Schwere Zeiten für Möchtegern-Propheten

YouTube: Empfehlungen sollen nicht mehr zu Verschwörungstheorien führen

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von Julius Zunker -

Bei YouTube hat man endgültig die Nase voll von Verschwörungstheorien und sogenannten "Truthern". Nachdem seit Frühjahr 2018 bereits Links zu Wikipedia und Co. unter Videos mit derartigem Content eingeblendet werden, gibt es nun keine Empfehlungen mehr für Reptiloiden, Hohl- oder Flach-Welt und nicht stattgefundene Mondlandungen.

Was ist ein "Truther"?

Sogenannte "Truther" glauben, dass die Regierungen und Medien weltweit die Menschen systematisch belügen und täuschen, um vermeintliche "Wahrheiten" geheim zu halten. Sie klammern sich dabei an absurde Behauptungen und Theorien, die sich nicht oder nur scheinbar belegen lassen, von denen sie aber trotzdem überzeugt sind. "Truther" sind klassische Verschwörungstheoretiker.

Vergangenen Freitag hat YouTube den eigenen Algorithmus geändert und damit für Furore gesorgt. Die Änderung sollte eigentlich wenig Aufsehen erregen, bewirkt sie doch lediglich, dass das Internet ein etwas besserer Ort werden dürfte.

Diese Mal geht es nicht (direkt) um Hassrede, sondern um den liebsten Spielplatz von "Infokriegern" und anderen sogenannten "Truthern": Verschwörungstheorien. Auf YouTube sind sie in schier unendlicher Vielfalt zu finden und schießen in den empfohlenen Videos aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Doch jetzt ist damit Schluss.

Nur 1 Prozent der YouTube-Videos betroffen

Laut YouTubes Mitteilung zur Algorithmus-Änderung seien davon sowieso "weniger als 1 Prozent" der Videos betroffen gewesen - darunter Inhalte, die sich "um Wunderheilungen [drehen], solche, die die Erde als flach beschreiben oder jene, die schlicht falsche Angaben zu historischen Ereignissen wie dem 11. September machen".

Inhalte dieser Art werden sich nun nicht mehr in der Liste empfohlener Videos wiederfinden. YouTube wird sich dafür nicht nur auf den geänderten Algorithmus verlassen, sondern auch menschliches Urteilsvermögen heranziehen, basierend auf öffentlich einsehbaren Richtlinien.

Änderung, aber kein Eingeständnis

Alex Jones von Info Wars

Danke, YouTube? Verschwörungstheoretiker wie Alex Jones erreichen mit Googles Videoplattform die ganze Welt.  

Quelle: (Screenshot)  YouTube 

Alex Jones von Info Wars

Danke, YouTube? Verschwörungstheoretiker wie Alex Jones erreichen mit Googles Videoplattform die ganze Welt.  

Quelle: (Screenshot)  YouTube 

Was YouTube allerdings in der Presseerklärung außen vor lässt, ist der Grund, der schlussendlich zu dieser Entscheidung führte. Besonders im vergangenen Jahr explodierten Verschwörungstheorien jeglicher Art förmlich auf der zu Google gehörigen Plattform - darunter auch völlig der Realität entrückte Erklärungsversuche zu den Waldbränden im US-Bundesstaat Kalifornien oder dem Amoklauf in Parkland (Florida, USA). YouTube ging in keiner Weise gegen diese Inhalte vor, gab ihnen sogar noch mehr Aufwind. Hassprediger wie Alex Jones (dessen Kanal seit August 2018 gesperrt ist) dürften YouTube sogar einen erheblichen Anteil ihrer Reichweite verdanken.

Durch das Empfehlen von derartigen Videos, die scheinbar zum liebsten Hobby einer verstärkt rechts bis rechtsradikal orientierten Szene geworden sind, ist YouTube vermehrt in schlechte Presse geraten. Die nun erfolgte Änderung ist somit wohl mehr Selbstschutz vor weiteren Negativ-Schlagzeilen als tatsächliche Beteiligung an einem besseren Internet. Wie die Reaktionen jedenfalls in den betroffenen Korn- und Dunstkreisen ausfallen dürften, kann man sich auch ohne Aluhut ganz gut vorstellen.

Quelle: YouTube

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