Beta-Version getestet

Don't Make Love: Friendzone oder Traumhochzeit? [Update]

Geschätzte Lesezeit: ca. 6 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Im Chatbot-basierten Indie-Game 'Don't Make Love' tut ihr alles für eine funktionierende Beziehung, in der Sex ärgerlicherweise den fast sicheren Tod für einen von euch bedeutet. Wie ihr dieses Dilemma löst, bleibt dabei völlig euch überlassen. Wir haben uns in der Beta-Version für den PC schon mal angeschaut, ob und wie das in vielerlei Hinsicht kuriose Konzept funktioniert.

+++ (Update 25.10.2017) +++

Ab morgen heißt es: Leben oder Liebe machen. Das handgezeichnete Indie-Game über zwei Heuschrecken in einer pikanten Zwickmühle wird am 26. Oktober wie geplant auf der Plattform Steam für Windows PCs erscheinen. Die in der Beta-Phase noch nicht vollends ausgereifte Chatbot-Mechanik hat der Entwickler in der Zwischenzeit laut eigenen Aussagen nochmals überarbeitet. Über den Kaufpreis gibt es bis dato noch keine Informationen, wir gehen aber von einem einstelligen Betrag aus.

+++ (Update 25.10.2017) +++

Games mit Beziehungskomponente sind heute längst keine Seltenheit mehr. Seien es die Sims, Fallout 4 oder die Mass-Effect-Spiele: Beeinflussbare Liebschaften zwischen Spielercharakteren und Figuren aus dem Spiel werden gerne genutzt, um Figuren lebensechter wirken zu lassen und die Bindung des Spielers mit der Handlung zu verstärken. Über mehr als den Status 'nettes Zusatzfeature' kommt die Thematik 'Liebe und Beziehung' in Spielen aber höchst selten hinaus.

Englischkenntnisse sind Pflicht

Don't Make Love wird voraussichtlich nur in englischer Sprache erhältlich sein. Wer sich mit seinem Insektenpartner also auf Augenhöhe unterhalten möchte, sollte solide Englischkenntnisse mitbringen.

Tot aber glücklich?

Mit dem Indie-Game 'Don't Make Love' widmet sich das kleine italienische Studio 'Maggese' jetzt ausschließlich diesem Thema – und versetzt euch in die wohl unangenehmste präkoitale Situation, die es im Tierreich gibt: Als Gottesanbeterin seid ihr bis über beide Ohren in euren Partner verliebt, der Geschlechtsakt endet bei dieser Spezies in der Regel aber dummerweise mit einem enthaupteten Männchen. Als Spieler ist es nun an euch, diesen schwierigen Drahtseilakt zu meistern: Bleiben wir auf platonischer Basis zusammen? Trennen wir uns? Oder lassen wir es gar auf einen Versuch ankommen?

Zu einer Auflösung dieser Situation kommt ihr in Don't Make Love ausschließlich im Dialog mit dem Partner. Kurz nach Spielbeginn findet ihr euch mitten in einem tiefschürfenden Beziehungsgespräch der beiden Protagonisten wieder. Je nachdem, für welches Geschlecht ihr euch entschieden habt, geht ihr mit einer anderen Grundhaltung an das komplizierte Thema heran: Als Männchen seid ihr grundsätzlich an Sex interessiert, aber wegen eures möglichen Todes besorgt und verunsichert. Als Weibchen würdet ihr ebenfalls gerne intim mit eurem Partner werden, fürchtet aber, dass euch eure Männer-Enthauptungs-Instinkte überwältigen und die an sich schöne Beziehung damit endgültig vorbei wäre.

Don't Make Love lässt euch frei formulieren

Einzigartig an Don't Make Love ist, dass ihr den Dialog nicht wie üblich anhand vorgegebener Antwortmöglichkeiten führt, sondern ein leeres Texteingabefeld präsentiert bekommt. Dort könnt ihr völlig frei niederschreiben, was immer euch sinnvoll erscheint. Eine eigens für das Spiel entwickelte Chatbot-Technologie, die eure geistigen Ergüsse interpretiert und euren Partner zu einer entsprechenden Reaktion veranlasst, sorgt dann für ein Vorankommen im Spiel. Falls euch keine sinnvolle Formulierung einfällt, greift ihr außerdem auf vorgefertigte Interaktionsmöglichkeiten wie 'Streicheln' oder 'Umarmen' zurück oder ihr unterstreicht eure Aussage mit einem Emoji.

Fressen oder gefressen werden: Die Wahl des Geschlechts ist entscheidend für den Spielverlauf von Don't Make Love.

(Screenshot) 

Was soll ich bloß sagen? Vorgefertigte Dialogoptionen gibt es in Don't Make Love nicht.

(Screenshot) 

Mit vorgefertigten Interaktionsmöglichkeiten und Emojis lassen sich die eigenen Statements unterstreichen.

(Screenshot) 

Das Artwork von Don't Make Love ist zwar nur spartanisch animiert, überzeugt aber durch handgezeichnete Modelle und stimmungsvolles Farbenspiel.

(Screenshot) 

Bei Bedarf kann sich der Spieler die gesamte Unterhaltung erneut anschauen. Zudem gibt es einige Tipps in Sachen Formulierungen.

(Screenshot) 

Fressen oder gefressen werden: Die Wahl des Geschlechts ist entscheidend für den Spielverlauf von Don't Make Love.

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Was soll ich bloß sagen? Vorgefertigte Dialogoptionen gibt es in Don't Make Love nicht.

(Screenshot) 

Mit vorgefertigten Interaktionsmöglichkeiten und Emojis lassen sich die eigenen Statements unterstreichen.

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Das Artwork von Don't Make Love ist zwar nur spartanisch animiert, überzeugt aber durch handgezeichnete Modelle und stimmungsvolles Farbenspiel.

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Bei Bedarf kann sich der Spieler die gesamte Unterhaltung erneut anschauen. Zudem gibt es einige Tipps in Sachen Formulierungen.

(Screenshot) 

Und zunächst macht der Gesprächsverlauf in dieser Beta-Version auch einen flüssigen Eindruck, die meisten Erwiderungen auf unsere durchaus ernst gemeinten Formulierungen ergeben Sinn und wir machen spürbar Fortschritte. Sobald wir absichtlich am Thema vorbei schreiben, quittiert unser Gegenüber dies zudem irritiert und ändert seine Stimmung in 'sad' oder 'upset'. Bauen wir zuviel Mist oder legen eine übertrieben ablehnende Haltung an den Tag, beendet unser Partner sogar nach wenigen Minuten die Beziehung und das Spiel ist beendet.

Gesprächsverlauf nicht immer nachvollziehbar

Beta-Version

Zu den hier angesprochenen Kritikpunkten haben wir uns im Nachgang an den Artikel nochmal mit Chefentwickler Dario Dambra unterhalten. Er hat uns versichert, dass in der derzeitigen Testphase viele Verbesserungen hinsichtlich der Performance der Chatbot-Technologie unternommen werden, um das Spielerlebnis lebensechter zu gestalten.

Sobald wir im Spiel allerdings die Initiative ergreifen und das Gespräch in eine andere Richtung lenken wollen, tritt ein Dilemma zu Tage, für das die Entwickler offenbar keine optimale Lösung haben finden können: Sie wollen eine Geschichte mit rotem Faden erzählen, dem Spieler aber gleichzeitig die Illusion eines echten, spontanen Gesprächs vermitteln. In der Konsequenz erleben wir häufig, dass unsere Aussagen nur sehr vage kommentiert oder schlicht übergangen werden, um die Geschichte in die vorgesehene Richtung zu lenken.

Besonders bei mehrfachem Durchspielen erkennen wir ferner schon bald ganze Textpassagen wieder, die nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten erneut auftauchen. Den Eindruck, uneingeschränkten Spielraum in der Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema zu haben, macht dies leider - zumindest in der derzeitigen Beta-Version - ein Stück weit zunichte. Wer sich mit dem Gedanken an diese leider nur oberflächliche Freiheit arrangieren kann und innovative Spielkonzepte mit obendrein liebevoll gestalteten Artworks schätzt, bekommt den Titel für einen Indie-typisch vermutlich kleinen Preis schon im Sommer bei Steam.

(@hardtboiled)
Für einen Seitensprung reicht's locker

Im Grunde dreht sich in Don't Make Love alles um die Bedeutung von Sex für das Funktionieren einer Beziehung. In ihrem Spiel überspitzt das kleine Team von Maggese diese Fragestellung auf charmante Weise und manövriert den Spieler gekonnt in eine Zwickmühle, aus der er sich nur schwer wieder herausbugsieren kann. Das Problem ausschließlich in - mehr oder weniger freien - Dialogen lösen zu müssen ist eine Herangehensweise, die in Beziehungen zwar zum guten Ton gehört, in Spielen aber sicher nicht an der Tagesordnung und daher so gewöhnungsbedürftig wie reizvoll ist.

Für das Spielerlebnis umso zentraler ist deshalb eine intelligente Chatbot-Technologie, die in Don't Make Love zwar gelegentlich mit cleveren Entgegnungen auf unsere Avancen verblüfft, zumindest in dieser unfertigen Beta-Version aber noch ernüchternd beliebig wirkt: Zu oft haben wir das Gefühl, das Gespräch nicht lenken zu können und stattdessen immer wieder auf einen von den Machern vorgesehenen roten Faden zurücklamentiert zu werden. Zu häufig formulieren wir eine möglichst tiefgründige Botschaft, nur damit uns unser Partner in seiner Erwiderung mit einem Allgemeinplatz abspeist.

Das ist schade, da das Spiel dank dem philosophischen Ansatz und dem handgezeichneten Artwork eine dichte Atmosphäre erzeugt und auch sonst erfrischend viel anders macht. Wer neuen, mutigen Konzepten gegenüber aufgeschlossen ist, technisch jedoch nicht zwingend Perfektion erwartet, gibt dem Indie-Projekt eine Chance.

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