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Verkehrte Welt: Google Chrome bekommt integrierten Ad-Blocker [Update]

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von Michael Springer -

Ausgerechnet Google – der Konzern, der mit Online-Werbung jährlich hohe zweistellige Milliardenbeträge verdient – arbeitet Gerüchten zufolge an einem eigenen Ad-Blocker für seinen Chrome-Browser. Das neue Feature soll allerdings nur Anzeigen aussperren, die nicht bestimmten Standards entsprechen.

+++ Update (20.12.2017) +++

Diese Werbeformen wird der Chrome Adblocker unterdrücken

Diese Werbeformen soll der Adblocker des Chrome-Browsers zukünftig unterdrücken.  

Quelle: (Screenshots)  Coalition for Better Ads 

Diese Werbeformen wird der Chrome Adblocker unterdrücken

Diese Werbeformen soll der Adblocker des Chrome-Browsers zukünftig unterdrücken.  

Quelle: (Screenshots)  Coalition for Better Ads 

Nun hat Google Fakten geschaffen: Ab dem 15.02.2018 wird Googles Chrome-Browser über einen integrierten Werbeblocker solche Anzeigen unterdrücken, die den Standards der Initiative 'Coalition for Better Ads' widersprechen. Es scheint, als falle die Implementierung des neuen Features nicht mit der Veröffentlichung einer neuen Version des Browsers zusammen – das würde für einen schrittweisen weltweiten Rollout sprechen. Wenn ihr den neuen Adblocker also nicht pünktlich zum angekündigten Termin erhaltet, ist das kein Grund zur Sorge: Ihr dürftet die Funktion in den darauffolgenden Tagen in eurem Browser finden.

+++ Update (02.06.2017) +++

Google macht Ernst und kündigt die Integration eines hauseigenen Ad-Blockers für den Chrome-Browser bereits für Anfang 2018 an. Obwohl das Unternehmen diesbezüglich noch kein offizielles Statement abgab, beginnt es mit dem Briefing von Verlagen und Webseitenbetreibern. Dies geht aus einem weiteren Bericht des Wall Street Journals hervor, der sich auf unternehmensnahe Personen bezieht.

Mindestens 6 Monate Vorlaufzeit soll Publishern demnach gewährt werden, um sich auf die anstehenden Veränderungen vorzubereiten. Treffen soll es vor allem Ad-Anzeigen auf Webseiten, die User als überaus störend und nervig empfinden und die das Nutzererlebnis deutlich beeinträchtigen. Da Werbung nicht vollumfänglich geblockt wird, bezeichnet Google das Feature selbst eher als "Ad-Filter".

Darüber hinaus stellt Google zukünftig ein Kontroll-Tool für unpassende Ads bereit, dass sich "Ad Experience Reports" nennen soll und Webseitenbetreiber auf diese Art von Werbung aufmerksam macht.

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Wie das Wall Street Journal berichtet, soll Google an einer Ad-Block-Funktion für den Chrome-Browser werkeln. Der interne Werbeblocker würde Anzeigen allerdings nicht per se ausschließen, sondern nur solche unterdrücken, die nicht den Anforderungen des Unternehmensbündnisses 'Coalition for Better Ads' genügen. Dazu zählen etwa Pop-up-Fenster, automatisch beginnende Werbespots mit Sound oder ganzseitige Einblendungen, die sich erst nach einer gewissen Zeit schließen lassen. Diese Werbeformen seien von Nutzern als besonders störend empfunden worden.

Das neue Feature würde standardmäßig aktiviert sein und sowohl in die Desktop- als auch in die Smartphone-Variante von Chrome integriert werden. Der Quelle zufolge könnte Google die Neuerung theoretisch in den kommenden Wochen offiziell vorstellen – noch sei allerdings nicht final entschieden, ob das Unternehmen den Ad-Blocker überhaupt veröffentlichen möchte.

Blockiert Google seine eigene Werbung?

Im ersten Augenblick erscheinen solche Überlegungen widersinnig, denn Google selbst generiert seine Einnahmen hauptsächlich über Online-Werbung. Die Anzeigen des Unternehmens wären von der Neuerung allerdings gar nicht betroffen: Googles eigene Werbung erfüllt die nötigen Qualitätsstandards.

Wie verbreitet sind Ad-Blocker?

Laut Statista nutzen 29 % der deutschen Internetuser einen Ad-Blocker. Griechen und Iren bilden mit 39 % in der EU die Spitze der Werbemuffel.

Stattdessen sei der Vorstoß als Antwort auf die steigende Zahl der Ad-Blocker-User zu verstehen. In den USA setze beispielsweise etwa ein Viertel der Desktop-Surfer auf externe Werbeblocker – und die unterdrücken Googles Werbung sehr wohl. Dieses Problem könnte der Suchmaschinenriese mit dem potenziell neuen Feature umgehen: Würden mehr Anwender auf eine in Chrome integrierte Lösung setzen, blieben Googles Anzeigen verschont.

Dahinter scheint der Gedanke zu stehen, dass User Ad-Blocker vorrangig nutzen, um besonders nerviger Werbung aus dem Weg zu gehen. Das ließe sich – dank der Standards der 'Coalition for Better Ads' – mit dem neuen Feature auch ohne externe Erweiterungen realisieren. Google könnte so einen Kompromiss zwischen "keine Werbung" und "jede Werbung" erreichen, ganz zu seinen Gunsten.

Google wollte die Gerüchte gegenüber dem Wall Street Journal nicht kommentieren.

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