen Raum", erklärt uns Sebastian Weller, einer der beiden Geschäftsführer des Bonner Teams.

Funktionieren soll das im Grunde wie folgt: Ihr besucht zunächst irgendeinen Ort von Interesse. Das kann ein Geschäft sein, eine Sehenswürdigkeit, ein Geheimtipp in eurer Stadt oder einfach ein beliebiges lauschiges Plätzchen, das ihr mögt. Daraufhin wählt ihr eine vorgefertigte Grafik, einen Text oder ein eigenes Foto, um es dann per Smartphone-Kamera an eben diesem Ort festzuheften.

Für andere Nutzer der App ist dieser Post fortan sichtbar, sofern sie sich ebenfalls dorthin begeben. Diese wiederum veröffentlichen dann einen eigenen Post, kommentieren oder liken.

"Wir sprechen damit also jeden an, der sein Selfie ganz groß rausbringen will, den richtigen Spruch zum richtigen Ort hat, sich künstlerisch verewigen oder einfach nur sehen will, was um ihn herum durch RealNote entsteht", meint Weller.

Wieder auf Kurs dank Deep Learning

Der Ansatz ist also ein lokaler. Nicht die Beiträge von Followern oder Freunden würden gezeigt, sondern die von Leuten aus der unmittelbaren Umgebung. Unter diesem Gesichtspunkt unterscheidet sich RealNote also durchaus von den üblichen Verdächtigen. "Ich sehe uns nicht in direkter Konkurrenz zu Instagram, da sich der Content und die Experience doch deutlich unterscheiden", so die Einschätzung des RealNote-Chefs.

Welche Berechtigungen verlangt RealNote?

Sebastian Weller: "Ohne Kamerazugriff läuft natürlich nichts bei RealNote! Außerdem brauchen wir den Standort, um einen Überblick darüber zu geben, was im Umfeld des Nutzers los ist. Optional kann uns noch Zugriff auf die Fotos gegeben werden, wenn man eigene Bilder posten will."

Ein solider technischer Unterbau ist für so ein Vorhaben aus nachvollziehbaren Gründen unerlässlich. Wenn die festgepinnten Posts sich nicht wiederfinden lassen oder die Perspektive nicht stimmt, macht das die Illusion schnell zunichte. Damit das klappt, setzt das Start-up inzwischen auf Deep Learning. Vorherige Versuche, lediglich auf eine Bilderkennungs-Technik zu setzen, seien nicht aufgegangen. RealNote hat also umdisponieren und den zunächst für 2018 angesetzten Release-Termin verschieben müssen.

Denn das zuvor angewendete Verfahren sei in der Praxis sehr anfällig für Veränderungen wie Schatten oder perspektivische Verschiebungen, wie sie in der Realität häufig auftreten. Neuronale Netze hingegen seien sehr gut darin Merkmale in Bildern und Videos zu erkennen und zu klassifizieren. Weller: "Statt also ein Bild von der Umgebung zu machen, merkt sich RealNote jetzt Merkmale und kann anhand dieser Merkmale die virtuellen User-Beiträge verlässlich mit der realen Welt verankern."

Inzwischen befände sich das Team wieder auf Kurs, das Training der neuronalen Netze sei bereits abgeschlossen. In den nächsten Monaten soll noch das bestehende Backend, die Benutzeroberfläche und der Workflow an das neue Verfahren angepasst werden - dem Launch im Juli 2019 stünde nach einer hoffentlich erfolgreichen Beta-Phase dann nichts mehr im Wege.

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