Kein Wort über lasches Waffengesetz

Nach Highschool-Massaker: US-Republikaner drischt auf Videospiele ein

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Der Amoklauf am Mittwoch, bei dem 17 Schüler ums Leben kamen, ruft offenbar erneut Populisten auf den Plan. In einer Radiosendung hat sich Kentuckys Gouverneur Matt Bevin nur einen Tag nach der Tragödie nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als er Videospielen und der Games-Industrie die Schuld an diesen und ähnlichen Ereignissen in die Schuhe schob.

"Gewalt in Videospielen führt zu Gewalt im echten Leben. Kein Wunder, dass immer mehr Jugendliche durchdrehen, zur Waffe greifen und reihenweise Menschen erschießen." Diese oder ähnliche Verallgemeinerungen sind hanebüchen, tatsächlich werden sie aber immer mal wieder aus der Mottenkiste geholt, sobald ein Unglück passiert und nach einem Schuldigen gesucht wird. Komplizierte Problematik, vermeintlich einfache Lösung. Der klassische Sündenbock. Dabei ist mittlerweile hinreichend belegt, dass "Killerspiele" aus normalen Menschen keinesfalls brutale Tötungsmaschinen machen. Einige, wie diese in der Washington Post veröffentlichte Untersuchung, finden sogar einen umgekehrten Zusammenhang.

Videospiele sind Müll, so wie Pornographie

Für Kentuckys Gouverneur Matt Bevin sind Videospiele und Pornos eine Ursache für die immer häufiger auftretenden Amokläufe.  

Quelle: (Matt Bevin)  Twitter 

Für Kentuckys Gouverneur Matt Bevin sind Videospiele und Pornos eine Ursache für die immer häufiger auftretenden Amokläufe.  

Quelle: (Matt Bevin)  Twitter 

Trotzdem sind sich auch viele Politiker nicht zu schade, sich mit billiger Polemik und Stimmungsmache auf dem Rücken der Spieleindustrie zu profilieren. Und nach dem Massaker in einer US-High-School am vergangenen Mittwoch, in dessen Verlauf 17 Leben ausgelöscht worden waren, war es - leider wenig überraschend - mal wieder so weit.

"Es ist Müll, genauso wie Pornographie", polterte Kentuckys Gouverneur Matt Bevin über das Lieblingshobby von Millionen Spielern in einem Radio-Interview am Donnerstag, bei dem das Technik-Magazin Ars Technica eingeschaltet hatte.

Thema der Sendung sei besagter Amoklauf, für den der Republikaner vor allem bei Jugendlichen immer populärer werdende Videospiele verantwortlich macht. "Warum brauchen wir ein Videospiel, das Menschen ermutigt, Leute zu töten?", fragte er. Auch TV-Sendungen und Filme bezeichnete er als Ursachen für den moralischen Verfall der Jugendlichen, die dadurch immer öfter zur Waffe greifen würden.

Waffen an der Schule waren früher normal

Eine Verbindung zu den lächerlich laschen Waffengesetzen in den Staaten zog er kein einziges Mal. Dass es einem damals 18-jährigen, labilen Jungen ohne Weiteres möglich war, ein halbautomatisches Sturmgewehr in einem Waffengeschäft zu erwerben, ist anscheinend das kleinere Problem - wenn überhaupt. Stattdessen förderte er eine völlig abstruse Anekdote aus seiner eigenen Jugend zu Tage: Zu seiner Zeit hätten Kinder nach Weihnachten regelmäßig Waffen mit in die Schule gebracht. Veränderungen in der Gesellschaft hätten dazu geführt, dass die Schüler jetzt anfingen, diese auch zu benutzen.

Zu hoffen bleibt, dass diese Episode nur ein einmaliger Ausrutscher eines verbissenen Konservativen war, und sich der Problematik dieses Mal mit Vernunft genähert wird. Der Amoklauf am Mittwoch war der neueste von über einem Dutzend dieser Art allein im noch jungen 2018.

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