Öffentliches Anprangern

Wo kreist der Pleitegeier? Eine umstrittene App verrät es!

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Eine App, die Privat- und Firmeninsolvenzen anzeigt, ist in die Kritik von Datenschützern geraten. Mithilfe von "AchtungPleite" kann jeder User überprüfen, wer in Deutschland als Schuldner rote Zahlen schreibt, inklusive Angabe von Namen und Adressen.

Kartenansicht Screenshot AchtungPleite-App

Die Nutzungsbedingungen liefern bereits ein erstes Indiz, dass dem Entwickler klar ist, welch zweischneidiges Schwert sein Service ist.  

Quelle: (Eigener Screenshot) DerKeiler GmbH 

Kartenansicht Screenshot AchtungPleite-App

Die Nutzungsbedingungen liefern bereits ein erstes Indiz, dass dem Entwickler klar ist, welch zweischneidiges Schwert sein Service ist.  

Quelle: (Eigener Screenshot) DerKeiler GmbH 

"Über Geld spricht man nicht" – wer kennt diesen Satz nicht. Eine neue Anwendung der "DerKeiler GmbH" macht die Finanzlagen unserer Mitmenschen allerdings zu einem öffentlichen Thema. Für 2,99 € ist die App "AchtungPleite" bei Google Play und im App Store zu finden, mit deren Hilfe man mit wenigen Tabs herausfinden kann, wer in der Nachbarschaft im Insolvenzverfahren steckt.

"Handwerker und kleine Betriebe werden davon profitieren..."

Gegenüber der Hamburger Morgenpost sagte Geschäftsführer und App-Entwickler Ulrich Keil, dass seine Anwendung besonders für kleine Firmen eine große Hilfe sei, "denn es kann innerhalb von wenigen Sekunden geschaut werden, ob der Auftraggeber zahlungsunfähig ist."

Die Nutzungsdaten der App sind theoretisch öffentlich zugänglich – es wird auf Dokumente von veröffentlichten Insolvenzverfahren zurückgegriffen. Nur würden sich wahrscheinlich wenige Menschen die Mühe machen, Unterlagen beim Insolvenzgericht einzusehen.

Kartenansicht Screenshot AchtungPleite-App

Eine digitale Landkarte illustriert übersichtlich, wo der Pleitegeier wie oft kreist.  

Quelle: (Eigener Screenshot) DerKeiler GmbH 

Kartenansicht Screenshot AchtungPleite-App

Eine digitale Landkarte illustriert übersichtlich, wo der Pleitegeier wie oft kreist.  

Quelle: (Eigener Screenshot) DerKeiler GmbH 

Als Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Datenschutz hält Thilo Weichert nichts von dem Geschäftskonzept, da die Daten auch dafür verwendet werden könnten, um die finanzielle Notsituation von Menschen auszunutzen - zum Beispiel, um für teure Kredite zu werben.

Für die Einen ist "AchtungPleite" also ein komfortables Spionage-Instrument, das die Neugier befriedigt, für andere jedoch von existenzieller Bedeutung. So bestätigt Inkasso-Experte Thomas Kohlmeier in einem Interview gegenüber handwerk-magazin.de: "Zahlungsunfähige Marktteilnehmer (sind) die Ursache für rund 20 % aller Firmenpleiten eigentlicher gesunder Firmen."

Übersichtliche Landkarte der Schuldner im Umkreis

Durch Eingabe von Namen oder Adresse gibt die App eine alphabetisch geordnete Liste aller Treffer aus. Bei Bedarf können die Ergebnisse als Markierungen auf einer Landkarte dargestellt werden.

Wer "AchtungPleite" ausprobieren möchte, muss allerdings vorher den Nutzungsbedingungen zustimmen, die deutlich zeigen, dass der App-Entwickler bereits von rechtlichen Problemen ausgegangen ist. Es existiert ein Passus, in dem es heißt: "Es wird von dem Anbieter der App keine Haftung für Schäden übernommen, die durch die Nutzung dieser App entstehen. Zuständig für Auskünfte zu Insolvenzverfahren sind die jeweiligen Insolvenzgerichte."

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Werbung
Ab ins Netz mit dir