Wissenschaft ahoi!

Sea Hero Quest spielen und Alzheimer bekämpfen

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Spielerdaten aus dem Mobile-Game 'Sea Hero Quest' haben nach Entwicklerangaben schon für einige Durchbrüche auf dem Gebiet der Demenz-Forschung gesorgt und mehr als 120 Jahre Laborzeit eingespart. Warum ihr unbedingt an Bord hüpfen solltet, erfahrt ihr im Test.

Zwei Minuten spielen und damit die Alzheimer-Forschung fünf Stunden voranbringen: Mit dem Android- und iOS-Game 'Sea Hero Quest' hatten sich die Deutsche Telekom und Entwickler 'Glitchers'' vergangenes Jahr einiges vorgenommen. Und wie es scheint, sind die Entwickler auf Kurs: In Kürze werden die Spieler des Orientierungsspiels die magische Grenze von 1.000 Monaten an Spielzeit überschreiten. Höchste Zeit für uns, nochmal in das Seemannsabenteuer abzutauchen.

Sea Hero Quest: Charmante Grafik und moderater Anspruch

Als Kapitän eures eigenen kleinen Schiffes wagt ihr euch in 'Sea Hero Quest' in unbekannt Gewässer, um die verloren gegangenen Logbuchseiten eures dementen Vaters wieder aufzutreiben. Dafür bewegt ihr euch mit eurem Boot per einfacher Touchsteuerung durch immer komplizierter werdende Wasserlabyrinthe, feuert Leuchtraketen in die hoffentlich korrekte Richtung ab und fotografiert Seeungeheuer.

Sea Hero Quest

Schon die zweite der fünf Welten wirkt dank Karibik-Feeling deutlich einladender als die vereiste erste Welt.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Je weiter ihr kommt,desto mehr vervollständigt sich euer Logbuch. Um die Forscher besser zu unterstützen, könnt ihr hier außerdem weitere Fragen zu eurer Person beantworten.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Je mehr Sterne ihr sammelt, desto mehr Lackierungen, Flaggen und Dekorationen für euer Boot schaltet ihr frei.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Die vor dem Level eingeblendeten Karten merkt ihr euch besser, sonst irrt ihr nur orientierungslos übers Meer und verliert wertvolle Sekunden.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Die Datenübertragung könnt ihr auch komplett deaktivieren - wenn ihr den Forschern helfen wollt, solltet ihr das Häkchen aber nicht anrühren.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Schon die zweite der fünf Welten wirkt dank Karibik-Feeling deutlich einladender als die vereiste erste Welt.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Je weiter ihr kommt,desto mehr vervollständigt sich euer Logbuch. Um die Forscher besser zu unterstützen, könnt ihr hier außerdem weitere Fragen zu eurer Person beantworten.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Je mehr Sterne ihr sammelt, desto mehr Lackierungen, Flaggen und Dekorationen für euer Boot schaltet ihr frei.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Die vor dem Level eingeblendeten Karten merkt ihr euch besser, sonst irrt ihr nur orientierungslos übers Meer und verliert wertvolle Sekunden.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Sea Hero Quest

Die Datenübertragung könnt ihr auch komplett deaktivieren - wenn ihr den Forschern helfen wollt, solltet ihr das Häkchen aber nicht anrühren.

(Glitchers / Deutsche Telekom) 

Während letztgenannte Aufgabe vornehmlich eure Reaktionsfähigkeit testet, wird in den beiden ersten euer Erinnerungs- und Orientierungsvermögen auf den Prüfstand gestellt: Eine Übersichtskarte, inklusive drei in korrekter Reihenfolge abzufahrender Bojen, erscheint nur zu Anfang des Levels, eine Minimap gibt es nicht. Je nach dem, wie schnell ihr daraufhin den Level abgeschlossen habt, bekommt ihr zur Belohnung Sterne, mit denen ihr optische Verbesserungen für euer Boot kaufen könnt.

Insgesamt warten fünf umfangreiche Welten auf euch, die sich zumindest optisch angenehm voneinander unterscheiden. Überhaupt macht Sea Hero Quest grafisch eine ziemlich gute Figur und lief auf unserem halbwegs aktuellen iPod Air problemlos und flüssig. Das Spielprinzip als solches ist dabei schnell durchschaut und entsprechend nur bedingt herausfordernd. Umso bestechender ist die Idee hinter der App, die für regelmäßige Motivationsschübe sorgt.

Spieler ersparen Forschern über 120 Jahre im Labor

Alles, was ihr im Spiel erreicht, wird zusammen mit einigen demografischen Daten an das University College London und die University of East Anglia gesendet. Je mehr Infos ihr über euch preisgebt - etwa mit welcher Hand ihr schreibt oder wie alt ihr seid - desto mehr können die Mediziner mit euren Spielfortschritten anfangen. Optional kann die Datenübertragung auch komplett über die Einstellungen deaktiviert werden. Wer helfen will, belässt es aber bei den Werkseinstellungen.

Nach eigenen Angaben haben die über 2 Millionen Spieler der App den Forschern bereits jetzt eine Laborzeit von über 120 Jahrhunderten (!) erspart und so bereits neue Erkenntnisse bezüglich des unterschiedlichen Orientierungsverhaltens von Männern und Frauen in verschiedenen Ländern ermöglicht. Auf Grundlage der Spieldaten wollen die Forscher außerdem immer präzisere Diagnosegeräte entwickeln, und auch eine App speziell für Patienten sei bereits in der Entwicklung. Herunterladen könnt ihr Sea Hero Quest kostenlos im Google Play Store und im App Store.

(@hardtboiled)
Durchspielen gegen die Demenz

Eines vorweg: Rein zu Unterhaltungszwecken würde ich 'Sea Hero Quest' nicht spielen. Dafür macht es - trotz der wirklich hübschen Grafik - schlicht zu wenig Spaß, ist zu anspruchslos und abwechslungsarm. Trotzdem habe ich mich bis fast zum Ende vorgeschippert. Warum? Ganz einfach: Weil es unheimlich befriedigend ist, sich mit durchaus kurzweiligen Mitteln bedeutend an der Bekämpfung einer schlimmen Krankheit zu beteiligen.

Das regelmäßige Feedback darüber, wie viele Stunden Laborarbeit man den Forschern durch wenige Minuten Spielzeit erspart hat, motiviert dabei weit mehr, als der x-te freigespielte Skin für meinen Kahn. Wer heute noch eine gute Tat offen hat und sich nebenbei noch ein wenig amüsieren will, heuert an und segelt los.

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