Tschüss, Wurzeln

Snapchat pokert: Permanente, öffentliche Snaps sollen die Wende bringen

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Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Snapchat kämpft um seine User: Weil die Nutzerzahlen sinken, muss die Social-Media-Plattform etwas tun. Deshalb denkt Snapchat nun offenbar über länger haltbare, öffentliche Snaps nach - ein Schritt, der von den Wurzeln der App wegführt.

Snapchat - der einstige Social-Media-Überflieger und Instagram-Schreck - muss sich was einfallen lassen. Nachdem die Nutzerzahlen letztes Jahr zuerst ein Plateau erreichten, geht es nun abwärts. Und obwohl die Werbeeinnahmen zwar gestiegen sind, schreibt das Unternehmen weiterhin rote Zahlen.

Die Social-Media-Plattform experimentiert daher mit neuen Features. Erst kürzlich schielte man zu TikTok herüber und versuchte, die User mit Tanz- und Lippensynchro-Challenges zu locken. Auch das neueste Gerücht fügt sich in die Kette der Maßnahmen ein, die Snapchat aus der Krise helfen sollen.

Früher undenkbar: Snapchat erwägt vielleicht permanente Snaps

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, Snapchat beschäftige sich mit dem Gedanken, öffentliche Snaps aus der Rubrik 'Unsere Story' länger oder sogar permanent sichtbar zu machen. Außerdem werde überlegt, die Herkunft der dort veröffentlichten Snaps offenzulegen, also auf den Account des Snapchatters zu verweisen. Das habe Reuters exklusiv von Personen erfahren, die mit Snapchat vertraut seien.

Nutzerzahlen von Snapchat, Anfang 2019

Snapchats Nutzerzahlen: Seit dem letzten Jahr geht es erstmals abwärts.  

Quelle:  Statista 

Nutzerzahlen von Snapchat, Anfang 2019

Snapchats Nutzerzahlen: Seit dem letzten Jahr geht es erstmals abwärts.  

Quelle:  Statista 

Im Bereich 'Unsere Story' können Snapchat-Nutzer momentan ihre Snaps zu einem bestimmten Event (begrenzt durch GPS-Daten) oder zu einem bestimmten Thema veröffentlichen. Die Bilder und Videos tauchen dann etwa im 'Entdecken'-Bereich der App auf oder in der 'Snap Map'. Sie sind "öffentlich", weil man, anders als bei herkömmlichen Snaps, nicht mit dem Poster befreundet sein muss, um sie zu sehen (Snaps von Publishern und Creators sind davon natürlich ausgenommen). Und auch wenn sie tendenziell länger erhalten bleiben als normale Snaps (die nach 24 Stunden gelöscht werden), verschwinden sie irgendwann im Snapchat-Nirwana.

Solche Snaps nun deutlich länger oder sogar dauerhaft sichtbar zu machen, könnte Snapchats Ökosystem stärken - schließlich gäbe es dann mehr zu entdecken. Auf den ersten Blick stellt sich die Plattform nämlich selbst ein Bein, indem sie kontinuierlich potenziell guten Content löscht. Außerdem sollen Werbetreiber Schwierigkeiten mit der flüchtigen Natur solcher Snaps haben. Wenn Snapchat darüber hinaus bald noch die Urheber der Snaps aus 'Unsere Story' hervorhebt, könnten die Pläne insgesamt für mehr Interaktion sorgen.

Tschüss, Wurzeln - Hallo, Erfolg?

Doch die Ideen würden Snapchat gleichzeitig ein Stück weiter von seinen Wurzeln wegführen. Denn Geschlossenheit und Privatsphäre, Aktualität und Schnelllebigkeit lockten die User einst zu Snapchat. Auch wenn private Snaps natürlich weiterhin privat blieben, würden solche Änderungen den Kern doch aufweichen und auf eine weitere Öffnung hindeuten. Ob dieser Kurswechsel die Nutzer zurückholen kann, muss sich zeigen. Snapchat hat jedenfalls keine Wahl: Das Unternehmen muss Experimente wagen, denn der ursprüngliche Weg scheint nicht zum Erfolg zu führen.

Quelle: Reuters

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