Belohnung statt Bestrafung

Troll oder nicht? Overwatch zeigt euch bald, wie nett euer Team ist [Update]

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Spieler-Communities in jedem Bereich haben mit toxischen Mitspielern zu kämpfen. Egal ob League of Legends, Counter-Strike GO, World of Warcraft oder sogar StarCraft 2: Trolle lauern überall und können uns das Spiel mit ihrem Geflame so richtig vermiesen. Activision-Blizzard hat nun einen ganz neuen Weg eingeschlagen, um dem Problem entgegenzuwirken: Der Weg heißt Belohnung statt Bestrafung.

+++(Update 18.07.2018)+++

Das Endorsement-System zeigt Wirkung!

Drei Wochen nach Einführung des Endorsement-Systems zeigt sich, dass Blizzards möglicherweise zukunftsweisende Idee gegen toxische Communities tatsächlich genau das ist: zukunftsweisend. Jeff Kaplan, Chef-Verantwortlicher für Overwatch, verkündete jetzt, dass die Toxizität in den USA seit Einführung um ein Viertel und in Korea um ein Siebtel zurückgegangen sei. Das sind beachtliche Werte, wenn man bedenkt, dass das neue Anti-Troll-Ranking erst wenige Wochen im Einsatz ist und sich die Community erst damit vertraut machen muss.

Konkret habe sich die Anzahl unangemessener Chats in kompetitiven Matches seither um 26,4 Prozent reduziert, in normalen Spielrunden gar um 28,8 Prozent - in den USA, die als relativ trolling- und beleidungsaffin gelten. In Korea liegen die Werte etwas darunter mit je 16,4 und 21,6 Prozent. Kein Wunder also, dass sich Kaplan vom Endorsement-System begeistert zeigt und es weiter verfeinern wird. Mit diesem Erfolg dürfte auch sicher sein, dass andere Spiele bald ähnlich ausgestattet werden dürften - eine gute Nachricht für uns alle.

+++(Ende Update 18.07.2018)+++

Wer kennt es nicht: Man spielt mit Freunden oder Online-Bekanntschaften eine Party seines Lieblingsspiels und irgendein fremdes Team-Mitglied, oder ein Gegenspieler fängt irgendwann das Beleidigen an. Das können wahllose Beschimpfungen sein, Schuldzuweisungen, dass man eine Partie nur wegen Person XY verloren hätte und alle möglichen verletzenden Dinge - Trollen und Hatern scheint nie die Munition auszugehen. Warum auch? Sie sind anonym und müssen kaum Konsequenzen fürchten, denn auch wenn viele Spieleentwickler Meldefunktionen anbieten, haben sie doch kaum genügend Mitarbeiter, die alle Verstöße gründlich und vor allem zeitnah überprüfen können.

Das System der Bestrafung von Fehltritten hat sich also als ungenügend oder zumindest löchrig erwiesen. Aus diesem Grund hat Activision-Blizzard mit dem neuesten Update für Overwatch das 'Endorsement System' eingeführt, das freundliche und hilfreiche Spieler belohnt und diejenigen mit einer zu niedrigen Höflichkeitswertung kurzerhand von den Matchen ausschließt. Es handelt sich also um ein Regulativ für die Spieler, das von den Spielern selbst generiert wird.

So funktioniert das Endorsement System

Brigitte aus Overwatch an der Bar

Anzüglicher Spruch im Spiel? Oder doch lieber ein freundliches Kompliment? Für letzteres gibt es jetzt spielrelevante Vorteile, für ersteres nichts außer schlechtem Karma.  

Quelle:  Blizzard Entertainment 

Brigitte aus Overwatch an der Bar

Anzüglicher Spruch im Spiel? Oder doch lieber ein freundliches Kompliment? Für letzteres gibt es jetzt spielrelevante Vorteile, für ersteres nichts außer schlechtem Karma.  

Quelle:  Blizzard Entertainment 

Das neue Freundlichkeits-Ranking funktioniert so: Neben dem Level des Spielers, das dessen Skill widerspiegeln soll, gibt es nun ein Endorsement-Ranking. Direkt neben dem Spieler-Porträt befindet sich ein Abzeichen, das ein Level angibt. Dieses Level erhöht sich immer dann, wenn andere Spieler uns 'endorsement' geben (englisch für Bestätigung), weil wir hilfreich oder nett waren. Freunde aus der Freundesliste können uns übrigens keine Punkte geben, damit das System nicht ausgetrickst werden kann.

Neue Partien, die im Zuge des Updates so gestaltet sind, dass Slots mit bestimmten InGame Rollen wie Tank oder Damage-Dealer auf einen Spieler festgelegt werden können, dürfen jetzt auch so eingestellt werden, dass nur Spieler ab einem bestimmten Endorsement-Ranking teilnehmen können.

Das soll als Anreiz dienen, nett zu sein und sich zu benehmen, da man sonst womöglich keine Mitspieler mehr finden würde. Mit diesem cleveren System haben die Entwickler einen Schritt gemacht, der kein Eingreifen von Mods benötigt, da sich die Spieler untereinander zur Freundlichkeit erziehen und davon haben am Ende alle etwas. Schließlich dürfte auch der Wettbewerb und das Spielerlebnis deutlich an Fahrt aufnehmen, wenn Partien nicht ständig von Beleidigungen und Geschrei im Headset gestört werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass viele Entwickler diese Grundidee, positives Verhalten zu belohnen, anstatt nur negatives zu bestrafen, übernehmen und weiterentwickeln.

Quellen: Kotaku.com, IGN

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