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Gefährlicher Spaß

Pokémon Go am Steuer: Tote und Schäden in Milliardenhöhe

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von Michael Springer -

Wer betrunken Auto fährt, riskiert Tote und schwere Unfälle – jeder weiß das. Dass es nicht weniger gefährlich ist, das Smartphone am Steuer zu benutzen, ist allerdings noch längst nicht in allen Köpfen angekommen. Eine amerikanische Studie führt nun die Schäden auf, die allein durch Pokémon Go spielende Autofahrer entstanden sind.

Letzten Sommer wurde die Welt vom Pokémon-Go-Fieber erfasst: In Parks, Cafés und auf anderen öffentlichen Plätzen tummelten sich die Spieler auf der Suche nach immer mehr Pokémon. Bei Spielern besonders beliebte Treffpunkte waren und sind die speziellen PokéStops: Hier gibt es wertvolle Items zu ergattern, und zwar kostenlos. Weil diese Stationen allerdings rar gesät sind, haben einige Spieler jede Gelegenheit genutzt, um die begehrten Gegenstände abzugreifen – selbst wenn sie nur mit dem Auto an ihnen vorbeigefahren sind. In zahlreichen Fällen erwies sich das als schlechte Idee: Bei Unfällen gab es Verletzte, erhebliche Sachschäden und sogar Tote.

Pokémon Go: Unfälle in der Nähe von Pokéstops

Zwei Forscher von der US-amerikanischen Purdue University haben das Problem nun genauer unter die Lupe genommen. Sie werteten dazu alle Polizeiberichte zu Verkehrsunfällen im County (Landkreis) Tippecanoe, Indiana im Zeitraum vom März 2015 bis November 2016 aus. In den letzten 148 Tagen des Untersuchungszeitraums stand Pokémon Go für Smartphones zum Download bereit (das Spiel erschien im Juli 2016). Die Wissenschaftler verglichen daher die Unfallzahlen aus der Zeit des Pokémon-Go-Hypes mit denen, die vor dem Erscheinen des Mobile Games entstanden sind.

Viel mehr Unfälle als in der Zeit vor Pokémon Go

Um eine Verbindung zu Pokémon Go herstellen zu können, fokussierten sie Unfälle, die sich in unmittelbarer Umgebung von Pokéstops und sogenannten Arenen ereigneten. Die Zahlen waren eindeutig: In der Nähe von Pokéstops konnten sie gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2015 – wo es noch kein Pokémon Go gab – einen deutlichen Anstieg der Unfallzahlen feststellen, zwei Menschen starben. In der Nähe von Pokémon-Go-Arenen hingegen, die anders als die Pokéstops nicht aus einem fahrenden Auto heraus "genutzt" werden konnten, lies sich kein Anstieg feststellen. Das vorbeifahrende "Einchecken" in den Pokéstops wurde offenbar zur Gefahr für die Spieler selbst und Unbeteiligte.

Pokémon Go: Potentielle Schäden belaufen sich auf mehrere Milliarden Dollar

Für die Unfälle im Umkreis der Pokéstops haben die Forscher eine Schadenssumme in Höhe von 5,2 Mio. bis 25,5 Mio. Dollar kalkuliert – allein im Tippecanoe County, das nicht einmal 200.000 Einwohner beherbergt. Hochgerechnet auf die gesamten Vereinigten Staaten ergeben sich daraus Schäden von 2 Mrd. bis 7,3 Mrd. Dollar, so die Wissenschaftler. Zugegeben: Die Spanne dieser Schätzungen ist hoch. Dennoch zeigen sie die düstere Seite von Pokémon Go.

Lieber genervte als verletzte oder tote Fans

Entwickler Niantic hat unterdessen längst reagiert: Schon seit Ende 2016 lässt sich Pokémon Go nur noch bei Schritttempo spielen. Das ist zwar schade für alle, die das Spiel etwa im Bus oder als Beifahrer spielten, aber auch sicherer für alle. Lieber genervte als verletzte oder tote Fans.

Quelle: Studie der Purdue University

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