Grenzen gezogen

Snapchat baut um: Anders als bei Facebook sind Freunde und Profis bald getrennt

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von Michael Springer -

Snapchat kämpft um neue User, Snapchat kämpft um Werbeeinnahmen – an beiden Fronten könnte es besser laufen. Nun soll eine Design-Entscheidung dabei helfen, die App attraktiver zu machen und sie gleichzeitig mehr von der Konkurrenz abzuheben.

Facebook ist heute so, wie Snapchat nicht werden möchte: In Facebooks Feed rangeln recycelte Uralt-Memes, Fail-Compilations, Katzen-Videos und die obligatorischen Fake-News um die vorderen Plätze. Was die eigenen Freunde und Tante Hannelore so treiben, gerät dagegen immer mehr in den Hintergrund. Das mag zugespitzt sein, spiegelt aber die Erfahrung vieler Facebook-User wieder – von Mediennetzwerken und Werbefirmen generierter Content verdrängt die Bilder und Videos von Freunden und Bekannten, mit denen Facebook erst groß geworden.

Snapchat: Zwei Seiten einer Medaille?

Diese beiden Sphären möchte Snapchat mit einem neuen Design nun strikt voneinander trennen. Links vom Startbildschirm, also mit einem Swipe nach rechts zu erreichen, befindet sich dann aller Content, der von Freunden stammt: Snaps, Storys, alles aus dem eigenen sozialen Umfeld. Dem gegenüber wird rechts vom Startbildschirm weiterhin der 'Entdecken'-Bereich platziert sein. Dort sollen die User nun allerdings nur das finden können, was die Medienprofis und Content Creators in Snapchat präsentieren: Sport-Highlights, Trend-Produkte und Neuigkeiten zu den Kardashians. Wer daran kein Interesse hat, hält sich von der 'Entdecken'-Sektion fern und schaut sich nur die Snaps und Storys der Freunde an. Eine sinnvolle Trennung, die viele User gutheißen dürften.

Ob Snapchat so Userzahlen und Werbeeinnahmen steigern kann, wird sich allerdings zeigen müssen. In den Onlineforen machen viele Kommentatoren deutlich, wie viel Aufmerksamkeit sie der 'Entdecken'-Seite schenken möchten: Gar keine. Dass bald nur noch diejenigen mit Snapchat neue Dinge "entdecken", die daran wirklich Interesse haben, könnte dennoch die Interaktionsrate erhöhen und die Werbeflächen somit lukrativer machen. Snapchat braucht neben Werbeeinnahmen – das Unternehmen hatte noch nie ein profitables Quartal – auch dringend neue User. In puncto täglich aktive Nutzer hat Instagrams Story-Klon längst die Führung übernommen, während Snapchats Nutzerzahlen gleichzeitig ein Plateau erreicht zu haben scheinen. Wie viel die strikte Content-Trennung daran ändern kann, ist fraglich. Noch steht das neue Design nur für wenige User bereit, es soll aber in den nächsten Tag weltweit ausgerollt werden.

Vielleicht kann Snapchat-CEO Evan Spiegel ja einige Unentschlossene überzeugen:

Quellen: Snapchat, Social Report

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