Populistische Schreihälse widerlegen

"Killerspiele machen dumm und brutal!!!"- Blödsinn, sagen diese Studien

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Computerspiele machen nicht gewalttätig. Was die meisten von uns längst wissen, ist jetzt durch eine aktuelle Studie erneut nachgewiesen worden. Trotzdem: "Killerspiele" werden immer noch gern zum Sündenbock stilisiert. Damit ihr in den ermüdenden Diskussionen Fakten auf den Tisch legen könnt, haben wir für euch einige Fachartikel hervorgekramt, die mit dem Vorurteil aufräumen.

Jeder, der in seiner Freizeit oft und gerne Computerspiele spielt, kennt die Vorurteile: "Ist das brutal - ist doch klar, dass dich das aggressiv macht." Oder: "Früher gab es so etwas nicht. Kein Wunder, dass Jugendliche immer brutaler werden." Seriöse Quellen, wie die kürzlich erschienene Studie der Medizinischen Hochschule Hannover, werden dabei meist geflissentlich ignoriert. Oft winkt man in solchen Situationen deshalb nur ab, der Klügere gibt schließlich nach. Hin und wieder lässt man sich aber auch auf ein Streitgespräch ein, an dessen Ende leider kaum jemand schlauer ist. Und mit dem nahenden Release von 'Wolfenstein 2: The New Colossus' im Oktober wird das Thema "Killerspiele" sicher wieder verstärkt die Gemüter erhitzen - vermutlich befeuert durch sensationsheischende Berichterstattung.

'Killerspiele': An allem Schuld?

Denn in den Medien spielt sich meist der Gipfel der Geschmacklosigkeit ab: In schöner Regelmäßigkeit werden Tragödien wie die Amokläufe von Erfurt oder Winnenden instrumentalisiert, um gegen die Spiele-Industrie und Spieler Stimmung zu machen. Bisheriger trauriger Höhepunkt war die öffentliche Zurschaustellung der Entsorgung diverser Games in großen Abfalltonnen im Jahr 2009, die nicht wenige an die Verbrennung gewisser anderer Medien um 1933 in diesem Land erinnert haben - und fassungslos zurückließen.

Die an sich naheliegende Frage nach dem Kausalzusammenhang zwischen dem Konsum von Games und der Ausübung tatsächlicher Gewalt wird paradoxerweise nur selten gestellt. Was wirklich dazu führt, dass Jugendliche zu Amokläufern werden, scheint kaum jemanden zu interessieren, solange ein Sündenbock den Kopf dafür hinhalten kann. Ein marodes Bildungssystem mit überforderten Lehrkräften? Soziale Isolation und Zukunftsängste? Familieninterne Spannungen durch die zunehmende Prekarisierung der Arbeitswelt? Viel zu komplex, zu diffus, und zu kompliziert für eine Schlagzeile. Und solche Thesen eignen sich nicht annähernd so gut wie das catchy Unwort 'Killerspiel', um unreflektiert mit dem Finger darauf zu zeigen.

Wissenschaft gibt Entwarnung

Zum Glück gibt es aber noch Wissenschaftler, die sich dem Thema mit kühlem Kopf nähern. Und einige können in ihren Veröffentlichungen tatsächlich einen - wenn auch nur bedingten - Zusammenhang zwischen digitaler und echter Gewalt herstellen. Das Gros der veröffentlichten seriösen Studien aber kommt zu dem Ergebnis, dass aggressives Verhalten im Alltag und Videospielballerei zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind. Im Folgenden geben wir euch deshalb eine kleine Auswahl an Veröffentlichungen an die Hand, um oben genannte Diskussionen im Freundes- und Verwandtenkreis elegant mit Fakten zu ersticken.

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