Teil 1

Cybermobbing und Privatsphäre – Strategien, um sich aus dem Internet zu löschen

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Über soziale Netzwerke, Suchmaschinen-Nutzung, Online-Shopping und weitere Dienste kursieren langfristig zahlreiche persönliche Informationen im Internet – nicht immer zum Vorteil des Users. Mit einer strategischen Vorgehensweise lassen sich Einträge im Web jedoch zumindest teilweise wieder entfernen.

So interessant die Nutzung diverser Online-Dienste auch ist, kann es das Veröffentlichen von privaten Daten leider große Nachteile mit sich bringen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn man sich um einen neuen Job bewirbt und vorher sichergehen will, dass der Personalverantwortliche bei der ersten Online-Suche nicht direkt auf ein Bild stößt, das den Bewerber zum Beispiel in stark alkoholisiertem Zustand zeigt.

Ernste Konsequenzen

Die Folgen von Cybermobbing gehen soweit, dass Betroffene sich in der Vergangenheit aus Scham über im Internet kursierende Fotos/Videos das Leben nahmen. Erst im September 2016 starb die 31-Jährige Italienerin Tiziana Cantone, weil sie die Folgen eines veröffentlichten Sexvideos nicht ertrug.

Benjamin Reisle, Geschäftsführer bei yourreputation24.com, weiß aus seiner Erfahrung als Online-Reputations-Experte zu berichten: "Bei Privatpersonen geht es oft um peinliche Bilder, alte Foreneinträge oder Identitätsdiebstahl. Nicht selten werden über eine Person auch Dinge im Internet verbreitet, die schlichtweg nicht stimmen."

Neben einzelnen verleumderischen Einträgen werden vor allem auch junge User teils systematisch im Netz beleidigt. Laut JIM-Studie gibt jeder Dritte in der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen (34 Prozent) an, dass in seinem Umfeld schon einmal jemand im Internet oder per Handy "fertiggemacht" wurde.

Ein Großteil der regelmäßig im Internet surfenden User lässt sich per schlichter Google-Suche ausfindig machen. Zum Beispiel durch eine Verlinkung auf das Facebook- oder Linkedin-Profil. Durch den Browserverlauf werden darüber hinaus besuchte Webseiten getrackt und Interessenfelder analysiert.

Im besten Fall gebt ihr damit nur oberflächliche Informationen preis, im schlimmsten Fall nutzen sogenannte "Cyberbullies" die digitale Präsenz aus, um andere zu verleumden und persönlich zu attackieren. Wie ihr vorgehen könnt, um einige eurer Datenspuren aus dem Netz zu löschen, erläutern wir hier:

1. Bestandsaufnahme: Was ist über euch im Netz zu finden?

Im ersten Schritt empfiehlt es sich, selbst Detektiv zu spielen und alle Suchmaschinen nach eurem Namen und nach Kontaktdaten - zum Beispiel der bevorzugten E-Mail-Adresse - zu befragen. Beschränkt euch dabei nicht nur auf Google! Auch Yahoo, Yasni oder Bing können Einträge zutage fördern.

Anschließend gilt es eine Art Inventurliste anzufertigen, sprich: Eine Auflistung aller Webseiten, auf denen Daten zu eurer Person öffentlich dargestellt werden.

2. Einstellungen ändern und Nutzerkonten löschen

Der zweite Schritt ist wesentlich aufwendiger: Loggt euch bei allen Diensten ein, für die ihr selbst ein Konto angelegt habt, und ändert eure Einstellungen entweder so, dass Daten nicht mehr von jedem eingesehen werden können, oder löscht das Konto gleich ganz - wenn ihr keinen Nutzen mehr dafür habt. Da ein Profil auf Facebook (sofern existent) wohl als einer der ersten Einträge von euch notiert worden ist, hier der Hinweis: In den Einstellungen kann zur Frage "Wer kann nach mir suchen?" ein Häkchen entfernt werden, das Suchmaschinen das Verlinken auf deine Chronik gestattet.

Facebook Privatsphären-Check

Privatsphären-Check

(Screenshot) Facebook 

Facebook Chronik-Einstellungen

Facebook Chronik-Einstellungen

(Screenshot) Facebook 

Facebook Privatsphären-Check

Privatsphären-Check

(Screenshot) Facebook 

Facebook Chronik-Einstellungen

Facebook Chronik-Einstellungen

(Screenshot) Facebook 

Über den "Privatsphäre-Check" könnt ihr außerdem kontrollieren, wer eure Beiträge, Kommentare, Fotos und Freundeslisten aktuell einsehen kann. Möchtet ihr euer Profil privater gestalten, dann erhaltet ihr hier die Tipps, wo die jeweiligen Einstellungen geändert werden können.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang: Nicht jeder sollte auf eurer Chronik nach Belieben posten dürfen! Am rechten unteren Bildrand eures Titelbildes findet ihr neben der Schaltfläche "Aktivitätenprotokoll anzeigen" das Menü "Chronik und Markierungseinstellungen". Hier habt ihr unter anderem die Möglichkeit festzulegen, dass Beiträge zunächst von euch überprüft werden müssen, in denen ihr markiert worden seid, bevor sie in eurer Chronik erscheinen.

Facebook-Konto endgültig löschen

Facebook schreibt....

"Wenn du dein Konto löschst, können es andere auf Facebook nicht sehen. Es kann vom Beginn des Löschvorgangs an bis zu 90 Tage dauern, alle deine geposteten Beiträge zu löschen, z. B. deine Fotos, Statusmeldungen oder andere in den Sicherungssystemen"

Zwar unwahrscheinlich, dass dies wirklich zu hundert Prozent möglich ist, aber ein für andere sichtbares Profil lässt sich folgendermaßen löschen (Auflistung der Schaltflächen):

  • "Hilfe" anwählen (Pfeil nach unten, rechts oben im Menü) "Besuche Hilfebereich"
  • Menüpunkt "Verwaltung deines Kontos" auswählen, dann "Dein Konto löschen oder deaktivieren"
  • den Beitrag "Wie lösche ich mein Konto dauerhaft?" ausklappen und Link "teile es uns mit" (blau markiert) anwählen
  • Klick auf "Mein Konto löschen"

Browserverlauf und Google

Egal, welchen Browser ihr verwendet - fahndet in den Einstellungen nach dem Umgang mit Daten zu besuchten Webseiten, um das Aufzeichnen des Browserverlaufs auf Wunsch zu verhindern. Aber Achtung: Google hat vielfältige Wege, um an die gewinnbringenden User-Informationen zu gelangen.

Jedes Mal, wenn Google die Nutzungsrichtlinien ändert, dürft ihr diesen also nicht ungelesen zustimmen, sondern müsst euch durch die verschiedenen Punkte klicken und festlegen, was ihr freigeben möchtet, beziehungsweise welche Daten der Suchmaschinen-Riese sammeln darf.

Online-Shops

Über öffentliche Wunschzettel gebt ihr ebenfalls Infos preis, die nicht nur von dem Online-Shop genutzt werden. Diese sollten auf "privat" eingestellt sein.

Um den Konzern selbst dafür einzuspannen, ungeliebte Interneteinträge nicht mehr als Suchergebnis anzuzeigen, kann man über ein Google-Formular eine Löschanfrage stellen.

Das gilt übrigens für alle Google-Dienste, also auch für YouTube-Ergebnisse, Google+, Google Play und so weiter. Obwohl laut eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom 13. Mai 2014 ein "Recht auf Vergessen-werden" existiert, ist es nicht sicher, dass Google sich tatsächlich um jede einzelne Löschanfrage bemüht.

3. Kontakt zum Webseiten-Betreiber aufnehmen

Wo Interneteinträge von euch nicht gelöscht werden können, besteht die Option, den Betreiber des jeweiligen Portals um Löschung zu bitten. Die Nennung von Kontaktdaten im Impressum ist in Deutschland Pflicht. Ist eine Löschung unmöglich, so kann zumindest um die Abänderung des eigenen Namens in ein Pseudonym gebeten werden.

Bringt Geduld mit! Der Aufwand solche Anfragen zu bearbeiten wird sicherlich nicht gern betrieben. Hier gilt es dran zu bleiben, wenn sich trotz mehrmaliger Aufforderung zur Löschung keine Ergebnisse einstellen. Wird man trotz aller Bemühungen weiterhin ignoriert, besteht letztendlich die Möglichkeit, auf die rechtlichen Konsequenzen hinzuweisen und dem Betreiber somit deutlich zu machen, dass man sich über seine Rechte im Klaren ist.

Wichtig: Handelt es sich um eine einwandfrei recherchierte Berichterstattung über euch als Person, weil ihr beispielsweise ein Unternehmen führt, im Vorstand eines Vereins seid oder vergleichbaren Tätigkeiten nachgeht, fallen Beiträge, die der Wahrheit entsprechen und nachgewiesen werden können unter das Presserecht und sind erlaubt. Auf Verleumdung kann nur dann geklagt werden, wenn die Vorwürfe unwahr sind.

Fazit:

Es lässt sich einiges unternehmen, um sich weitestgehend aus dem öffentlichen Gedächtnis zu streichen, aber der Zeitaufwand ist unter Umständen enorm. Zumal nach der Löschung ein Online-Monitoring stattfinden müsste, damit ihr auch zukünftig sichergehen könnt, was für Einträge über euch im Internet existieren.

Wer die Mühe gern an Profis abtreten möchte, der findet Hilfe auf Plattformen wie yourreputation24.com oder deinguterruf.de, die sich auf das Online-Reputationsmanagement spezialisiert haben. Im zweiten Teil unseres Artikels zum Thema "Cybermobbing und Privatsphäre" erfahrt ihr, welche Erfahrungen die Experten mit dem Löschen von Interneteinträgen gemacht haben und wo die Grenzen des Machbaren liegen.

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