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Uncharted: Nathan Drake hat nur Glück

Mehr Glück als Verstand: Sind unsere Games-Helden doch nur Weicheier?

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Nathan Drake, Action-Held aus der berühmten 'Uncharted-Reihe', verträgt eigentlich nichts und ist nur ein Glückspilz. Aus den Reihen des Entwicklerteams ist dies jetzt an die Öffentlichkeit getragen worden. Das ist in diesem speziellen Fall zwar sympathisch, aber es wirft unweigerlich auch die Frage auf: Sind alle unsere Videospiel-Helden verkappte Weicheier?

Lassen wir mal Klassiker wie 'Super Mario Bros.' außer Acht: In aller Regel halten unsere Videospiel-Helden jede Menge aus. In 'Doom' stecken wir ganze Breitseiten von technisch aufgemotzten Dämonen weg und auch in Red Dead Redemption 2 werden wir wohl erneut allenfalls mit der Wimper zucken, wenn uns mal wieder eine Revolver-Salve trifft. Doch was, wenn das gar nicht stimmt? Was, wenn Spieler weltweit einem Trugschluss aufgesessen sind?

Nathan Drakes Lebensbalken ist eigentlich ein Glück-o-Meter

Wie jetzt von höchst offizieller Stelle fast schon beiläufig bekannt gegeben wurde, verträgt der 'Uncharted'-Protagonist Nathan Drake nämlich nichts. Jonathan Cooper, Animator bei Entwickler Naughty Dog, verrät auf Twitter: Das kurze rote Aufleuchten eures Bildschirms während eines Feuergefechts soll nur visualisieren, dass euch um Haaresbreite ein Schuss verfehlt hat. Weitergesponnen bedeutet das, dass Nathan Drake gar keinen Lebensbalken besitzt. Die abnehmende Anzeige ist viel mehr eine Art Glück-o-Meter - ist sie aufgebraucht, habt ihr euer Glück überstrapaziert und eine Kugel trifft und tötet euch schließlich.

Bestätigt wird die kühne Behauptung noch im selben Threat von Amy Hennig, ihres Zeichens Creative Director der ersten drei Uncharted-Games. Mit dieser Herangehensweise haben sich die Entwickler an den Filmvorlagen orientieren wollen - eine Hommage sozusagen an Indiana Jones und Co., die aus Feuergefechten ja bekanntlich auch meist unversehrt als Sieger hervorgehen.

Entwarnung: brachiale Helden bleiben brachial

Also: Bedeutet das, dass alle Videospiel-Recken eigentlich Weicheier mit unverhältnismäßig viel Glück sind? Vermutlich nicht. Im Falle von "Lucky Drake" handelt es sich um eine bewusste Design-Entscheidung, die anscheinend offen unter den beteiligten Entwicklern kommuniziert wurde. 'Ludonarrative Consonance' nennt Jonathan Cooper das Phänomen, das dadurch erzeugt wird: Die Charaktere verhalten sich auch in der vom Spieler gesteuerten Action nicht anders (in diesem Fall: nicht unverwundbar), als sie in Zwischensequenzen dargestellt und durch die Erzählweise gezeichnet werden.

Vor diesem Hintergrund ist es schwer vorstellbar, dass beispielsweise der brachiale 'Doomguy' bewusst als verletzlicher Hänfling konzipiert wurde, der einfach nur Schwein hat - oder ausschließlich gegen amateurhaft feuernde Dämonen ins Feld zieht. Auch in vielen anderen Spielen werden direkte Treffer ziemlich deutlich als solche angezeigt, man denke nur an Shooter wie die aus der 'Call of Duty'-Reihe. Sympathisch ist der Glückspilz-Ansatz aus Uncharted aber in jedem Fall, wie wir finden. Umso unverständlicher, dass dem Spieler dieses Detail bisher vorenthalten wurde.

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