Hype-Shooter oder doch nur Mitläufer?

Apex Legends: Der neue Stern am Battle-Royale-Himmel?

Geschätzte Lesezeit: ca. 7 Minuten

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von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Mit dem Titanfall Spin-off Apex Legends springt nun also auch Electronic Arts auf den Battle-Royale-Hype-Train auf - und setzt die Genre-Lieblinge PUBG und Fortnite schon nach wenigen Tagen gehörig unter Druck. Der neue Shooter ist schnell, Teamwork-orientiert und kann komplett kostenlos gespielt werden. Doch hat Apex Legends auch das Zeug zum neuen Branchen-Primus?

Vor wenigen Tagen veröffentlichte Electronic Arts für viele Gamer völlig überraschend und ohne vorherige Ankündigung den F2P-Battle-Royale-Shooter Apex Legends. Das neuste Machwerk des Entwicklerstudios Respawn Entertainment spielt im bekannten Titanfall-Universum und tritt in direkte Konkurrenz zu den überaus erfolgreichen Genre-Nachbarn PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) und Fortnite. Ein hart umkämpfter Gaming-Sektor, den unter anderem auch CoD Black Ops 4, H1Z1 und einige weitere Shooter für sich erobern wollen. Nun möchte man denken, dass sich Apex Legends erst mal einen Namen machen muss - doch der überaus erfolgreiche Launch zeigt, dass EA dieses Mal scheinbar alles richtig gemacht und einen Nerv getroffen hat.

Der beeindruckende Start spricht für sich: Das meist-gestreamteste Spiel des Tages auf Twitch und in weniger als acht Stunden nach dem offiziellen Release kämpften bereits über eine Millionen Spieler ums virtuelle Überleben – ein echter Meilenstein. Allerdings sei gesagt, dass sich diese Zahl auf alle Plattformen bezieht, für die der Free-to-Play-Shooter Apex Legends verfügbar ist: Also sowohl PlayStation 4 und Xbox One als auch auf dem PC. Dieser Erfolg hat sogar die PUBG-Macher überrascht, die mit ihren offensichtlich ernstgemeinten Glückwünschen in Richtung EA für eine echte Seltenheit gesorgt haben. Per Tweet ließ man den neuen Konkurrenten in bester Gaming-Manier wissen, dass sie einen guten Job gemacht haben: "Good game, well played".

Battle Royale? Was ist das überhaupt?

Bevor wir Apex Legends etwas genauer unter die Lupe nehmen, gibt es vorab für alle, denen der Begriff Battle Royale nichts sagt, eine kurze Einweisung. Bei Battle Royale handelt es sich einfach gesagt um einen Shooter-Modus, der an dem 'Last Man Standing'-Prinzip mit Survival-Elementen angelehnt ist. Der Spieler ist entweder alleine oder in einer kleinen Gruppe auf einer Map unterwegs, deren begehbarer Bereich in regelmäßigen Zeitabständen immer kleiner wird. Wer sich zu lange außerhalb dieses Bereiches aufhält, stirbt. Während man nun also versucht, möglichst zügig in das sichere Gebiet zu kommen, kann man unterwegs allerlei Waffen und weitere Ausrüstung finden, die zufällig verteilt auf der Map auftauchen. Das Ziel bei Battle Royale-Spielen ist es, als Letzter von einer Vielzahl an Spielern und vor Ablauf der Zeit übrig zu bleiben.

Das Gameplay von Apex Legends

Ein Screenshot aus dem Battle-Royale-Shooter Apex Legends.

Drei der insgesamt acht Legenden, die man bei Apex Legends auswählen und spielen kann.  

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

Ein Screenshot aus dem Battle-Royale-Shooter Apex Legends.

Drei der insgesamt acht Legenden, die man bei Apex Legends auswählen und spielen kann.  

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

Vorab ein kleiner 'Warnhinweis' für alle Fortnite-Spieler: Wer Apex Legends zum ersten Mal sieht, könnte fälschlicherweise denken, dass er aus Versehen das falsche Spiel gestartet hat. Sowohl der Aufbau des Startscreens als auch das Look-and-Feel im Spiel selbst ähneln auch auf den zweiten Blick dem beliebten F2P-Shooter von Epic Games. Der Grafikstil und die recht bunte Spielwelt sorgen dabei ebenfalls für Verwechslungsgefahr. Doch will EA mit Apex Legends das Battle-Royale-Genre nicht neu erfinden, sondern einfach nur für mehr Abwechslung sorgen, was grundsätzlich auch gelingt.

Wie eingangs bereits erwähnt, spielt sich Apex Legends sehr schnell. Die zahlreichen verschiedenen Waffen und auch die übrige Ausrüstung wie Munition, Granaten, Schilde und Waffenverbesserungen können einfach im Vorbeigehen aufgesammelt werden. Die Karte hat eine passende Größe für die bis zu 60 Spieler. Da man die ganze Zeit in Bewegung ist, fühlt sich das Gameplay nicht so zäh wie beispielsweise bei PUBG an. Hinzu kommen zwei weitere Punkte, die Apex Legends recht deutlich von der Konkurrenz unterscheiden.

3er-Squads und echte Legenden

Im Gegensatz zu den meisten anderen Battle-Royale-Titeln seid ihr bei Apex Legends nicht alleine, sondern ausschließlich in sogenannten Squads unterwegs. Diese bestehen immer aus drei Spielern, die sich vor dem Beginn des Spiels in der Lobby zusammenfinden und dort ihre Strategie absprechen können. Diese Vorbereitung ist hier tatsächlich von großer Bedeutung, da ihr nicht einfach nur einen Standard-Charakter spielt, sondern aus acht verschiedenen 'Legenden' mit jeweils sehr unterschiedlichen Eigenschaften auswählen könnt – vergleichbar mit Rainbow Six Siege und Overwatch.

Die acht verschiedenen Legenden aus Apex Legends.

Das sind die acht derzeit verfügbaren Charaktere - oder besser gesagt: Legenden. Jeder bietet eigene Skills und Fertigkeiten, die möglichst passend aufeinander abgestimmt werden sollten.

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

Die acht verschiedenen Legenden aus Apex Legends.

Das sind die acht derzeit verfügbaren Charaktere - oder besser gesagt: Legenden. Jeder bietet eigene Skills und Fertigkeiten, die möglichst passend aufeinander abgestimmt werden sollten.  

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

Das Ziel ist es, drei gut aufeinander abgestimmte 'Legenden' auszuwählen, die miteinander harmonieren und sich durch ihre speziellen Fertigkeiten gut ergänzen. Allerdings verspricht beispielsweise die altbewährte Tank-Heiler-DamageDealer-Zusammensetzung noch lange keinen garantierten Sieg. Hier liegt es also am Spieler selbst herauszufinden, welche der Klassen gut zueinander passen und welche Kombination am erfolgversprechendsten ist. Das 3er-Team könnt ihr übrigens entweder mit zwei eurer Freunde, oder mit zufälligen Mitspielern zusammenstellen. Dabei ist zu beachten, dass Apex Legends aktuell noch kein Crossplay unterstützt. Allerdings wurde von EA bereits angekündigt, dass sich dieser Umstand in naher Zukunft ändern könnte.

Was fehlt, was kommt?

Da Apex Legends wie erwähnt im Titanfall-Universum angesiedelt ist, könnte der geneigte Gamer nun denken, dass der Battle-Royale-Shooter nicht nur die Ausrüstung und die Waffen, sondern auch weitere Elemente aus Titanfall 2 importiert hat. Dem ist leider nicht so. Hier sucht man die beliebten Mechs vergebens und auch die spaßigen Parkour-Elemente fehlen. Besonders letztere hätten dem Gratis-Shooter mit hoher Wahrscheinlichkeit ein echtes Alleinstellungsmerkmal verpasst - vom erhöhten Spielspaß mal ganz abgesehen.

Dafür hat EA aber schon wenige Tage nach dem Release eine Roadmap veröffentlicht, die zeigt, dass der Publisher Apex Legends das ganze Jahr über mit neuen Inhalten versorgen wird. Zu jeder der insgesamt vier Seasons wird es ein Update mit zahlreichen neuen Legenden, Waffen und anderen Inhalten geben - beginnend mit dem schon fast obligatorischen 'Battle Pass'. Erwähnenswert dabei ist, dass laut EA sämtliche kommenden DLC-Erweiterungen komplett kostenlos sind. Einzig die kosmetischen Items werden Geld kosten – sei es in Form von Apex Packs (Lootboxen) oder als Direktkauf im Ingame-Shop. Die gefürchtete Pay2Win-Falle dürfte so also entschärft sein.

Die Roadmap für 2019 von Apex Legends.

Die Roadmap für dieses Jahr zeigt alle geplanten Erweiterungen und deren Release-Daten.

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

Die Roadmap für 2019 von Apex Legends.

Die Roadmap für dieses Jahr zeigt alle geplanten Erweiterungen und deren Release-Daten.  

Quelle: (Screenshot)  Electronic Arts 

(@kreativfrei)
Ein potentiell steiniger Weg

Bei Apex Legends ist es ein wenig wie bei Fortnite: Zuerst wundert man sich, warum ein solches Game überhaupt derart gefeiert wird, bis man es dann schließlich nach kurzer Zeit selber zockt. Wie bei den anderen Battle-Royale-Shootern besteht auch hier eine recht hohe Suchtgefahr, schließlich sind die Runden nach kurzer Zeit vorbei und man hat häufig Erfolgserlebnisse. Die Grafik ist vielleicht etwas zu bunt, aber trotzdem schick. Die große Auswahl an Waffen, Ausrüstung und nicht zuletzt an verfügbaren und einzigartigen Charakteren sorgen dafür, dass das Spiel nicht langweilig wird. Also ein neuer Stern am Battle-Royale-Himmel?

Abwarten, denn trotz des anfänglichen Hypes dürfte es nicht leicht werden, sich auch auf Dauer gegen die harte Konkurrenz erfolgreich durchzusetzen. Hier liegt es am Entwickler, es den Spielern beispielsweise durch Events oder größere und regelmäßige Erweiterungen schmackhaft zu machen, sich auch über einen längeren Zeitraum einzuloggen. Einen Blick ins Game zu riskieren lohnt sich auf jeden Fall, schließlich sollte man sich ja immer selbst ein Bild machen. Falls EA jedoch erneut versuchen, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen, droht Apex Legends wohl ein ähnliches Schicksal wie Dying Light: Bad Blood.

Quelle: Electronic Arts

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