Nicht aufzuhalten

Playerunknown's Battlegrounds erobert den PC – hier sind 6 Gründe für den Erfolg

Geschätzte Lesezeit: ca. 8 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Der Multiplayer-Survival-Shooter 'Playerunknown’s Battlegrounds' – kurz: PUBG – hat den PC im Sturm erobert. Ein Ende des kometenhaften Erfolgszuges ist nicht in Sicht. Nur: Warum eigentlich? Wir zeigen euch sechs Gründe, die PUBG so durch die Decke gehen lassen.

Das Spielprinzip von Playerunknown’s Battlegrounds ist schnell erklärt: 100 Spieler stürzen sich zu Beginn jeder Runde über einer Insel aus einem Flugzeug und gleiten mithilfe eines Fallschirms zu Boden. Alle Spieler starten ohne Ausrüstung – quer über die Insel sind allerdings Waffen, Munition, Helme und Schusswesten verteilt. Jeder schnappt sich, was er bekommen kann und versucht, seine Kontrahenten auszuschalten, ohne selbst erwischt zu werden. Gleichzeitig macht ein Energiefeld das Spielareal kleiner und kleiner. Der letzte Überlebende gewinnt.

PUBG muss irgendetwas anders, besser machen.

Neu ist die Idee nicht, schon 'DayZ' und 'H1Z1: King of the Kill' haben sie populär gemacht. Als 'Last Man Standing' gehört der Ansatz zu den Standard-Spielmodi von Multiplayer-Shootern. Doch PUBG muss irgendetwas anders, besser machen. Denn das Spiel marschierte unaufhaltsam an die Spitze der Steam-Charts, ist der momentan meistgespielte Titel (zu Spitzenzeiten über 2 Mio. aktive Spieler - gleichzeitig!) auf der alles dominierenden Plattform. Giganten wie 'Dota 2' oder 'Counter Strike: Global Offensive' (CSGO) hat PUBG dabei hinter sich gelassen.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Playerunknown’s Battlegrounds hat viele Macken. Und es ist weit davon entfernt, dass diese Macken ausgemerzt werden. Die jüngsten Steam-Reviews lassen daran keinen Zweifel. Skurrile Physik-Aussetzer, stellenweise katastrophale Trefferabfrage, immer wieder Probleme mit Cheatern – die Liste der Baustellen ist lang. Im Angesicht dieser Mängel drängt sich umso mehr die Frage auf: Warum ist das Spiel trotzdem so verdammt erfolgreich?

Ich streame, also bin ich

PUBG fügt sich perfekt in die moderne PC-Gaming-Landschaft ein. Zuschauer lieben es, es gibt Highlights und WTF-Momente am Fließband. Intensive Action wechselt sich mit ruhigen Episoden ab, die Streamer zur Kommunikation mit dem Publikum nutzen. Die Matches dauern nicht lange, der Einstieg in das Spiel fällt leicht – man versteht sofort, worum es geht und was passiert. Wer als Laie schon mal bei League of Legends zugeschaut hat, der weiß, wieviel Spaß das macht: Keinen. Bei PUBG ist das anders.

Die hohe "Streamtauglichkeit" sorgt dafür, dass PUBG in aller Munde ist. Streamer mit einem riesigen Publikum wie 'shroud' oder 'DrDisRespect' sorgen für Langzeitbindung und Wiedererkennungswert. Man kann kaum auf Reddit, Twitch oder YouTube surfen, ohne mit dem Spiel konfrontiert zu werden. Kostenlose und immer wieder virale Werbung auf den relevanten Kanälen – besser geht's nicht. Das alles ist kein Zufall: Die südkoreanischen Entwickler von 'Bluehole' haben diese Stärke des Spiels erkannt und bewusst ausgebaut.

PUBG erfolgreich auf Twitch.tv

PUBG gehört auf Twitch.tv zu den beliebtesten Spielen - Giganten wie Hearthstone, CSGO und Overwatch lässt es regelmäßig hinter sich.

(Screenshot)  Twitch 

Twitter-Profil des PUBG-Streamers DrDisRespect

Streamer wie DrDisRespect ziehen ein riesiges Publikum an. Mehr als 250.000 Fans folgen ihm auf Twitter.

(Screenshot)  Twitter - @DrDisRespect 

PUBG erfolgreich auf Twitch.tv

PUBG gehört auf Twitch.tv zu den beliebtesten Spielen - Giganten wie Hearthstone, CSGO und Overwatch lässt es regelmäßig hinter sich.

(Screenshot)  Twitch 

Twitter-Profil des PUBG-Streamers DrDisRespect

Streamer wie DrDisRespect ziehen ein riesiges Publikum an. Mehr als 250.000 Fans folgen ihm auf Twitter.

(Screenshot)  Twitter - @DrDisRespect 

"Schon zu Beginn des Projektes wussten wir, dass Zuschauer die wichtigste Zielgruppe (customer group) sind. Wir wussten, dass es Spaß machen würde, sich dieses Spiel online anzuschauen", sagt Woonghe Cho, COO bei Bluehole. "Also haben wir uns darauf fokussiert und Features im Hinblick auf diese Charakteristik entwickelt." Das habe schon kurz nach Release für rasant wachsende Zuschauerzahlen auf Twitch und ähnlichen Plattform gesorgt. "Ich denke, das hat für die ganzen Verkäufe gesorgt, ganz ohne besondere Marketingprogramme oder Kampagnen."

Wenn die Gaming-Szene einen Nerv hat, dann hat PUBG ihn getroffen.

Falsch spielen geht nicht

Viele Spiele versprechen: Spiel, wie du willst – dein Spiel, dein Stil. Nur selten ist das wirklich so, bei PUBG stimmt es aber. Ihr wollt herumrennen wie Rambo und jeden anderen Spieler bis ans andere Ende der Map jagen, vorher gebt ihr nicht auf? Ok. Oder wollt ihr lieber zehn Minuten hinter einer verschlossenen Badezimmertür kauern und darauf warten, dass diese vielleicht oder vielleicht nicht aufgeht? Auch ok. Ihr wollt mitten in der Militärbasis landen und euch mit einem Haufen anderer Spieler direkt um die beste Ausrüstung prügeln? Ok. Ihr wollt es lieber ruhiger angehen lassen und in einer kleinen Siedlung, weit ab vom Schuss (tatsächlich mal im wörtlichen Sinne), nach Waffen suchen? Auch ok.

PUBG bietet die Spielwiese und gibt nur eine Regel vor: Wer am Schluss übrig bleibt, ist der Sieger. Wie der Spieler dieses Ziel angeht, bleibt völlig ihm überlassen. Besonders die Gruppen-Modi mit Zweier-, Dreier- oder Vierer-Teams bieten enorme taktische Tiefe, sie verlangen exakte Kommunikation und Koordination. Deshalb fühlen sich die Runden jedes Mal frisch an, es gibt immer neue Entscheidungen zu treffen, der Handlungsspielraum ist riesig. Das sorgt außerdem dafür, dass sich PUBG im Regelfall (ja, wir kennen die verrückten Autounfälle und die diversen Bugs) fair anfühlt. Wenn es gut läuft, dann offenbar, weil man gut spielt. Wenn es eher bescheiden läuft… tja.

Die Spieler nutzen diese Freiheit auf ihre Art:

Gewinnen ist hart, verlieren macht Spaß?!

Bei modernen Spielen wird häufig beklagt, sie seien zu leicht, der Spieler würde zu sehr an die Hand genommen. Diesen Vorwurf muss sich PUBG nicht gefallen lassen, denn das begehrte 'Chicken Dinner' (so nennt es das Spiel, wenn man gewinnt) bekommen nur die wenigsten Spieler serviert. Der erste Sieg in PUBG ist so wertvoll, dass Freunde am nächsten Tag stolz davon erzählen: "Gestern das erste Mal Chicken Dinner, endlich!!" Solche Erfolgserlebnisse prägen sich ein, denn sie sind selten und hart erkämpft. Nur wenige Spiele können ähnliche Erfahrungen bieten.

Weil verlieren die Regel und gewinnen die Ausnahme ist, gewöhnt man sich daran. PUBG macht auch Spaß, wenn man nicht der letzte Überlebende ist. Der Weg ist das Ziel, abgedroschen und trotzdem richtig. Freilich: Es muss nicht unbedingt der Badezimmer-Camper mit der Schrotflinte sein, der einem die Lichter auspustet. Aber bei FIFA, Call of Duty, League of Legends oder Starcraft abgezogen zu werden, nervt deutlich mehr.

Looten, looten, looten

Das Beute-System von PUBG bringt unsere Jäger-und-Sammler-Instinkte auf Hochtouren: Einpacken, alles einpacken! Die Ausrüstung wird außerdem in jeder Runde neu und zufällig verteilt. Jedes Häuschen, jede Lagerhalle, jeder Schuppen verspricht daher eine neue Chance auf begehrte, weil mächtige Ausrüstungsgegenstände wie Scharfschützengewehre, Schalldämpfer oder Zielfernrohre mit 8-fach-Zoom. Das ist so ein bisschen wie früher, wo man Pokémon-Booster ausgepackt oder Jahrmarktlose ausgerollt hat. "Dieses Mal hab ich bestimmt Glück."

Jedes starke Item sorgt für ein kleines Glücksgefühl, immer wieder und in jeder Runde. Diesem kontinuierlichen, positiven Feedback kann man sich schwierig entziehen. Besonders am Anfang der Runde ist der Nervenkitzel groß, denn ohne Waffe sieht’s schnell düster aus. Da wird sogar eine popelige Pistole gefeiert – die ist schließlich besser als die blanke Faust. Jede bessere Waffe ist ein kleiner Fortschritt, der Spaß macht, Runde für Runde.

Loot in Playerunknown's Battlegrounds PUBG

Besonders gute Loot-Runs werden gerne auf Reddit gepostet.

Quelle: (Screenshot)  PUBG/Reddit 

Loot in Playerunknown's Battlegrounds PUBG

Besonders gute Loot-Runs werden gerne auf Reddit gepostet.  

Quelle: (Screenshot)  PUBG/Reddit 

Das Spiel ist kaputt – na und?

Besonders die zum Teil völlig wahnsinnige Physik-Engine schafft es immer wieder in Highlight-Videos, die anschließend das Netz überschwemmen – und im Hintergrund sind Spieler zu hören sind, die vor Lachen fast vom Stuhl fallen. Tonnenschwere Militärjeeps explodieren wegen der kleinsten Hindernisse, Uralt-Limousinen wirbeln wie Spielzeugautos durch die Luft, Motorräder werden in absurden Stunts über mehrstöckige Häuser manövriert. In solchen Momenten ist PUBG unberechenbar. Wenn Spieler in dieses Chaos geraten, kommt es zu den unwahrscheinlichsten Kills und Unfalltoden.

Die verrückten Szenen säumen täglich die Feeds bei Reddit, Twitch und Twitter und sorgen dafür, dass das Spiel noch mehr Reichweite bekommt – sie gehören schon fast dazu. "Was wäre PUBG nur ohne die Buggie-Überschläge?", möchte man fragen. Weil das Spiel ansonsten viel richtig macht und noch immer in der 'Early-Access'-Phase steckt, scheinen die Spieler viele Bugs zu verzeihen. Andere Fehler werden allerdings weniger wohlwollend aufgenommen: Besonders die zum Teil fürchterliche Trefferabfrage und diverse Clipping-Probleme an Felsen und Berghängen erregen den Ärger der Fans. In dieser Hinsicht muss sich auf jeden Fall einiges tun, denn diese Mängel sind nicht witzig oder irre – sie nerven einfach nur.

Sofort spielen, immer!

Playerunknown’s Battlegrounds schmeißt den Spieler sofort ins Getümmel, ohne Story, ohne Tutorial, ohne Anleitung. Vor jeder Runde werden alle Spieler kurz in einer Lobby gesammelt. Eine Minute gibt das Spiel dem eigenen Computer dort Zeit, die Spielwelt zu laden. Dann beginnt der Flug über die Insel – und sobald die Füße schließlich den Boden berühren, geht’s um die Wurst.

Manche Runden dauern nur wenige Minuten, andere ziehen sich deutlich über die Halbstunden-Marke. Egal, wie ein Match ausgeht: Anschließend kann man sich sofort für eine neue Partie anmelden. Weil das Spiel momentan aus allen Nähten platzt, finden sich in Sekunden (buchstäblich) 99 neue Kontrahenten und es geht von vorn los. Wer kein Freund von Wartezeiten ist, wird PUBG lieben – Leerlauf existiert im Grunde nicht. Das kann sich natürlich in Zukunft ändern, wenn die Spielerzahlen zurückgehen. Im Moment deutet allerdings wenig darauf hin.

Hier erfährst du mehr über: PC Gaming

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2 Kommentare
Marko

Yo ;)

gnom1

das game hat den pc vor mehr als einem halben jahr erobert! da seit ihr etwas spät dran oder?