Neues Limit

WhatsApp macht teilen schwerer – wegen Gewalt, Fake News und Fehlinformation

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Nach Tod und Gewalt: WhatsApp geht gegen Gerüchte, Fake News und Fehlinformation vor. Bilder, Videos, Texte und Links lassen sich mit der Messenger-App ab sofort schwieriger verbreiten.

"Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, ehe sich die Wahrheit die Schuhe anzieht", lautet ein Sprichwort, über dessen Ursprung Experten sich zwar streiten, das aber mindestens ein Jahrhundert alt ist. Es dreht sich um ein Grundproblem menschlicher Gesellschaften, das viel, viel älter ist: Lügen verbreiten sich wie Feuer. Besonders wenn sie einfache Lösungen und klare Schuldzuweisungen vermitteln, hat die nüchterne, oft komplizierte Wahrheit schlechte Karten.

WhatsApp: Ein neues Weiterleitungs-Limit soll es Lügen schwerer machen

"Dank" mobilem Internet und Smartphones schießen Lügenwellen heute in Sekundenschnelle um den Globus. Die Messenger-App WhatsApp, die zu Facebook gehört, will nun etwas dagegen tun: Ab sofort können Nachrichten, Bilder, Videos und Texte nur noch an fünf weitere Empfänger oder Gruppen weitergeleitet werden – bisher waren es 20. Die Maßnahme richte sich gezielt gegen "Falschinformation und Gerüchte", wie ein Facebook-Sprecher bestätigte, und soll deren Verbreitung eindämmen. Die Anpassung werde weltweit vorgenommen.

WhatsApp-Lynchmorde in Indien

2017 formierten sich in Indien zahlreiche gewalttätige Mobs, die von Gerüchten, falschen Anschuldigungen und Lügen angestachelt wurden, die vorher mittels WhatsApp gezielt verbreitet worden waren. 46 Menschen starben. Mehr dazu bei Wikipedia.

Schon letztes Jahr wurde die Änderung in Indien durchgeführt – als Reaktion auf Gewaltausbrüche mit fast 50 Toten, die mittels WhatsApp maßgeblich befeuert wurden. Die Weiterleitungsrate soll dort daraufhin um mindestens 25 Prozent gesunken sein. Vielleicht kein Meilenstein, aber ein wichtiger Anfang.

WhatsApp wird in vielen Teilen der Welt anders genutzt als hierzulande. In Indien ist es etwa üblich, dass die Messenger-App als quasi öffentliches schwarzes Brett genutzt wird: In bis zur Maximalgröße gefüllten Gruppen (momentan 256 Teilnehmer) werden dort Nachrichten, Informationen und eben auch Lügen verbreitet. Die Teilnehmer kommen tendenziell aus derselben Region, derselben Stadt, müssen sich aber nicht persönlich kennen. WhatsApp mutiert so zum Pseudo-Social-Media-Feed, der keiner Kontrolle oder Moderation unterliegt. Das schützt die Menschen im besten Fall vor Zensur, versorgt sie mit wichtigen Informationen zu Unwettern und Krankheiten – und stachelt im schlimmsten Fall gewalttätige Mobs an.

WhatsApp: Neue Maßnahme bekämpft Symptome

Kritiker bemängeln jedenfalls, dass sich selbst mit nur fünf erlaubten Empfängern noch immer über 1.000 Menschen mit nur einem Klick erreichen ließen. Außerdem könne man die Begrenzung umgehen, indem Texte oder Videos kopiert und separat neu verteilt würden. Richtige Einwände, aber die Zahlen aus Indien belegen auch, dass schon simple Hürden einen deutlich messbaren Effekt haben.

Viele Menschen teilen Texte, Bilder oder Videos völlig unkritisch und unreflektiert.

Trotzdem kann WhatsApp so nur die Symptome bekämpfen. Das tieferliegende Problem bleibt unberührt: Viele Menschen teilen Texte, Bilder oder Videos völlig unkritisch und unreflektiert. Jedes Smartphone ist ein potenzieller Sender. In Kombination mit Armut, schlechter Bildung, bewusster Täuschung, Wut, Chancen- und Perspektivlosigkeit entsteht eine explosive Mischung. Auch wenn WhatsApp oder Facebook hier die Mittel zur Verbreitung sind, können sie die Ursachen unmöglich allein beseitigen.

Quelle: Reuters

Hier erfährst du mehr über: Facebook und WhatsApp

Sag uns deine Meinung!