Nachschub für Hobby-Astronauten

Station schickt euch auf die originalgetreu nachgebaute ISS - in VR!

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Wer der Internationalen Raumstation ISS schon immer einen Besuch abstatten wollte, wird dazu in 'Station - an ISS exploration' bald Gelegenheit haben: Ein kleines Entwicklerteam verfrachtet die Forschungseinrichtung derzeit in mühseliger Kleinarbeit in die virtuelle Realität und will sie so für HTC-Vive-Besitzer ins heimische Wohnzimmer holen. Wir fragten die Entwickler nach dem Stand der Dinge.

In etwa 400 Kilometern über der Erdoberfläche umkreist die Internationale Raumstation ISS unseren blauen Planeten - und ist damit unerreichbar für die meisten Erdbewohner. Nur dank Astronauten wie Alexander Gerst, der seine Erlebnisse aus dem Weltraum-Alltag zuletzt regelmäßig mit uns teilte, konnten auch Nicht-Astronauten gelegentlich vereinzelte Eindrücke aus der geheimnisvollen Welt der Weltraumforschung aufschnappen. Den beiden jungen Forschern und Game-Designern Maximilian Furrer und Philipp Beisel hat das offenbar nicht gereicht - weshalb sie die ISS kurzerhand komplett in der virtuellen Realität nachgebaut haben.

Den Innenbereich der ISS haben die Entwickler detailliert nachempfunden.

Einige Interaktionsmöglichkeiten sind bereits implementiert - beispielsweise das Öffnen von Luken und Luftschläusen.

Auch von Außen kann die ISS erkundet werden. Geplant ist außerdem die Möglichkeit für den Spieler, sich per Jetpack fortzubewegen.

Den Innenbereich der ISS haben die Entwickler detailliert nachempfunden.

Einige Interaktionsmöglichkeiten sind bereits implementiert - beispielsweise das Öffnen von Luken und Luftschläusen.

Auch von Außen kann die ISS erkundet werden. Geplant ist außerdem die Möglichkeit für den Spieler, sich per Jetpack fortzubewegen.

Schwerelos und schwindelffrei

"Der erste Impuls war zunächst einfach unser Interesse an der Materie und unser eigener Wunsch, einmal schwerelos zu sein und durchs All zu schweben", berichtet uns Maximilian Furrer. Erst letzte Woche haben er und sein Kollege eine Pre-Alpha-Version von 'Station - an ISS exploration' auf der CeBIT vorführen können. Schon im jetzigen Entwicklungsstadium kann sich der Spieler per HTC Vive fast völlig frei in- und außerhalb der detail- und maßstabsgetreu nachempfundenen Forschungsstation fortbewegen.

Um eine möglichst realistische Erfahrung zu erzeugen und so der berüchtigten 'Motion Sickness', also Schwindel und Übelkeit während einer VR-Sitzung, vorzubeugen, hangelt sich der Spieler in 'Station' mit den Motion Controllern durch die Schwerelosigkeit, indem er sich von Wänden und Griffstangen abstößt. Das somit erforderliche Anspannen von Muskeln und das Ausführen bereits bekannter Bewegungen überbrücke die Diskrepanz zwischen dem Empfinden in der realen und virtuellen Welt.

Große Aufgabe, winziges Team

Verblüffend ist, dass die zwei Entwickler das Projekt quasi zu zweit schultern. Lediglich beim 3D-Modelling sei hin und wieder ein Kommilitone eingesprungen. "Wie wir uns die Aufgaben teilen, ist ganz simpel: Da Philipp Programmierer ist und ich Designer, bleibt jeder in seinem Feld. Er programmiert, ich mache 3D-Modelling und Game Design", erklärt der Entwickler.

Die definitiv größte Herausforderung sei aber die Modellierung der Station und vor allem die im Voraus nötige Recherche gewesen, meint Furrer. Es sei sehr mühsam, Informationen über Maße einzelner Objekte innerhalb der Station zu finden. Selbst die Öffentlichkeitsarbeit von ESA und NASA habe diesbezüglich nur bedingt weiterhelfen können. "Deshalb wühlten wir uns stundenlang durch das Internet, um zuverlässige Quellen zu finden. Gerade bei VR ist das Einhalten der Maße essenziell, da Inkorrektheit sofort auffallen würde", sagt Furrer.

Mehr Interaktivität geplant

Und von der Recherchearbeit einmal abgesehen haben die beiden bis zum Release auch in Sachen Gameplay noch einiges an Arbeit vor sich. So wollen sie dem Spieler ermöglichen, einige Objekte außerhalb der ISS mit entsprechendem Werkzeug zu reparieren oder den elektromechanischen Arm 'Canadarm' zum Einfangen von Fracht fernzusteuern. "Des Weiteren sind ein paar Versuche im US-Labormodul 'Destiny' geplant sowie die Nutzung eines Jetpacks außerhalb der ISS", so Furrer. Kommt das Spiel gut an, sei zudem eine Umsetzung für andere VR-Headsets wie das 'Oculus Rift' wahrscheinlich.

Vertreiben wollen die Entwickler ihr fertiges Spiel über die Gaming-Plattform Steam Ende 2017 für voraussichtlich weniger als 20 Euro. Spätestens Ende April soll 'Station' aber bereits auf dem Evaluierungs-Service für Indie-Entwickler 'Steam Greenlight' (bzw. 'Steam Direct') veröffentlicht werden. Den Trailer gib es schon vorab:

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