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"Fakten, Fakten..." Freundlichkeit

#ichbinhier – Dieses Facebook-Projekt bekämpft Hate-Speech mit Dialog und Charme

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

'Zusammen gegen Fake News und Hass im Netz' – unter diesem Buchtitel hielt Hannes Ley seine Erfahrungen fest, die ihm und seiner Community im Verlauf des letzten Jahres widerfahren sind. Grundlage für das Buch ist die ins ins Leben gerufene Facebook-Gruppe '#ichbinhier', die mit Freundlichkeit, Faktentreue und Zivilcourage gegen Hate-Speech und Fake-News in den sozialen Medien vorgeht.

Wer Hate-Speech und eine Verrohung der Sitten sucht, muss nicht erst vor die Tür treten, sondern klickt sich einfach durch eine beliebige der Millionen Kommentarspalten unter Social-Media-Beiträgen. Hier geht es selbst unter den belanglosesten Posts teils heftig zur Sache. Flüchtlinge, Rundfunkbeitrag oder Angela Merkel, Kleingärten, die Häkeldecke der Oma oder einfach der konkurrierende Sportverein – wie schnell eine Diskussion aus dem Ruder läuft, wenn sich unterschiedliche Ansichten in sozialen Netzwerken hinter dem scheinbaren Schutz eines Monitors begegnen, ist eigentlich nur mit Popcorn und der Haltung "alles nur ein Film" zu ertragen.

Ein 'Rant'-Kommentar schreibt sich halt leichter, als ein Lob mit einem "Komme gerne wieder!" auf der Facebook-Page des Restaurantbesitzers zu hinterlassen.

Wie das Netz in den vergangenen Jahren für die Verbreitung von Unwahrheiten, Hassbotschaften, Beleidigungen und die Verfolgung eigener Interessen auf Kosten anderer missbraucht wird, ruft nun selbst die Politik aufs Parkett. Vor allem das respektvolle Miteinander scheint völlig abhandengekommen zu sein. Netzwerkdurchsetzungsgesetz lässt grüßen.

"Ein falscher Eindruck" entgegnen IT-Experten, vor allem im Bereich Fake-News und Hetze: Es sei eine "lautstarke Minderheit" mit einem noch kleineren Kern, der "extrem aktiv" agiere und Diskussionen nutze, um gezielt zu manipulieren. Die stille Mehrheit der Internetnutzer verfolgt dieses Spektakel im Umkehrschluss fassungslos und überlässt Hass-Inhalten oder aggressiven Kommentatoren kampflos das Feld. Zumal soziale Medien wie Facebook oder die Videoplattform YouTube dafür bekannt sind, polarisierende Beiträge zu belohnen.

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten beschloss der Kommunikationsberater Hannes Ley im Dezember 2016 die Facebook-Gruppe mit dem Namen '#ichbinhier' ins Leben zu rufen. Seither engagieren sich nun bereits über 36.000 ehrenamtliche Mitglieder, Admins und Moderatoren – Tendenz steigend.

#ichbinhier – mit Freundlichkeit und Fakten gegen Hate-Speech

Der Ansatz klingt so simpel wie effektiv: Wenn Hass, Hetze und Unwahrheiten verbreitet werden, stellen sie sich mit Fakten und Freundlichkeit dagegen. Fakten gegen Unwahrheiten, Freundlichkeit gegen blinde Hetze und den Abbau von Vorurteilen – selten benötigten soziale Medien mehr von dieser Art friedvoller Anti-Bewegung als im Moment. Und dieser Ansatz trifft einen Nerv.

"#ichbinhier steht für einen konstruktiven Dialog in sozialen Medien" leitet die Informations-Box der Gruppe den interessierten Besucher ein. Die Mitglieder agieren organisiert und picken sich unter der Leitung von Ley und den mittlerweile 20 Moderatoren mehrmals am Tag Themen aus den Posts großer Facebook-Seiten. Anschließend agieren sie im Schwarm gegen Kommentare.

Ziel sei es dabei nicht, die Hetzer zu bekehren, sondern die große Mehrheit an stillen Betrachtern zu ermutigen, sich gegen Falschaussagen und respektlose Kommentar-Trolle zur Wehr zu setzen, wird Ley in einem Spiegel-Interview zitiert. Es ginge darum, den Leuten zu vermitteln, dass der Hass in den Kommentarspalten nicht normal sei, so Ley weiter.

Entschließt sich ein Gruppenmitglied in einer Kommentarspalte zu agieren, bekommt der Kommentar Zuspruch und Likes. Unterstützung und geduldige Argumentationsketten gibt es, wenn sich die Gegenseite auf jemanden einschießt. Denn: Aktivität wird in Facebook belohnt – egal ob der Ansatz positiv oder negativ ist. Durch dieses Vorgehen stehen positive Kommentare in der Regel in den sogenannten 'Top Kommentaren', während Hate-Speech und Verbitterung im Niemandsland der unteren Kommentarspalten versauern.

'Zusammen gegen Fake News und Hass im Netz' setzt den richtigen Hebel an

Am 19. Februar hat Hannes Ley nun sein gleichnamiges Buch veröffentlicht, in dem er unter anderem die gesammelten Erfahrungen niederschreibt, die ihm und den Mitgliedern seiner Facebook-Gruppe im Verlauf des letzten Jahres wiederfahren sind. Erst durch '#ichbinhier - Zusammen gegen Fake News und Hass im Netz' bin ich wirklich auf die ehrenamtliche Arbeit der Community aufmerksam geworden, die für mein Verständnis den richtigen Hebel im Kampf gegen die komplette Verrohung der Diskussionskultur ansetzt.

Das Buch ist sowohl in gebundener als auch in eBook-Version käuflich zu erwerben. Wer weiterführendes Interesse an dieser Thematik hat und den zeitfressenden Kampf gegen Hate-Speech unterstützen möchte, ist mit diesem Werk sicherlich nicht schlecht beraten.

Quelle: faktenfinder.tagesschau.de, spiegel.de

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