Im Goldrausch der Krypto-Schürfer

Jedem sein Token: Kryptowährungen schießen wie Pilze aus dem Boden

Foto von Sven Schäfer

von Sven Schäfer (@kreativfrei)-

Unter den Kryptowährungen ist der Bitcoin sicherlich der bekannteste Vertreter digitaler Geldeinheiten. Der Hype um das dezentrale, abseits der Bankenkontrolle entstehende Gut lässt immer neue Währungen entstehen, die einen wahren Rausch unter den digitalen Goldschürfern auslösen. Doch was sind Kryptowährungen überhaupt, wie entstehen sie und welche Risiken sind mit Bitcoin und Co. verbunden?

Virtuelle Währungen boomen, rund 840 gibt es von ihnen im Sommer 2017. Ihre Kurse gehen durch die Decke, ein echter Goldrausch hat sich eingestellt. Das echte Gold hingegen stagniert preislich: Nach seinem großen Aufschwung zu Beginn des Jahrtausends und einem nachfolgenden Rückschlag läuft der Kurs seit 2013 seitwärts. Die prominenteste Kryptowährung Bitcoin hingegen notiert Ende August 2017 bei über 4.700 Dollar (für einen einzigen Bitcoin), der Kurs hatte 2009 mit der Etablierung des Bitcoins im Dollar-Cent-Bereich gelegen. Er ist also um viele Tausend Prozent gestiegen.

Warum gibt es so viele virtuelle Währungen?

In der Tat ist die Vielfalt erstaunlich. Es scheint so, als könne jeder Interessent seinen eigenen Token wählen, also den rechnerbasierten digitalen Coin. Sie heißen Bitcoin und inzwischen - nach einer Abspaltung im Sommer 2017 - unter anderem auch Bitcoin cash, Litecoin, Ethereum, Peercoin, Ripple, Monero oder Zcash. Wer sich also dafür interessiert, steht vor der Qual der Wahl. Die Vielfalt lässt sich mit immer neuen Tokens begründen, in denen die Bedingungen jeweils individuell gestaltet werden.

Dogecoin auf gezeichnetem Hintergrund

Selbst Memes sind vor der Kryptowährung nicht sicher: was 2013 zunächst als Parodie auf den damaligen Bitcoin-Hype startete, kann heute immer noch als dezentrale Peer-to-Peer-Digitalwährung genutzt werden – der 'Dogecoin'.  

Quelle: (Screenshot)  YouTube | QuantumDesignsHD 

Dogecoin auf gezeichnetem Hintergrund

Selbst Memes sind vor der Kryptowährung nicht sicher: was 2013 zunächst als Parodie auf den damaligen Bitcoin-Hype startete, kann heute immer noch als dezentrale Peer-to-Peer-Digitalwährung genutzt werden – der 'Dogecoin'.  

Quelle: (Screenshot)  YouTube | QuantumDesignsHD 

Einige Newcomer könnten das Potenzial zu enormen Preissteigerungen haben, während der Bitcoin als am stärksten kapitalisierte und wertvollste Kryptowährung möglicherweise an seine Grenze stößt. Doch das ist nicht zwangsläufig der Fall. Es gibt Experten, die der führenden Kryptowährung weitere Preissteigerungen bis in den sechsstelligen Dollarbereich zutrauen. Zudem hat Japan im April 2017 den Bitcoin zu einem offiziellen Zahlungsmittel erklärt, was der Währung einen weiteren enormen Aufschub verpasste und ihr aktuell ein Alleinstellungsmerkmal verleiht.

Auch in den Mainstream-Medien ist am meisten der Bitcoin präsent. Er steht quasi als Synonym für eine neue Ära des Geldes und könnte in den nächsten Jahren auf wirklich breites Interesse in der Öffentlichkeit stoßen. Dennoch dürften sich die anderen virtuellen Währungen parallel dazu ebenfalls halten. Schließlich gibt es auch beim klassischen Geld sehr viele Währungen.

Gibt es Risiken bei virtuellen Währungen?

Diese gibt es in der Tat. Wer etwa den Bitcoin-Kurs betrachtet, stellt eine enorme Volatilität – also einen Schwankungsbereich während eines bestimmten Zeitraums - fest. Preisrückgänge um 30 Prozent in drei Wochen sind nicht ungewöhnlich. Das ist für eine Währung eine enorme Schwankungsbreite. Der Euro bewegt sich beispielsweise gegen den Dollar oft über längere Zeiträume (zwei bis drei Jahre) nur um zehn Prozent. Es gibt zwar auch hier große Bewegungen, doch das sind singuläre Ereignisse, die nur im Abstand von mehreren Jahren auftreten. Daher warnen vor allem Banker vor den Kryptowährungen, denen sie gern überhaupt ihre Existenzberechtigung absprechen: Ihre Marktkapitalisierung sei im Vergleich zu den klassischen Währungen doch recht gering, im Alltag würden sie bislang kaum eine Rolle spielen, ein risikoreiches Anlageobjekt seien sie außerdem. Doch diese Argumente sind interessengetrieben.

Kryptowährungen werden dezentral geschürft und unterliegen keinerlei Kontrolle durch die Banken und den Staat. Das kann einen Banker nicht erfreuen. Es empfiehlt sich daher ein objektiver Blick auf das virtuelle Geld, das wohl nicht mehr verschwinden wird. Lediglich an die vorerst hohe Volatilität müssen wir uns gewöhnen.

Virtuelle Währungen erklärt - am Beispiel des Bitcoins

Die Geschichte des Bitcoins als traditionsreichster und wichtigster der Kryptowährungen dient zur Veranschaulichung, worum es eigentlich bei dem virtuellen Geld geht und wie es funktioniert. Diese Währungen werden absolut dezentral im Internet mithilfe aufwendiger Rechnerprozesse geschürft. Banken oder Staaten sind daran nicht beteiligt. Zwar haben Staaten das Monopol auf das Gelddrucken, doch unabhängige Zahlungsmittel gibt es schon sehr lange - etwa als Regionalwährungen.

Sie dürfen sich nur nicht "Geld" nennen - dieser Begriff ist den Geldscheinen und Münzen des Staates vorbehalten. Es steht also Personen und Gruppen frei, eigene Zahlungsmittel zu kreieren, wie das auch mit dem Bitcoin geschah, der die erste der virtuellen Währungen war. Wer ihn erfunden hat, ist bis heute nicht wirklich bekannt. Die (wahrscheinlich vorsätzlich gebildete) Legende nennt den Japaner Satoshi Nakamoto als Entwickler, wahrscheinlich ist das aber ein Pseudonym und wahrscheinlich war es eine Gruppe von Entwicklern, die 2009 den Bitcoin ins Leben rief.

Kryptowährungen werden dezentral geschürft und unterliegen keinerlei Kontrolle durch die Banken und den Staat.

Nachdem die ersten Bitcoins 2009 zur Verfügung standen, kosteten sie nur einige Dollarcent und wurden auf Online-Marktplätzen gehandelt, wo sich am Markt ein Preis bildete. Sie konnten und können gegen reales Geld getauscht werden, doch viele Händler akzeptieren sie inzwischen auch als Zahlungsmittel. Vor allem in Japan ist das Bezahlen mit Bitcoins sehr ausgeprägt, daher erhielt diese Kryptowährung dort auch den Status als offizielles Zahlungsmittel.

Der Kauf oder Verkauf von Bitcoins wird zwar von Online-Marktplätzen gegen eine sehr kleine Provision organisiert, doch die eigentlichen Transaktionen finden direkt zwischen den Käufern und Verkäufern über ein sogenanntes Peer-to-Peer-Netzwerk statt. Beide Seiten bleiben dabei anonym, die Transaktion kann aber im Netzwerk nachvollzogen werden. Damit unterscheidet sich der Bitcoin übrigens von einigen anderen Kryptowährungen - wie beispielsweise dem Monero -, die noch intransparenter sind: Dort ist gar nichts nachzuvollziehen.

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