Mehr Transparenz, mehr Kontrolle

Warum wird mir sowas angezeigt?! Facebook verrät, wieso ihr welche Posts seht

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Facebook gewährt jetzt allen Nutzern einen Blick hinter die Kulissen des News-Feeds: Ein neues Feature legt offen, warum euch ein Post angezeigt wird und wieso Facebook denkt, dass ihr diesen Beitrag vermutlich interessanter findet als andere. Entscheidend sind dabei sogenannte "Signale".

Jeder Facebook-Feed wird individuell zusammengesetzt – welche Beiträge das soziale Netzwerk euch anzeigt, hängt davon ab, mit wem ihr befreundet seid, welchen Seiten ihr folgt und welchen Gruppen ihr angehört. Facebook präsentiert euch die Posts nicht einfach wahllos und ungefiltert: Ein spezieller Algorithmus versucht zu entscheiden, was euch vermeintlich am meisten interessieren dürfte, und ordnet die Content-Flut entsprechend.

Transparenz in Facebooks News-Feed: Neues Feature klärt drei zentrale Fragen

Bisher lief dieser Prozess hinter verschlossenen Türen ab, doch nun gibt Facebook seinen Nutzern erstmals direkt "Informationen über Einflussfaktoren und Funktionsweise" des News-Feed-Rankings preis. Dazu hat das US-Unternehmen ein neues Feature in seine Plattform integriert, dass euch auf Wunsch detaillierter über die Zusammensetzung eures Feeds aufklärt. Über das Drop-Down-Menü in der oberen rechten Ecke jedes Beitrags (symbolisiert durch drei Punkte oder Striche) erreicht ihr nun die Infoseite 'Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt?'. Im Kern geht es dabei um drei Dinge:

Mehr Transparenz im Facebook News Feed

'Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt?': Neues Facebook-Feature legt offen, wie sich euer News-Feed zusammensetzt, welche Faktoren die Plattform auswertet.

Quelle:  Facebook 

Mehr Transparenz im Facebook News Feed

'Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt?': Neues Facebook-Feature legt offen, wie sich euer News-Feed zusammensetzt, welche Faktoren die Plattform auswertet.  

Quelle:  Facebook 

  • Warum wird der Post überhaupt angezeigt? Facebook legt hier offen, in welcher Verbindung ihr zum Beitrag steht, weshalb er für euren Feed infrage kommt – also ob er etwa von einem eurer Freunde stammt oder in einer eurer Gruppen beziehungsweise auf einer Seite, der ihr folgt, gepostet wurde. So lässt sich nachvollziehen, wie der Beitrag den Weg zu euch gefunden hat.
  • Welche Faktoren bestimmen die Reihenfolge der Darstellung? Facebook wertet automatisch aus, wie ihr auf bestimmte Beiträge reagiert, und stellt euren Feed entsprechend zusammen. Wenn ihr häufiger Fotos kommentiert als Videos, wird euch die Plattform in der Folge tendenziell mehr Fotos anzeigen. Dasselbe gilt für Personen (sowie Gruppen und Seiten): Wer häufig die Beiträge eines bestimmten Freundes liket, wird auch mehr von diesem Freund zu Gesicht bekommen. Außerdem fließt die allgemeine Popularität eines Beitrags (Anzahl der Kommentare, Reaktion, Likes etc.) mit ein. Diese Gewichtung der sogenannten "Signale" legt Facebook hier offen.
  • Welchen Einfluss kann der Nutzer darauf nehmen? Am Fuß der Infoseite findet ihr weitere Optionen zur Feed-Zusammenstellung: Beiträge bestimmter Freunde oder Gruppen können priorisiert oder dauerhaft ausgeblendet werden. So könnt ihr direkt bestimmen, was ihr zuerst und was ihr überhaupt nicht sehen möchte. Zusätzliche Links verweisen auf allgemeine Einstellungen zum News-Feed und zur Privatsphäre

Facebook gibt dem Druck der Öffentlichkeit ein Stück weit nach

Facebook will das neue Feature und die entsprechenden Bedienelemente ab sofort schrittweise ausrollen – wir konnten sie bei uns bis jetzt noch nicht entdecken, das dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein. Mit dem Vorstoß möchte das Unternehmen das persönliche Nutzungserlebnis nachvollziehbarer gestalten. Schon seit 2014 gibt es eine ähnliche Auskunft übrigens für bezahlte Werbebeiträge auf Facebook (ihr erreicht sie bei gesponserten Posts über dasselbe Menü).

Reaktion auf Forderungen der Politik nach mehr Transparenz.

Man habe sich zum diesem Schritt entschlossen, gibt Facebook in der offiziellen Pressemitteilung zu verstehen, weil es dem Feedback entspricht, das das Unternehmen nach eigener Auskunft in unterschiedlichen Ländern gesammelt hat. Das Feature sei im Dialog mit den Nutzern feingeschliffen worden und spiegele ihre Wünsch wider. Außerdem reagiere der Social-Media-Riese damit auf anhaltende Forderungen der Politik nach mehr Transparenz auf der Plattform.

Klar ist: Das neue Feature macht auch Laien besser begreiflich, wie Facebook unter der Haube funktioniert und wie das eigene Nutzungsverhalten diese Abläufe beeinflusst. Allerdings wäre eine prominentere Platzierung der Funktion, vielleicht mit einem auffälligeren Symbol versehen, wünschenswert gewesen – denn versteckt im Untermenü lässt es sich schnell übersehen. Außerdem bleibt festzuhalten, dass Facebook diese Einblicke nicht aus reiner Gutmütigkeit gewährt. Stattdessen muss die Öffentlichkeit der Plattform jedes Mehr an Transparenz Schritt für Schritt abringen. Doch unterm Strich gilt: Besser spät als nie.

Quelle: Facebook

Hier erfährst du mehr über: Facebook und Datenschutz

Sag uns deine Meinung!