Geschlechter in Games zunehmend gleichberechtigt

"Sexy, stark und sekundär": Studie belegt abnehmenden Sexismus in Games

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Der Sexismus in Games nimmt ab: Wie eine umfangreiche Studie jetzt belegt, werden weibliche Figuren in Spielen heute immer weniger auf ihre äußerlichen Reize reduziert, sondern vielmehr als ernst zu nehmende, vielschichtige Charaktere geschrieben. Der Grund: Die Industrie entdeckt weibliche Zocker mehr und mehr als Zielgruppe für sich.

Diagramm betr. der Sexualisierung in Games über die Zeit

Mit erscheinen des ersten Tomb Raider in 1996 wurden weibliche Rollen zunehmend sexualisiert. Seit einigen Jahren ist der Trend aber glücklicherweise rückläufig.  

Quelle: (Teresa Lynch)  psych.org / India University 

Diagramm betr. der Sexualisierung in Games über die Zeit

Mit erscheinen des ersten Tomb Raider in 1996 wurden weibliche Rollen zunehmend sexualisiert. Seit einigen Jahren ist der Trend aber glücklicherweise rückläufig.  

Quelle: (Teresa Lynch)  psych.org / India University 

Sexismus-Welle nach Tomb Raider

Weibliche Charaktere in Video- und Computerspielen werden mittlerweile immer weniger auf die optischen Vorzüge ihrer virtuellen Körper reduziert. Vielmehr nehmen weibliche Figuren für die Story heute immer zentralere Rollen ein und erhalten vielschichtigere Persönlichkeiten und komplexere Hintergrundgeschichten. Diese erfreuliche Entwicklung belegt eine aktuelle, groß angelegte Studie der Indiana University. Doch dies war nicht immer so.

Wie Phys.org berichtet, haben die Forscher für ihre Untersuchung 571 Videospiele der vergangenen 31 Jahre unter die Lupe genommen. Insbesondere nach Erscheinen des ersten Teils der Tomb-Raider-Reihe in 1996 seien viele Spiele erschienen, in denen weibliche Charaktere - sofern sie denn vorkamen - überwiegend auf ihre sexuellen Reize reduziert würden.

Industrie reagiert auf steigende Anzahl von Spielerinnen

"Wir haben aber herausgefunden, dass vor allem in den letzten acht Jahren ein signifikanter Rückgang der Sexualisierung in Spielen stattgefunden hat", freut sich Studienleiterin Teresa Lynch. Untersucht worden sei dabei ausdrücklich nicht, ob weibliche Reize zur Vermarktung des Produktes eingesetzt wurden, sondern inwiefern weibliche Charaktere auch im Vergleich zu ihren männlichen Pendants sinnvoll in den Spiele-Kontext integriert wurden.

*"Wenn wir als männliche Figur in Ganzkörper-Rüstung Seite an Seite mit einem weiblichen Charakter kämpfen, der lediglich einen Bikini trägt, ist es schwer für Frauen, sich nicht als Objekt behandelt zu fühlen."*

Teresa Lynch

Die Trendwende begründen die Forscher mit einer Reaktion der Spieleindustrie auf die stetig wachsende Zahl zockender Frauen. Teresa Lynch erklärt dies so: "Damit Frauen und Mädchen erkennen, dass der Content auch für sie gemacht ist, müssen sie Menschen sehen, die genau wie sie sind." Eine Abkehr vom sexistischen, eindimensionalen Frauenbild sei somit also ganz einfach auch eine sinnvolle wirtschaftliche Entscheidung.

Noch viel Sexismus bei weiblichen Nebenfiguren

Raum für Verbesserungen sehen die Forscher allerdings dennoch. Gerade wenn weibliche Charaktere inhaltlich eine weniger wichtige ("sekundäre") Rolle im Spiel spielen, seien diese auch heute noch häufig kaum mehr als ein Sex-Objekt. "Sie sind nur im Spiel, weil sie ein eye-candy sind", erklärt Lynch lapidar.

Tipp der Redaktion: Wer ein spannendes, wenn auch kurzes Abenteuer mit einem aufgeweckten und toll geschriebenen weiblichen Charakter erleben möchte, dem sei Life is Strange wärmstens ans Herz gelegt. Die erste Episode der PC-Version ist seit Kurzem sogar kostenlos erhältlich. Daran hätten (haben?) sicher auch die Forscher aus Indiana ihre helle Freude gehabt.

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