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Die ganze Macht über den News-Feed

Vero: Dieser werbefreie Instagram-Klon könnte ein Hit werden

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Vero, eine bereits 2015 veröffentliche Social-Media-Plattform, kann sich vor neuen Nutzern kaum noch retten, die Server sind in den letzten Stunden mehrfach in die Knie gegangen. Das verlockende Versprechen der Vero-Macher: Der Instagram-Klon soll dem Nutzer die Macht über den eigenen News-Feed zurückgeben und daher vollkommen auf Werbung und bezahlte Algorithmen verzichten. Ob das gut geht?

Die Platzhirsche unter den sozialen Medien geraten in letzter Zeit immer häufiger in die Schlagzeilen. Allerdings nicht etwa wegen spannender neuer Features oder innovativer Ideen, sondern vielmehr wegen Datenschutzskandalen, manipulierter News-Streams und generell einfach zu viel Kommerz. Gerade junge Leute wenden sich vermehrt von alteingesessenen Netzwerken ab und suchen nach Alternativen. Die eigentlich schon über zwei Jahre alte App 'Vero - True Social' profitiert von diesem Umdenken gerade in den letzten Tagen, User melden sich in diesem Moment zu Tausenden auf den teils völlig überlasteten Servern an.

Aufgebaut ist Vero im Grunde wie eine Mischung aus Facebook und Instagram. Ihr habt ein Nutzerprofil, einen Newsfeed, könnt Inhalte wie Bilder teilen und natürlich Hashtags vergeben und danach suchen. Auffällig ist besonders die stylische Aufmachung der App, die eher mit zurückhaltenden, dunklen Tönen punktet. Der Newsfeed passt sich zudem farblich an die geteilten Bildbeiträge an - schick! Attraktiv ist Vero aber vor allem aus einem Grund: Es ist, gemessen an anderen Social-Media-Plattformen, denkbar wenig kommerziell.

So sieht ein Post im Feed von Vero aus. Abgebildet ist unsere serienverrückte Kollegin Jana mit ihrem Cosplay als Negan aus 'The Walking Dead'.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

Die Profilübersicht macht einen aufgeräumten Eindruck. Neben dem Profilbild dürft ihr hier unter anderem noch eine kurze Bio anlegen. Außerdem seht ihr hier eure Follower und die Profile, denen ihr folgt.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

Über die Lupe gelangt ihr in die Suchansicht. Hier werden euch gleich unter den Trending Hashtags (leider) auch kommerzielle Angebote angezeigt.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

So sieht ein Post im Feed von Vero aus. Abgebildet ist unsere serienverrückte Kollegin Jana mit ihrem Cosplay als Negan aus 'The Walking Dead'.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

Die Profilübersicht macht einen aufgeräumten Eindruck. Neben dem Profilbild dürft ihr hier unter anderem noch eine kurze Bio anlegen. Außerdem seht ihr hier eure Follower und die Profile, denen ihr folgt.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

Über die Lupe gelangt ihr in die Suchansicht. Hier werden euch gleich unter den Trending Hashtags (leider) auch kommerzielle Angebote angezeigt.

(Screenshot)  Vero Labs, Inc 

Die Vero-Macher selbst drücken das in ihrem 'Manifest' folgendermaßen aus: "Unsere Nutzer sind unsere Kunden und nicht das Produkt, das wir an Werbefirmen verkaufen" - ein klarer Seitenhieb an Facebook und Instagram. Nutzerdaten werden also nicht zu Werbezwecken gehandelt, und auch Werbeanzeigen gibt es keine - jedenfalls nicht im eigentlich Sinne, doch dazu gleich mehr. Insgesamt fährt Vero hier also eine recht ungewöhnliche Strategie, die sich unmittelbar auf die Nutzererfahrung auswirkt. So werden euch im Newsfeed nur Inhalte angezeigt, die Freunde für euch freigegeben haben.

Vero: Keine manipulierten News-Feeds

Auch manipuliert wird der Feed laut Vero nicht, das Erkaufen von Reichweite und Priorität ist (zumindest bislang) nicht möglich. Das bedeutet, dass Inhalte zu genau dem Zeitpunkt bei euch erscheinen, zu dem sie mit euch geteilt wurden. Löblich in dieser Hinsicht: Bei unserem Selbstversuch ließ sich überaus unkompliziert einrichten, mit wem wir unsere Posts überhaupt teilen wollen - also etwa mit engen Freunden, Freunden, Bekannten oder Followern. Bei einem Gros der Konkurrenz ist das so nur über Umwege möglich.

Angesichts der ganzen Freiheiten stellt sich natürlich unweigerlich die Frage: Wenn schon nicht mit meinen Daten, womit verdienen die Vero-Macher denn dann Geld? Und hier kommt dann auch die schlechte Nachricht: Nachdem sich die ersten eine Million Nutzer bei Vero registriert haben, werden alle weiteren einen "kleinen jährlichen Betrag" zahlen müssen. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels war ein kostenloses Anmelden zwar noch möglich. Wenn der Hype anhält, wird das aber sicher nicht mehr lange der Fall sein. Daher: Hier geht's zum Apple App Store und hier zu Google Play.

+++ (Update 01.03.2018) +++

Wie Vero Labs jetzt mitteilt, hat die App die Schwelle von einer Million User erreicht. Aufgrund der anhaltenden technischen Schwierigkeiten sollen sich neue Nutzer aber bis auf weiteres auch weiterhin kostenlos registrieren dürfen.

+++ (Update 01.03.2018) +++

Wir kuratieren ihn nicht, manipulieren ihn nicht, schalten darin keine Werbung und halten auch keine Beiträge zurück.

Die Macher über den News-Feed von Vero.

Veros zweites Finanzierungs-Standbein ist der 'Buy now'-Button: Kauft ein Nutzer ein Produkt eines bei Vero angemeldeten Shops über besagten Knopf, verdient Vero daran mit.

Irgendwie schade: Diese Shops werden dem Nutzer dann eben doch ungefragt angezeigt, zum Beispiel in der Suche direkt unter den Trending Hashtags.

Netz.de auf Vero: Gehypt trotz berechtigter Kritik

Von den ersten Nutzern wird die Hype-App derzeit noch kontrovers aufgenommen, die Bewertungen in den App Stores liegen derzeit bei 2,5 / 5 Punkten. Das hat hauptsächlich zwei Gründe: Erstens stört viele Nutzer, dass zur Anmeldung zwingend die Angabe einer Telefonnummer notwendig ist. Vero selbst beteuert zwar, dass diese nur aus Sicherheitsaspekten und zum Zweck der schnelleren Auffindbarkeit durch befreundete Vero-Nutzer verwendet wird. In App-Store-Kommentaren und auf Twitter zweifeln Nutzer dies aber durchaus lautstark an und fürchten, die Kontrolle über diese sensible Information aus der Hand zu geben.

Zweitens treten derzeit massive Probleme bei der Registrierung und beim Login auf. Zwar versicherte der Dienst inzwischen per Tweet nachzurüsten, doch auch bei unseren ersten Gehversuchen anlässlich dieses Artikels kam es zu vermehrten Verbindungsabbrüchen und fehlgeschlagenen Registrierungsversuchen. Bei dem urplötzlichen Hype um die App ist das sicher entschuldbar, ärgerlich fanden wir es nichtsdestotrotz.

Alles in allem sind wir von Vero aber ziemlich angetan und haben uns in der Zwischenzeit sogar einen eigenen Netz.de-Account angelegt, den wir ab jetzt regelmäßig bespielen werden. Was Vero jetzt braucht sind neue, aktive Nutzer, die das soziale Netzwerk mit Leben füllen - und natürlich Server, die die Belastung tragen können. Sobald dies der Fall ist, wir uns eingelebt und intensiver mit dem Instagram-Klon auseinandergesetzt haben, reichen wir euch einen ausführlichen Erfahrungsbericht nach.

Hier erfährst du mehr über: Facebook

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