Vereins- und Verbandsrecht inklusive

Groko und Games: Esports wird offizielle Sportart

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

E-Sport-Clans dürfen sich schon bald ganz offiziell als Verein bezeichnen und somit dieselben Vorzüge genießen, wie jeder andere Sportverein auch. Die potenzielle Regierungskoalition macht dies in einem kurzen Absatz des neuen Koalitionsvertrags mehr als deutlich.

Das wurde aber auch mal Zeit. Viele Wochen nach der Bundestagswahl haben sich die Parteien CDU/CSU und SPD auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt - und die Tages- und Politpresse Europas hält sich in der Mehrheit, das war kaum anders zu erwarten, nicht zurück mit Spott und Häme. Zu viel Stillstand, kaum Neues, in Teilen sogar rückwärtsgewandt: So der Tenor vieler Fachleute und Journalisten. Dazu mag man nun stehen wie man will, die Spielebranche in Deutschland und insbesondere die hiesige E-Sports-Szene haben aber definitiv Grund zum Feiern.

E-Sport mit Vereins- und Verbandsrecht

Denn nachdem bereits am Montag ein vorläufiges Koalitionspapier leise Hoffnungen bei E-Sport-Profis weckte, macht der nun veröffentliche Koalitionsvertrag (herunterzuladen zum Beispiel auf dieser Webseite) auf Seite 48 klipp und klar deutlich: "Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen." Sogar von einer "olympischen Perspektive" ist dort die Rede.

Das ist eine ziemlich deutliche Ansage, die der Koalition eigentlich kaum Raum für Verschiebungen, Relativierungen oder sonstige Ausreden lässt. Kein "wir prüfen", kein "wir wollen untersuchen, ob" oder ähnliche Formulierungen, wie man sie sonst oft aus der Politik hört. Eine offizielle Anerkennung als Sport würde E-Sport-Clans unter anderem für finanzielle Leistungen aus diversen Fördertöpfen qualifizieren - und den Profis endlich die langersehnte gesellschaftliche Anerkennung zu Teil werden lassen.

E-Sport: Verdiente Anerkennung nach zwei Jahrzehnten

Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr noch erleben, was für deutsche E-Sportlerinnen und E-Sportler für über 20 Jahre ein Traum blieb.

Hans Jagnow, ESBD

Die Szene freut das erwartungsgemäß, in einem sechsteiligen Tweet schreibt zum Beispiel der Präsident des E-Sport-Bund Deutschland Hans Jagnow (ESBD): "Die Effekte für die deutsche E-Sport-Szene werden tiefgreifend sein." Es komme jetzt nur noch auf die Umsetzung an, "die den eigenständigen sportlichen Charakter des E-Sports respektiert."

Die neue Regierung reagiert mit dem deutlichen Bekenntnis auf den zunehmenden öffentlichen Druck. Sowohl die Spielerschaft, als auch Verbände und einzelne Politiker fordern diesen Schritt schon seit Langem. Wann die Regierungskoalition die Vorhaben in die Tat umsetzt - vor der Brust haben die Damen und Herren ja so einiges - ist aber alles andere als absehbar. Jagow hält mit seinem Optimismus aber nicht hinter dem Berg: "Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr noch erleben, was für deutsche E-Sportlerinnen und E-Sportler für über 20 Jahre ein Traum blieb: die politische, rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung als Sportart."

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