Diskussion auf Twitter entbrannt

Equal Mode? AbleGamers fordert mehr Zugang bei schweren Games

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mehr Teilhabe in Games - Ein Thema, das seit Neuestem wieder heiß diskutiert wird. Gegner von behindertengerechten Einstellungsmöglichkeiten befürchten unter anderem, dass besonders schwere Games dadurch entscheidend verwässert werden könnten. Steve Spohn, Initiator der Organisation 'AbleGamers', ist jetzt auf Twitter der Kragen geplatzt.

'Dark Souls', das jüngst erschienene 'Sekiro: Shadows Die Twice' oder Indie-Games wie 'Super Meat Boy' sind knackig schwer, keine Frage. Für viele Spieler sind sie unter anderem gerade deshalb so beliebt - besonders das Meistern einer scheinbar unmöglichen Herausforderung nach unzähligen Niederlagen kann unheimlich motivierend wirken. Nur gibt es dabei ein Problem: Geschicklichkeitsbasierte Games, wie die eben angesprochenen, schließen einen Teil der Bevölkerung aus, die die Spiele auch erleben möchten, aber dazu mitunter kaum oder gar nicht in der Lage sind: Menschen mit Behinderung.

Macht Teilhabe schwere Games kaputt?

Organisationen wir 'AbleGamers' setzen sich daher dafür ein, auch diesen Menschen eine Teilhabe zu ermöglichen. Ihre Forderungen an Game Designer reichen von mehr Optionen für die Tastenbelegung bis hin zu Modifikation der Spielgeschwindigkeit. Forderungen, die die Community durchaus mit gemischten Gefühlen sieht. Würde dadurch die Vision des Entwicklers kompromittiert? Verlieren absichtlich schwere Games, wie die oben genannten, dadurch gar ihre Daseinsberechtigung? Eine Diskussion, die AbleGamers-Chef Steve Spohn offenbar inzwischen zum Halse heraushängt. Gerade auf den abschätzigen Begriff 'Easy' Mode', der von Gegnern der Inklusionsbemühungen gern ins Feld geführt wird, reagiert er allergisch. Sein "letzter Beitrag zu diesem Thema" sei daher folgender Twitter-Post:

In dem Thread erläutert er, dass er keinesfalls dafür eintrete, notorisch schwere Spiele so einfach zu machen, dass sich keiner mehr für sie interessiert. Er plädiere lediglich für mehr Einstellungsmöglichkeiten, damit jeder, auch beeinträchtigte Menschen, einen Zugang dazu bekommen. Er fordere einen 'Equal Mode', keinen 'Easy Mode'.

Equal Mode: God-of War-Chef für Inklusion

Doch auch seine neueste Erläuterung schmeckt nicht jedem. Gerade von ihm vorgeschlagene Möglichkeiten, mit neuen Einstellungsmöglichkeiten direkt auf das Gameplay einzuwirken, stoßen auf Kritik. "Dann spielt doch ein einfacheres Spiel? 'Git Gud' (etwa: besser werden) ist der Sinn und Zweck von Dark Souls", meint beispielsweise der Twitter-User quentin. Der größte Teil der Kommentatoren aber scheint auf derselben Seite wie Spohn zu stehen, sogar renommierte Entwickler schalteten sich in der Zwischenzeit ein. Cory Barlog etwa, der als Game Director maßgeblich für den Erfolg des PS4-Hits 'God of War' verantwortlich war. Um Zugänglichkeit in seinen Spielen gewährleisten zu können, habe er in künstlerischer Hinsicht niemals einen Kompromiss machen müssen:

God of War ist nicht nur dafür bekannt, ein einfach fabelhaftes Spiel zu sein. Gerade für das zusätzliche Optionen-Menü mit allerhand Einstellungsmöglichkeiten für beeinträchtigte Gamer konnte das Team um Barlog viel Lob einheimsen. Quick-Time-Events, die üblicherweise sehr schnelle Reaktion erfordern, ließen sich damit deutlich entschärfen.

Nur weil es für dich einfach ist, muss es nicht auch für andere einfach sein.

Steve Spohn

Gehörlose freuen sich zudem über zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten für die Untertitel und vieles mehr. Niemandem wird also die Herausforderung genommen, aber mehr Menschen können teilhaben. Dies sind Beispiele für Inklusion, auf die sich sicher die meisten einigen könnten.

Gleichzeitig bedeuten zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten auch immer mehr Aufwand für die Studios - ein Luxus, den sich längst nicht jeder Entwickler leisten kann. Fraglich ist ferner, ob eingangs genannte Titel durch derartige Eingriffe überhaupt merklich zugänglicher für motorisch Benachteiligte würden. Und falls doch, ob sich das Spielgeschehen dadurch nicht für alle grundlegend ändern und Hardcore-Fans somit abschrecken würde. Die Diskussion um einen Easy-Mode in schweren Games dürfte entsprechend auch in Zukunft hitzig geführt werden - Spohns Anstoß, stattdessen über einen 'Equal Mode' nachzudenken, könnte die Debatte aber durchaus in eine differenziertere Richtung lenken.

Hier erfährst du mehr über: PC Gaming

Sag uns deine Meinung!