Indie-Entwickler im Stress

Sind Gamer gemein? Devolver-Gründer beschwert sich über toxische Community

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von Benjamin Krämer -

Der Gründer von 'Devolver Digital' und 'Good Shepherd' Mike Wilson, äußerte sich jetzt gegenüber amerikanischen Kollegen zum Thema Entwicklung von Indiespielen und dem Einfluss der Gamer-Community. Über diese äußerte er sich nicht besonders positiv und vermerkte: "Spieler sind großartig darin, totale Arschlöcher zu sein". Hat er mit seinem Wutausbruch recht?

Indiestudios gelten in der Gaming Industrie als die Robin Hoods unserer Zeit. Sie bieten den raffgierigen Scheriffs der Triple-A-Spiele Paroli und beglücken Gamer im Idealfall mit kreativen (Genre-)Spielen, die keine ausgetretenen Pfade gehen, sondern sich auch abseits des Mainstream-Terrains wagen. Dafür werden sie gefeiert und im Idealfall durch gute Rezensionen, hohe Verkaufszahlen und konstruktives Feedback belohnt. Doch die Gaming-Community ist nicht nur für ihr Interesse an Indiespielen bekannt, sondern auch für ihre 'Toxizität'. Bisweilen möchte man gar meinen, dass ein rauer Umgangston in Spielechats normal ist. Eine Stunde League of Legends oder Dota 2 reichen immerhin aus, um sämtliche Schimpfworte zwischen Paris und Beijing zu lernen. Einzige Voraussetzung für diesen unerwünschten Sprachkurs ist es, den Voice Chat einzuschalten, oder den normalen Text Chat mitzuverfolgen, wenn man einen Fehler gemacht hat, oder einfach nur neu dabei ist.

Entwickler haben es mit ihren Kunden schwer

Als größtes Problem sieht Mike Wilson, dass von Entwicklern heute erwartet wird, mit ihren Kunden in permanentem Kontakt zu stehen - man kann sich nicht zurückziehen.

Für Entwickler ist dieses Problem laut Mike Wilson aber noch ungleich stärker ausgeprägt. Konkret sagte er gegenüber 'gamesindustry.biz': "Die Gaming-Community ist großartig darin, im Internet als totale Arschlöcher aufzutreten [...]. Wenn du einen harten Tag hast und [...] Tausende Leute auf Twitter schreiben, dass du ein Stück Scheiße bist und aufhören solltest zu arbeiten, [...] dann ist das für eine sensible Person ziemlich krass. Ich denke, das ist der Grund dafür, dass es vielen Indies so schlecht geht. Es ist einfach diese Masse an Krach, den ein Mix aus Fans und Monstern online veranstalten. Und es ist egal, ob du zunächst 1.000 großartige Kommentare liest. Es sind immer die zwei, drei Bemerkungen, die sagen, dass du ein komplett wertloses Stück Dreck bist, die in deinem Herzen hängen bleiben, wenn du es gerade am wenigsten gebrauchen kannst."

Wie sich dieses Problem lösen lässt, weiß aber auch Wilson nicht und fürchtet, dass in Zukunft immer mehr Entwickler aus genau diesen Gründen jegliche Kommunikation mit den Spielern ihren PR- und Kommunikationsabteilungen überlassen werden, um sich mit toxischen Kommentaren nicht befassen zu müssen. Das wäre schade. Dass sich die Kultur der Gamer Community ändert, erscheint aber (leider) utopisch. Da hilft es wahrscheinlich nur, sich eine 'Internet-Hornhaut' zuzulegen. Antrainieren kann man sich die ja bei Dota 2 und Co.

Quelle: gamesindustry.biz

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