Dauerzocken mit GTA 5 und Die Sims 3 ohne Befund

Neue Studie zeigt erstmals Langzeiteffekte von Videospielen

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Deutsche Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass Videospiele auch auf lange Sicht keinerlei aggressives Verhalten fördern. Die Studienteilnehmer hatten für die Untersuchung über Wochen hinweg intensiv 'GTA 5' und 'Die Sims 3' spielen müssen.

Auf der verzweifelten Suche nach einem Sündenbock für das Schulmassaker in Florida, bei dem 17 Menschen ums Leben gekommen waren, hatten konservative US-Politiker und nicht zuletzt Präsident Donald Trump erneut ein uraltes Vorurteil aus der Mottenkiste geholt: "Videospiele sind an allem Schuld." Das ist sicher einfacher, als sich mit der Waffenlobby anzulegen. Nur zielführend ist es nicht und das Problem löst es schon gar nicht. Das beweist jetzt ein deutsches Wissenschaftler-Team.

Erste Langzeituntersuchung widerlegt Zusammenhang zwischen Games und Gewalt

"Wir kommen zu dem Schluss, dass gewalttätige Videospiele keine schädlichen Auswirkungen haben", heißt es klipp und klar im Fazit der Studie, die die Forscher im Fachmagazin Nature veröffentlicht haben. Den Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf war es nach eigenen Aussagen besonders wichtig, Langzeiteffekte von Videospielen auf das Verhalten von Spielern zu untersuchen.

Bisherige Studien mit positiven Befunden hätten fast ausschließlich kürzere Zeiträume betrachtet. Einzelne Teilnehmer hätten dann zwar aggressiveres Verhalten gezeigt, von diesem aber spätestens 15 Minuten nach Ende des Spiels abgelassen. Jeder, der schon mal ein knappes Online-Match (oder im Übrigen einen x-beliebigen anderen Wettbewerb) verloren hat, wird das intuitiv nachvollziehen können.

Dauerzocken: GTA 5 und Sims 3 ohne Auswirkung

Vorgegangen sind die Forscher um Simone Kühn deshalb erstmals mit einem Versuchs-Aufbau, bei dem zwei Gruppen von Testpersonen jeweils zwei Monate intensiv entweder 'GTA 5' oder 'Die Sims 3' spielen mussten. Niemand davon habe diese Spiele - eines mit viel simulierter Gewalt, das andere harmlos - vor dem Experiment gekannt. Eine weitere Gruppe habe keinerlei Games gespielt und diente als Kontrollgruppe. Vorab und direkt im Anschluss daran mussten alle Teilnehmer umfangreiche Tests absolvieren und Fragebögen ausfüllen. Außerdem - und das ist ebenfalls neu - habe es zwei Monate nach dem Experiment eine erneute Feedback-Runde gegeben.

Die Forscher dürften nicht schlecht gestaunt haben.

Als die Forscher die Ergebnisse aus den 208 vollständigen Testunterlagen ausgewertet hatten, dürften sie nicht schlecht gestaunt haben: Fast alle Probanden hätten sich bei allen drei Testrunden gleich verhalten, nur drei davon hätten auffällige Veränderungen in Sachen Aggressivität angezeigt.

Das sei sogar weniger als die Hälfte der von den Wissenschaftlern erwarteten zufälligen Abweichung von zehn Probanden gewesen. "Die Resultate zeigen starke Beweise gegen die derzeit vieldiskutierten negativen Effekte gewalttätiger Videospiele", so die Forschergruppe um Simone Kühn. Dass genau diese Diskussion nach dem nächsten Unglück an einer Schule trotzdem wieder aufkommt, davon ist aber wohl trotzdem auszugehen. Ist schließlich so schön einfach.

Quelle: Nature, via GameStar

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