Echte Gamer oder doch nur Solitär?

Zahl der Ü50-Zocker nimmt zu - rasantes Altern unter Gamern

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Foto von Julius Zunker

von Julius Zunker -

Deutschlands Gamer altern: Laut 'game', dem "Verband der deutschen Games-Branche e.V." steigt das durchschnittliche Zocker-Alter auf 36,4 Jahre. Noch im vergangenen Jahr belief sich das Durchschnittsalter auf 36,1 Jahre. Nicht mehr lange und zu Gamepad, Maus und Tastatur müssen Schnabeltassen gereicht werden – oder täuschen die Zahlen?

Älter werden wir alle, das geht auch an der Gaming-Szene nicht vorbei. Noch vor fünf Jahren lag das Durchschnittsalter hier bei 31 Jahren. Der Hauptauslöser ist der Anteil von Gamern jenseits der 50. Genau wie hinzukommender Nachwuchs steigt dieser kontinuierlich. Allerdings offensichtlich stärker als der Nachwuchs.

Games als "Kultur- und Lehrmedium, Innovationstreiber und Therapiemittel"

Laut 'game' beläuft sich der Anteil von Ü50-Zockern auf 10 Millionen, deutschlandweit also 29 Prozent. Im Rahmen der "gamesweekberlin" äußerte sich game-Geschäftsführer Felix Falk dazu: „Die vielen Veränderungen, die das Medium Games in den vergangenen Jahren durchlaufen hat, werden nirgends so deutlich wie beim ansteigenden Durchschnittsalter. Games sind auch heute noch ein Jugendmedium; sie sind darüber hinaus aber auch vieles mehr geworden: Kultur- und Lehrmedium, Innovationstreiber und Therapiemittel sowie Sport. Diese Vielfältigkeit zeigt auch die gamesweekberlin auf: Hier werden Games als Kulturmedium ebenso gezeigt, wie über sie als Sport diskutiert und als Innovationstreiber referiert wird.“

Grafik zum Altersschnitt von Gamern in Deutschland

Gamer in Deutschland: Der Altersschnitt steigt scheinbar unaufhörlich.

Quelle:  Game 

Grafik zum Altersschnitt von Gamern in Deutschland

Gamer in Deutschland: Der Altersschnitt steigt scheinbar unaufhörlich.  

Quelle:  Game 

Eine Sichtweise, die sich sicherlich mit Zahlen untermauern lässt, aber letztendlich eine branchengenehme Interpretation darstellt. Denn, mal Hände aufs Gamepad, wer glaubt denn tatsächlich, Gaming sei heute noch eine reine Angelegenheit für Jugendliche? Natürlich sind gewisse Bereiche recht jungen Menschen mit viel Zeit vorbehalten. Allerdings hat der heutige, post-bologna Student deutlich weniger Zeit als der künftige Magister-Absolvent in den 90ern und frühen 00er Jahren.

"Ernsthaftes" Gaming als teures Hobby

Obendrein braucht es heute für eine amtliche Game-Sammlung schon ein wenig mehr Geld als noch vor 20 Jahren. Ein brandneuer AAA-Titel geht nicht für unter 60 Euro über die Ladentheke. Wo früher ein hochgerüsteter Rechner für ein paar hundert DM reichte, will das amtlich ausstaffierte Game-Zimmer heute neben ein bis zwei Konsolen noch mit einem High-End-Rechner versehen sein. Spielereien wie ein "Oculus Rift" fürs VR sind dabei noch gar nicht einberechnet. Gaming ist also längst nicht mehr ein Hobby nur für Teenies und verzweifelte, junge Männer in den frühen 20ern, sondern über die komplette Gesellschaft verteilt. Ein deutschlandweiter Frauenanteil von 48 Prozent unterstreicht dies deutlich.

Wo wir grade bei den jungen Studenten und Schülern von einst sind: Sicher finden sich unter den Ü50ern, die game mittels des GfK Consumer Panels, der GfK Entertainment, der GfK POS Measurement und App Annie ermittelt hat, der ein oder die andere, begeisterte Solitär- und Minesweep-Spielerin, aber ein nicht ungewichtiger Anteil dürften waschechte Gaming-Veteranen beider Geschlechter sein.

Instinktiv wird mit Games immer ein Bild junger Menschen verbunden. Doch wie alt sind denn die einst jungen Zocker heute? Überlebende des "Video Game Crash" von ’83 bis ’85 sind, selbst wenn sie damals erst in den Anfängen der Pubertät steckten, als sie "Pac Man" angefixt wurden, heute in den späten 40ern. Selbst spätere Einsteiger, die erst Erfahrungen am MS-DOS-Rechner mit Klassikern wie "Monkey Island" machten, werden nächstes Jahr hart an den Rand der 50 kommen und darüber hinausschießen.

Altern ja, solange der Kopf frisch bleibt

Unterm Strich lässt sich sagen: Die Zocker-Szene wird erfreulicherweise immer bunter. Spiele sind längst nicht mehr reines Entertainment, sie vermitteln schon lange Lerninhalte und halten sogar fit. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern eben auch Menschen jenseits der 50. Laut 'game' schlägt sich dies auch in harten Euros nieder: 2018 ist der Markt in Deutschland merklich gewachsen. Im Vergleich zu 2017 ist der Umsatz von 4 auf 4,4 Milliarden Euro angestiegen. Im Ingame-Bereich wurde allein ein Anstieg um 28 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro verzeichnet.

Quelle: Game

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