Neue Tweets ganz oben

Twitter macht Rolle rückwärts: Feed bald wieder chronologisch sortiert [Update]

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von Michael Springer -

Twitter geht zurück zu seinen Wurzeln, zumindest mehr oder weniger. Bald können User ihren Feed wieder chronologisch sortieren – anstatt sich darauf verlassen zu müssen, was Twitters Algorithmus für wichtig hält.

Es war einmal, vor langer, langer Internet-Zeit, da glänzten Facebook, Twitter, Instagram und Co. mit Feeds und Timelines, die nach Aktualität sortiert waren. Je neuer ein Post war, desto weiter stand er oben. Die User sahen zuerst, was gerade geteilt, was eben erst geschrieben wurde.

Content-Gemische, die lukrativ für die Netzwerke sind, aber den Usern nicht schmecken

Aber auch Internet-Zeiten ändern sich und so musste der chronologisch sortierte Feed vieler Orts abdanken. Denn soziale Netzwerke wollen ihre Nutzer zum einen auf der Plattform halten. Neuigkeiten allein sind schnell abgearbeitet und anschließend gibt es scheinbar nichts mehr zu entdecken. Zum anderen, und das ist entscheidend, wollen soziale Netzwerke ihren Nutzern Werbung zeigen, am besten möglichst unauffällig - nur dann klingelt’s in der Kasse.

Fortan sollten daher Algorithmen entscheiden, was der User zu Gesicht bekommt. Beiträge wurden nach unbekannten Kriterien gewichtet, vor- und zurückgeschoben, Aktualität rückte in der Hintergrund. Das Problem: So gebraute Content-Gemische sind lukrativ für die Netzwerke, schmecken aber vielen Usern nicht.

Twitter: Zurück zur guten, alten Zeit

Gebetsmühlenartig fordern die Nutzer also eine Rückkehr zur guten, alten Zeit, in der der Feed Neuigkeiten von Freunden und Familie bot und nicht mit Werbe-Posts, Pseudo-Gewinnspielen und recycleten Memes zugekleistert war. Während Facebook oder Instagram diesen Wunsch stoisch ignorieren, ruderte Twitter nun ein Stück weit zurück.

Twitter-Nutzer dürfen ihren Feed auf Wunsch bald wieder chronologisch sortieren. Dazu reicht ein Klick auf das Sterne-Symbol - Twitter selbst nennt es "das Funkeln" (sparkle) - in der oberen rechten Ecke des Feeds. Die Einstellung muss allerdings jedes Mal neu vorgenommen werden. Zumindest anfangs, denn Twitter will über die Zeit beobachten, welche Variante ein User jeweils bevorzugt und diese dann automatisch als Standard verwenden. Selbst festlegen können die Nutzer diesen Standard hingegen nicht. Twitter macht also eher einen halben Schritt zurück - aber ein halber Schritt ist besser als keiner.

Twitter ist am nützlichsten, wenn es Kommunikation in Echtzeit ermöglicht

Twitter zeige seine beste, nützlichste Seite, wenn es den Usern die Kommunikation in Echtzeit ermöglicht, wenn es als quasi Newsticker für politische Ereignisse oder Sport-Events fungiert. Deshalb habe man sich zu dieser Maßnahme entschlossen.

Zuerst wird das neue Feature für iOS-Nutzer bereitgestellt, während Android in den nächsten Wochen folgen soll. Bemerkenswerte Randnotiz: Der populärste Kommentar unter Twitters Ankündigung ist die Frage danach, warum Instagram nicht dasselbe tun könne.


Update vom 16.01.2019

Chronologischer Feed jetzt auch auf Android zurück

Twitter hält sein Versprechen: Nun können auch Android-User Tweets wieder nach Aktualität und nicht nach Gewichtung des Twitter-Algorithmus' sortieren lassen. Das entsprechende Update soll heute weltweit verteilt werden. Die Bedienung gleicht der von iOS - einfach das Sterne-Symbol in der oberen rechten Ecke des Feeds anwählen und die Option aktivieren. Auch bei Android kann der User die Standard-Einstellung nicht selbst festlegen.

Die Reaktionen auf das zurückgekehrte Feature fallen gemischt aus. Vielen Nutzern ist es zu mühsam, den Twitter-Feed immer wieder aufs Neue chronologisch sortieren zu müssen - denn die App "merke" sich die bevorzugte Einstellung des Nutzers nur für einen begrenzten Zeitraum. Andere begrüßen, dass es die Option überhaupt gibt und wünschen sich dieselbe Möglichkeit auf für - Überraschung, Überraschung - Instagram.

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