Paid Content und aggressive Werbung

Bitte bezahlen: Warum im Internet immer weniger kostenlos ist

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Interessante Inhalte, optisch attraktiv und häufig interaktiv – moderne Web-Portale haben flächendeckend ein hohes Maß an Professionalität erreicht und kämpfen um die Aufmerksamkeit der anspruchsvollen User. Zunehmend ergreifen Webseitenbetreiber zu Mitteln und Wegen, um den kostspieligen Betrieb aufrechtzuerhalten. Nicht jede Methode kommt dabei gut an.

Zu Zeiten als Google noch gar nicht im Einsatz war, sah eine Webseite manchmal so aus: Schwarzer Hintergrund, Texte in weißen oder bunten Schriften und hier und da gerne ein extrem pixeliges Bild oder ein ClipArt. Davon sind wir heute weit entfernt. Seiten sind barrierefrei und 'responsive', bieten euch eine quasi unendliche Informationsmenge in Form von Artikel, hochauflösenden Fotogalerien und Videos. Inklusive weiterführender Links, für alle die mehr erfahren möchten.

Werbeanzeigen im Vollbild

Um Portale entsprechend wettbewerbsfähig zu gestalten und die vielen Menschen zu entlohnen, die dafür programmieren, schreiben, fotografieren und designen, muss irgendwo das Geld herkommen. Lästigerweise etabliert sich vermehrt ein System, bei dem Werbeanzeigen im Vollbildmodus aufpoppen und teilweise eine gewisse Zeitspanne verstreichen muss, damit ihr diese überhaupt schließen könnt.

Bei Mobilgeräten kommt es durch das Advertising besonders häufig zu Problemen. Beim Scrollen eines interessanten Artikels öffnet sich auf einmal eine andere Seite und ihr kommt nicht mehr zu der Textstelle zurück, an der ihr gerade gewesen seid. Oder ein Werbe-Banner verschiebt sich immer wieder, bis ihr es aufgebt, den Inhalt zu lesen. Nerv, nerv, nerv.

David Wong von Cracked.com hat diesen negativen Internet-Trend, zu dem unter anderem auch Pay-Walls zählen, unter die Lupe genommen. Er diagnostiziert: Es handelt dabei lediglich um Symptome für ein kränkelndes System, in dem der Kampf um Finanzierung schwierig geworden ist. Wong sieht die Ursachen zum einen darin, dass die meisten User Seiten mobil abrufen und daher mit einem geringeren Platz für Werbeanzeigen auch weniger Geld verdient werden kann, und zum anderen tragen Ad-Blocking-Tools ihr Übriges dazu bei.

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Damit sich das Bespielen von Webseiten mit Inhalten überhaupt noch lohnt, werdet ihr vielfach dazu aufgefordert, einen Newsletter zu abonnieren oder die entsprechende App herunterzuladen. Auch hier geht es darum, langfristig eure Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das klingt alles zwar so nach "ieh, bah, immer dieser Kommerz", aber wenn euch die Qualität und das Themenspektrum anspricht, kann etwas Support von Leserseite nicht verkehrt sein.

The point is, nobody is happy with the current system -- not the readers, not the publishers, not the advertisers. It will change, because it has to. I don't know if the future is letting willing fans just straight up contribute money to support...

David Wong

Denn es gibt viele Negativbeispiele, bei denen SEO-Know-How und hohe Werbebudgets zum puren Clickbait führen. Klickt ihr also irgendwo auf eine interessante Überschrift und werdet auf die entsprechende Seite weitergeleitet, findet ihr dort rein gar nichts mehr! Manchmal hat sich jemand noch die Mühe gemacht, zwei Sätze zu schreiben oder ein Bild hochzuladen, aber das hat mit mehrwertigen Inhalten (oder zumindest mit Unterhaltung) überhaupt nichts mehr zu tun.

Des Weiteren erwähnt Wong die große Abhängigkeit von "Mark Zuckerberg's kingdom", denn ohne Facebook ist es sehr schwer im Internet Reichweite zu erzielen. Während man früher einfach mit RSS Feeds zum Bookmarken gearbeitet hat, gibt es heute ein so unübersichtliches, ständig aktualisiertes Informationsangebot im Netz, dass der komfortabelste Weg der ist, einen Publisher bei Facebook zu abonnieren und Neuigkeiten einfach über den Feed zu erfahren, den man eh abruft. Wer sich im Zuckerberg-Werbe-Imperium nicht etabliert, der fällt größtenteils "hinten runter". Beerdigt, wie auf Seite 2 in Google-Suchergebnissen.

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