Alle Infos zum Austieg

WhatsApp-Ausstieg: Was Threema kann - und was nicht

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

WhatsApp hat sich erneut einen Skandal geleistet und die Nutzerzahlen alternativer Messenger schnellen in die Höhe. Besonders der Dienst 'Threema' profitiert von einer Vervielfachung der Nutzerzahlen und legt jetzt sogar mit einer Rabattaktion nach. Lohnt der Umstieg? Wir nehmen den Vorstoß der Schweizer zum Anlass, euch die nötigen Infos zum WhatsApp-Absprung an die Hand zu geben.

Alternative Messenger auf dem Vormarsch?

Groß war der Aufschrei unter Usern und Datenschützern, als WhatsApp kürzlich verkündete, zu Werbezwecken Nutzerdaten an die Muttergesellschaft Facebook zu übermitteln. Klare Sieger dieses Skandals sind alternative Messenger-Dienste, wie die Schweizer App 'Threema', die insbesondere für ihre rigorosen Privatsphäre-Vorgaben bekannt ist.

Verschlüsselung

Sowohl WhatsApp als auch Threema nutzen die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dabei werden Daten, also z. B. Text oder Bilder, auf Senderseite verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt.

Doch reichen Datenschutzbedenken wirklich aus, um den mittlerweile zur alltäglichen Routine gewordenen Messenger durch einen anderen zu ersetzen? Noch dazu durch einen kostenpflichtigen? Für viele offenbar schon: Denn Threema verkündete schon kurz nach dem Privatsphäre-Eklat eine Verdreifachung der Download-Zahlen ihres Dienstes.

Anreiz: Threema derzeit zum halben Preis

"Die verschlüsselten Nachrichten und Medien (Bilder, Videos etc.) werden auf den Servern gelöscht, sobald sie erfolgreich zugestellt wurden."

Threema, Auszug aus den Datenschutzrichtlinien

Um Unentschlossenen die Entscheidung noch einfacher zu machen, legt das Schweizer Unternehmen jetzt noch einmal nach und gewährt bis zum 8. September 50 Prozent auf die App in Google Play (1,29 Euro) und App Store (0,99 Euro). Hürde Nummer 1, nämlich für einen Messaging-Dienst tatsächlich in die Tasche zu greifen, senkt der Entwickler damit von einem ohnehin schon erträglichen Niveau abermals herab.

Zudem rühmt sich Threema mit strengsten Datenschutzbestimmungen. Diese lassen sich im Einzelnen zwar nur schwer nachvollziehen. Dass die Schweizer deutlich restriktiver mit euren Daten umgehen als WhatsApp, ist aber naheliegend: Threemas Server befinden sich allesamt in der Schweiz und sind damit den nationalen Datenschutzbestimmungen untergeordnet.

Threema Screenshot: Los Geht's

Habt ihr Threema installiert, führt euch der Setup-Assistent durch die Einrichtung des Dienstes. Dieser verlangt eindeutig mehr Aufmerksamkeit als der seines Konkurrenten WhatsApp.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Schlüssel erzeugen

Um ein unverwechselbares Schlüsselpaar für euren Account zu erzeugen, müsst ihr euren Finger einige Sekunden über ein Symbolfeld bewegen.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Einrichtung

Wer in Threema wirklich anonym unterwegs sein will, verzichtet auf die Herausgabe von Handynummer und Mail-Adresse - muss dafür aber mehr Aufwand bei der Kontaktpflege betreiben.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Einstellungen

Das Optionenmenü von Threema ist erfreulich umfangreich, auch die aus anderen Messengern bekannte Lesebestätigung lässt sich hier deaktivieren.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Los Geht's

Habt ihr Threema installiert, führt euch der Setup-Assistent durch die Einrichtung des Dienstes. Dieser verlangt eindeutig mehr Aufmerksamkeit als der seines Konkurrenten WhatsApp.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Schlüssel erzeugen

Um ein unverwechselbares Schlüsselpaar für euren Account zu erzeugen, müsst ihr euren Finger einige Sekunden über ein Symbolfeld bewegen.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Einrichtung

Wer in Threema wirklich anonym unterwegs sein will, verzichtet auf die Herausgabe von Handynummer und Mail-Adresse - muss dafür aber mehr Aufwand bei der Kontaktpflege betreiben.

(Screenshot) 

Threema Screenshot: Einstellungen

Das Optionenmenü von Threema ist erfreulich umfangreich, auch die aus anderen Messengern bekannte Lesebestätigung lässt sich hier deaktivieren.

(Screenshot) 

Guter Datenschutz bei annähernd gleichen Funktionen

"E-Mail-Adressen und Telefonnummern, die für die Verknüpfung verwendet wurden, werden nur zum Zweck der Synchronisation gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben."

Threema, Auszug aus den Datenschutzrichtlinien

Die WhatsApp-Server wiederum stehen in Kalifornien. Die dort geltenden Datenschutz-Gesetze sind zwar erst 2015 mit einer Novelle verschärft worden, gelten aber gemeinhin noch immer als lasch. Im Gegensatz zu WhatsApp kennt Threema zudem eure Telefonnummer nicht, denn zum Einrichten des Dienstes ist diese nicht erforderlich. Wer schneller gefunden werden möchte, kann diese aber auf Wunsch angeben. Die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nutzen hingegen mittlerweile beide Dienste.

Performance und Funktionen beider Dienste unterscheiden sich zudem kaum merklich. Mit beiden Messengern lassen sich Texte, Bilder und Fotos versenden, Gruppenchats abhalten und ähnliches. Trotz erhöhter Privatsphäre lassen sich bei Threema sogar Lesebestätigungen aktivieren. Nur das aus WhatsApp bekannte 'Zuletzt online'-Feature fällt den erhöhten Privatsphäre-Vorgaben zum Opfer.

Anwender muss selbst aktiv werden

Die Einrichtung des Dienstes aus der Schweiz und das Auffinden von Kontakten ist jedoch, sofern ihr Handynummer und E-Mail nicht hinterlegt, nur über Umwege möglich. Prinzipiell gilt: Threema kann völlig anonym genutzt werden - allerdings muss der Nutzer dann auch Einbußen in Sachen Komfort hinnehmen.

Laut Statista hat Threema momentan 4 Millionen Nutzer, einen Großteil davon in Deutschland. Das ist zwar gut zehn Mal so viel wie noch vor zwei Jahren, aber nicht ansatzweise vergleichbar mit dem großen Konkurrenten Whatsapp. Wer auf Threema umsteigt, muss daher wohl oder übel selbst aktiv werden - und paradoxerweise über WhatsApp oder Facebook seine Freunde über den Schritt benachrichtigen.

Raus aus der Komfortzone

Privatsphäre versus Komfort - der Umstieg auf den alternativen Dienst Threema lässt sich mit diesem Trade-Off ganz gut auf den Punkt bringen. Wer sich gerade in letzter Zeit vermehrt über die Datengier von WhatsApp echauffiert hat, für den ist der Wechsel nur konsequent. Allerdings wird sich der Anwender dann auch ein Stück weit aus seiner lieb gewonnen Komfortzone herauswagen müssen. Der Zeitpunkt wäre jetzt indes gut gewählt - für rund einen Euro gibt es die App noch bis zum 8. September für iOS und Android zum Sonderpreis.

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Werbung
Ab ins Netz mit dir