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Weltfremdes Gerichtsurteil aus Hessen

Werden alle WhatsApp-Nutzer bald abgemahnt?

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Rollt eine Abmahnwelle auf alle deutschen WhatsApp-Nutzer zu? Ein Amtsgericht hat entschieden, dass die Weiterleitung von Kontakten an WhatsApp rechtswidrig ist - dies passiert bei der App nur leider automatisch. Belangt wird dafür aber nicht etwa das Unternehmen hinter dem Messenger, sondern der arglose Nutzer.

Windige Rechtsverdreher, die auf das schnelle Geld hoffen, reiben sich vermutlich bereits die Hände: In einem Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfeld ist die Nutzung des Messengers WhatsApp faktisch als "deliktische Handlung" bezeichnet worden. Konkret gemeint ist der Umstand, dass WhatsApp automatisch Daten in Klarnamen-Form aus dem Addressbuch an den Dienst weiterleitet, ohne die betreffende Person vorher nach einer Erlaubnis gefragt zu haben.

Nicht WhatsApp, sondern Nutzer im Fadenkreuz

Da dies automatisch bei jedem Nutzer geschieht, können Betroffene nun theoretisch andere Nutzer abmahnen, da diese gegen geltendes Recht verstoßen. Dies ist besonders pikant: Nicht etwa das Daten sammelnde Unternehmen wird belangt, sondern der User.

"Wer durch seine Nutzung von "WhatsApp" diese andauernde Datenweitergabe zulässt, [...] begeht gegenüber diesen Personen eine deliktische Handlung und begibt sich in die Gefahr, von den betroffenen Personen kostenpflichtig abgemahnt zu werden."

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Das Kuriose an dem Urteil aus unserer Sicht ist, dass der Vorstoß formal durchaus plausibel klingt - denn schließlich hat der Übermittlung seines Klarnamens via WhatsApp von einem dritten Gerät aus ja in der Tat kaum jemand offiziell zugestimmt. Gleichzeitig ist dieses Urteil so bemerkenswert weit entfernt von der Lebensrealität, dass es fast schon schmerzt: Eine der mittlerweile beliebtesten Kommunikationsformen könnte somit auf einen Schlag unbrauchbar gemacht werden. Jeden Telefonkontakt separat nach einer Erlaubnis zu fragen, ist schlicht nicht durchführbar.

Sollte die befürchtete Abmahnwelle tatsächlich losrollen, ist fraglich, wie man als Nutzer angemessen reagiert: Reicht eine nachträgliche Deinstallation der App? Genügt es schon, andere Messenger zu verwenden, bis Gras über die Sache gewachsen ist? Oder sollte man es gar drauf ankommen lassen? Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald in dieser Angelegenheit mehr Details ans Tageslicht kommen.

Hier erfährst du mehr über: WhatsAppDatenschutz und Instant Messenger

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