52-Sekunden-Marke galt als unerreichbar

Speedrunner bricht 15 Jahre alten Rekord und dreht durch

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Ein Speedrunner hat heute den als unknackbar geltenden Rekord für die beste Zeit im ersten Level von 'GoldenEye 007' gebrochen. 15 Jahre lang hatten sich Spieler an der magischen 53-Sekunden-Grenze die Zähne ausgebissen. Entsprechend euphorisch fällt die Reaktion des Rekordjägers aus, der neben jeder Menge Können auch die nötige Schippe Glück ins Feld führte.

GoldenEye 007 für die Nintendo 64 hat mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel. Für hartnäckige Speedrunner - also Gamer, die Spielabschnitte in Rekordzeit abschließen wollen - gilt insbesondere der erste Level des First-Person-Shooters noch heute als eine der Top-Disziplinen. 53 Sekunden war lange Zeit die unübertreffbare Grenze für den Abschluss dieses Gebiets, 15 Jahre lang haben sich Spieler trotz aller möglichen Tricks die Zähne an dem Rekord ausgebissen - bis heute.

Kein Halten mehr nach 52 Sekunden

In dem unten verlinkten Video macht Speedrunner Karl Jobst anfangs noch einen überaus ausgeglichenen Eindruck. Keine Spur von Nervosität oder Anspannung - ein Rekordversuch sieht anders aus. Erst gegen Ende des, wie sich später herausstellte, 52 Sekunden langen Durchmarschs des Levels 'Dam' scheint ihm bewusst zu werden, dass er soeben einen 15 Jahre alten Rekord eingestellt hat. Auf eine zusätzliche Software, die seine Zeit aufnimmt, hat er verzichtet.

Er muss also bis zum Abschluss des Levels warten, bis ihm das Spiel seine Zeit ohne Nachkommastelle anzeigt. Als dort die magische Zahl '00:52' erscheint, gibt es kein Halten mehr: Die übrigen knapp sechseinhalb Minuten des Videos bestehen im Grunde aus emotionalen Ausbrüchen eines etwas neben der Spur wirkenden, frisch gebackenen Rekordhalters. "Oh f**k, oh my god, oh my god", lautet sein erster Kommentar nach gut anderthalb Minuten.

Drei Schüsse in den Rücken sichern den Rekord

Seine überschwängliche Freude ist durchaus berechtigt. Was für den Laien wie ein Spaziergang aussehen mag, ist eigentlich eine fast perfekte Mischung aus Glück und Können. Zum Beispiel wird Jobst drei Mal angeschossen, da die Schüsse ihn aber in die Rückseite treffen, katapultieren sie ihn aber jedes Mal ein kurzes Stück nach vorn, womit er einen Sekundenbruchteil an Zeit einspart. Nach etwa 40 Sekunden durchquert er zudem ein Tor, das sich zufällig im genau richtigen Zeitpunkt geöffnet hatte - hier hatte er also Glück.

Den gesamten Durchgang über blickt der Speedrunner außerdem niemals nach vorn, sondern meist auf den Boden. Dies ist keine aufgeblasene Zurschaustellung seines Könnens, sondern spart Zeit: Das betagte Spiel muss so weniger Bestandteile des Levels berechnen, die Spielfigur bewegt sich dank der in Insiderkreisen als 'Lookdown' bekannten Technik somit nochmals um wenige Sekundenbruchteile schneller. Kurz vor Ende lieferte der Speedrunner aus einer Seitwärtsbewegung heraus (genannt 'Strafing') dann noch einen perfekten Schuss auf das Schloss des letzten Tores ab und besiegelt seinen neuen Rekord.

Quelle: YouTube (via Kotaku)

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