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Looten ja, zahlen nein: CD Projekt Red schürt Hoffnungen für Cyberpunk 2077

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

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von Benjamin Krämer -

Das Thema Lootboxen war der Aufreger schlechthin im vergangenen Jahr. Im Auge des Shitstorms: Publisher Electronic Arts, so etwas wie das böse Imperium der Spieleindustrie. Doch es geht auch anders. Entwickler CD Projekt Red aus Polen hat mit 'The Witcher 3' gezeigt, wie es auch geht. Ihr neues Rollenspiel 'Cyberpunk 2077' soll ihre 'einmal zahlen, immer spielen' Politik fortsetzen.

Ach, was war das doch für ein Spielejahr 2017. Zuerst die große Vorfreude auf Battlefront 2, da ich immerhin großer Star Wars Fan bin, und dann der Schubser ins kalte Wasser, als die Lootbox-Mechanik bekannt wurde. Fortan bestimmten keine immer neuen Meldungen von Verkaufsrekorden und Traumgrafik die Spieleportale, sondern vielmehr die Diskussion über das unsägliche Pay2Win-Debakel, das Electronic Arts einmal mehr losgetreten hatte. Das Logo des Unternehmens aus Kalifornien wurde sogar schon in den Neunzigerjahren in Ultima 7 als Symbol für das Böse schlechthin verewigt. Mikrotransaktionen und unfaire Bezahlmodelle hat der Branchenriese allerdings nicht etwa abgeschafft, sondern mit Battlefront 2 derart auf die Spitze getrieben, dass der losgetretene Shitstorm nicht bloß Hardcore Gamer erfasste, sondern auch die breite, sonst eher stumme, Spielergemeinde.

CD Projekt Red bleibt das gallische Dorf der Spieleindustrie

DLCs sind für uns kostenlose Verbesserungen eines Hauptspiels. Bei Free2Play-Titeln dürfen DLCs etwas kosten, aber nur da - sagt Studiogründer Marcin Iwiński

Dieses Vorgehen einer andauernden Monetarisierung eines Titels in Form kostenpflichtiger DLCs, besagten Mikrotransaktionen und teuren Komfortmöglichkeiten, haben mittlerweile so gut wie alle Publisher übernommen. Selbst Activision Blizzard und Ubisoft sind nicht mehr frei davon. Doch in diesen Zeiten gibt es, ähnlich wie bei Asterix und Obelix, noch ein kleines Dorf, das Widerstand leistet und zu so etwas wie dem feuchten Traum der alteingesessenen Spielergemeinde geworden ist: Das polnische Studio 'CD Project Red'. Bestes Beispiel dafür ist 'The Witcher 3', der bisher erfolgreichste Titel des Entwicklers. Das Spiel wurde trotz fehlender Mikrotransaktionen (von zwei sehr umfangreichen Add-ons abgesehen) zum Megahit und dominiert noch immer die Charts auf Steam.

Einmal zahlen, alles bekommen - noch immer ein Erfolgsrezept

CD Projekt Red hat damit bewiesen, dass der Markt für den klassischen Vertrieb von Videospielen - nur einmal bezahlen und den kompletten Umfang des Spiels erhalten - noch immer funktioniert. Als die Polen kürzlich ankündigten, dass ihr neues Spiel 'Cyberpunk 2077' Online-Elemente enthalten wird, machte sich ihre große Fangemeinde Sorgen, dass nun auch die letzte Bastion der Oldschool-Entwickler gierig geworden sein könnte. Doch Studiogründer Marcin Iwiński beschwichtigt: "Unser Standpunkt ist recht einfach und lässt sich an unseren bisherigen Veröffentlichungen, wie erst kürzlich The Witcher 3: Wild Hunt und Gwent, ablesen: Wenn du einen Vollpreistitel kaufst, solltest du ein großes, geschliffenes Spiel bekommen, das dir viele Stunden Spielspaß liefert."

CD Projekt Red bleibt unabhängig

Cyberpunk 2077 Konzeptzeichnung

Das Setting von Cyberpunk 2077 bedient sich einer düsteren, urbanen Science-Fiction-Stadt, ähnlich wie bei Blade Runner und Shadowrun und schaut sich dort einige Designs ab.  

Quelle: (CD Projekt Red)  cdprojektred.com 

Cyberpunk 2077 Konzeptzeichnung

Das Setting von Cyberpunk 2077 bedient sich einer düsteren, urbanen Science-Fiction-Stadt, ähnlich wie bei Blade Runner und Shadowrun und schaut sich dort einige Designs ab.  

Quelle: (CD Projekt Red)  cdprojektred.com 

Das ist Balsam auf die leidgeplagten Seelen heutiger Gamer, die mit immer dreisteren Preisentscheidungen großer Publisher leben müssen. So forderte erst kürzlich Sega von Käufern seines Hits 'Warhammer: Total War' satte 17,99 Euro für das Freischalten des Volkes 'Chaos', obwohl dies ein integraler Bestandteil der Warhammer-Welt ist. Dass die Aussage von Iwiński ernst genommen werden darf, zeigt sein Studio: CD Projekt Red ist bis heute unabhängig geblieben, ist Entwickler und Publisher in einem und finanziell gut aufgestellt. Seine Spiele sind absolute Longseller, es gibt 450 Beschäftigte und man betreibt die erfolgreiche Distributionsplattform 'GOG.com'.

Cyberpunk 2077 folgt der Tradition von The Witcher

Jetzt kommt also bald Cyberpunk 2077, ein weiterer potenzieller Rollenspiel-Koloss, der zwar Online-Elemente enthalten soll, aber ansonsten der bisherigen Tradition eines Single-Player-Titels folgt. Wörtlich sagte Marcin Iwiński in Bezug auf Spielzeit und Monetarisierung, man wolle sich an The Witcher 3 orientieren: "Die Definition von 'vielen Spielstunden' variiert natürlich, doch in unserem Fall ging es immer um 50-60 Stunden Hauptstory und bis zu mehreren hundert Stunden Nebenquests, wenn Spieler das Maximum aus unserem Spiel herausholen wollen. Für mich ist das ein fairer Deal. Du bekommst, wofür du bezahlt hast und zusätzlich geben wir uns immer Mühe, noch mehr als das zu liefern. Es gibt keine bessere PR als zufriedene Spieler, die deinen Titel weiterempfehlen.

Release für Cyberpunk 2077 wahrscheinlich erst 2019

Das Spiel, das einem ähnlichen Setting wie das populäre Pen&Paper-Rollenspiel 'Shadowrun' folgen wird, wirft den Spieler in die dystopische Open-World-Metropole 'Night City', in der er sich gegen finstere Schurken und düstere Kartelle wehren muss. Der spielbare Charakter soll sich Cyberpunk-typisch mit Implantaten aufrüsten und so im Laufe der Handlung kontinuierlich verbessern können. Eine spannende Designentscheidung ist außerdem, dass es NPCs geben wird, die andere Sprachen sprechen, die erst verstanden werden können, wenn entsprechende Upgrades gekauft wurden - natürlich mit erspielbarer Ingame-Währung, die sich nicht für Echtgeld kaufen lässt. Basieren soll das Spiel auf der recht unbekannten und vergleichsweise wenig beachteten Pen&Paper-Vorlage mit dem Titel 'Cyberpunk 2020' von Mike Pondsmith.

Einen ersten Teaser-Trailer mit beeindruckender Rendergrafik und stimmungsvollen Sets findet ihr hier:

Quelle: PC Gamer

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